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Warten auf Corona-Impfungen - Impfneid und die Freiheit der anderen

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Die einen drängeln sich vor, viele Berechtigte warten noch immer. Ist Impfneid da eine verständliche Reaktion? Psychologen warnen vor einer Tabuisierung der Debatte.

Die Bundesländer beginnen mit der Aufhebung von Beschränkungen für Geimpfte. Das macht Freude, aber Virologen sind besorgt, dass die Lockerungen zu früh und zu groß sein könnten.

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Die sozialen Netzwerke sind voll mit Fotos von Oberarmen mit Pflaster oder Bildern von Impfpässen. Macht das etwas mit den Betrachtern? Gibt es das in großem Stil - so etwas wie Impfneid und Impfscham?

Einig sind sich viele Forscher heute: Der Vergleich mit anderen gehört zur menschlichen Evolution. In der Bibel beginnt es mit Kain und Abel und es geht nicht gut aus. "Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung", schrieb dagegen der Humorist Wilhelm Busch.

Die Angst, dass man zu kurz kommt

Doch gibt es so etwas wie Impfneid? "Ich würde das nicht so sehr als klassischen Neid bezeichnen", sagt Isabella Heuser, Direktorin der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité. Es sei mehr ein Gefühl von Zurücksetzung.

"Dahinter steckt die Angst, dass man zu kurz kommt und an Covid erkrankt, auch schwer." Diese Angst werde noch befeuert, wenn ein Impfstoff rationiert werde - oder auch durch neue Mutanten.

Prof. Steffen Augsberg, Mitglied des Ethikrates, hält Lockerungen der Corona-Maßnahmen für Geimpfte und Genesene für "überfällig". Er plädiert für Solidarität.

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Neid nicht tabuisieren

Neid sei in dieser Situation vollkommen verständlich und sollte auch nicht tabuisiert werden, sagt dagegen der Psychoanalytiker Eckehard Pioch, Mitherausgeber des Buchs "Neid. Zwischen Sehnsucht und Zerstörung" im "Berliner Inforadio".

Ich brauche etwas dringend und habe es nicht. Ich sehe aber jemand anderen, der es bereits hat. Dann entsteht dieses Gefühl, diese Mischung aus Angst, Wut und Traurigkeit, die wir Neid nennen.
Eckehard Pioch, Psychoanalytiker

In einer Berliner Hausarztpraxis regt sich der Doktor auf, dass er gerade einen kerngesunden Steuerfahnder impfen musste. "Priorisiert", sagt er. "Ich krieg pro Woche zwei Fläschen Impfstoff für die ganze Praxis." Und beim Nierenspezialisten nebenan seien die Organtransplantierten noch immer nicht immunisiert. "Da haut doch irgendwas nicht hin."

Neid lebt vom Vergleich, sagt der Psychoanalytiker Eckehard Pioch. Und eine lebensgefährliche Infektion sei ein guter Grund für Neid.

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Auch Ärzte tragen eine moralische Verantwortung

Auch Charité-Ärztin Heuser kennt solche Stimmungen. "Es ist das Misstrauen, ob allen Geimpften ihre Immunisierung auch zusteht", sagt sie. Sie selbst habe erlebt, dass zwei Menschen, die weder vom Alter noch von ihrer Gesundheit her berechtigt gewesen seien, eine Impf-Bescheinigung von ihrem Arzt bekommen hätten. "Ich finde das moralisch verwerflich, auch von dem Arzt", urteilt sie. "Die beiden haben das triumphierend erzählt. Das ist dann noch ein Stück widerlicher."

Der Druck wächst, vor allem mitten in der Debatte, welche Freiheiten Geimpfte zurückbekommen könnten. "Dass ihnen Freiheiten, die ihnen zustehen, wieder zurückgegeben werden, das finde ich richtig", sagt Heuser. Aber genau das könne natürlich den Drang nach der Impfung noch immens vergrößern. Und damit auch die Emotionalität bei diesem Thema.

Interview

Ärztekammer-Präsident Reinhardt - Jugend jetzt impfen "durchaus sinnvolle Idee" 

Bisher werden vor allem Erwachsene geimpft. Dass es zum Kampf gegen Corona "sinnvoll" wäre, jetzt auch Jugendliche zu impfen, begründet der Präsident der Ärztekammer im ZDF.

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