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Vor Abstimmung im Bundestag : Was Pflegekräfte zur Impfpflicht sagen

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Impfpflicht für alle, die in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen arbeiten? Drei Pflegerinnen erklären, warum sie diese kritisch sehen

Ärzte und Pfleger untersuchen einen Patienten auf der Covid-19 Intensivstation im SRH Waldklinikum am 11.11.2021
Ein Pfleger untersucht einen Patienten auf der Covid-Station.
Quelle: dpa

Für bestimmte Berufsgruppen will die Ampel-Koalition eine Impfpflicht gegen das Coronavirus einführen - darunter fallen Pflegerinnen und Pfleger. Der entsprechende Gesetzentwurf von SPD, Grünen und FDP soll am Freitag im Bundestag beraten und verabschiedet werden.

Die Begründung für diese Impfpflicht: Dem Personal in Gesundheitsberufen komme eine besondere Verantwortung zu, da es intensiven und engen Kontakt zu Personen mit einem hohen Risiko für schwere oder tödliche Krankheitsverläufe habe, so steht es im Gesetzentwurf. Ein verlässlicher Schutz vor dem Coronavirus durch eine sehr hohe Impfquote beim Personal in den entsprechenden Berufen sei wichtig.

Das sehen Pflegerinnen, die mit ZDFheute gesprochen haben, allerdings anders.

Hinweis: Dieser Beitrag zeigt die Einzelmeinungen dreier Pflegekräfte und erhebt keinen Anspruch, repräsentativ zu sein. Laut ZDF-Politbarometer spricht sich eine deutliche Mehrheit der Befragten für eine noch weitergehende, allgemeine Impfpflicht aus. Die Befragung ist repräsentativ für die Gesamtbevölkerung und befragt nicht ausschließlich Pflegekräfte.

Fabienne, 30, Niedersachsen:

"Zu sagen, dass nur die Pflege eine Impfpflicht bekommt, finde ich schwierig. Diese Berufsgruppe, die schon seit zwei Jahren den Kopf hinhält, die wird nun auch noch dafür gegängelt. Gleichzeitig hat man eine Verantwortung gegenüber denen, die man pflegt. Aber in jedem Beruf hat man doch Verantwortung für seine Mitmenschen. Wir alle begegnen vulnerablen Gruppen, nicht nur das Gesundheitspersonal.

Die gefäß- und allgemeinchirurgische Station, wo ich arbeite, wurde aufgrund von Corona geschlossen, damit das Personal in der Covid-Station unterstützt. Im Moment haben wir sieben Covid-Patienten. Ich habe vollständig geimpfte und ungeimpfte Kollegen. Der Impfstatus meiner Kollegen ist ein super schwieriges Thema. Mein Arbeitgeber hat den Impfstatus immer als freiwillige Sache deklariert. Es gibt aber Auflagen, die ungewollt dazu führen, dass Mitarbeiter sich diskriminiert fühlen.

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So sollen zum Beispiel geimpfte Mitarbeiter nicht mit ungeimpften gemeinsam Pause machen. Ich bin eine von den Kolleginnen, die sich trotzdem zu den Ungeimpften setzen. Denn das ist eine Regelung, die bricht einem das Herz. Man arbeitet seit Jahren mit diesen Menschen zusammen und plötzlich soll man sie anders behandeln? Auf wissenschaftlicher Grundlage macht das Sinn, aber menschlich ist das natürlich schwer.

Man hackt im Moment sehr viel auf den Leuten rum, die nicht geimpft sind.
Fabienne, Pflegerin auf der Gefäß- und Allgemeinchirurgie

Aber unter den Ungeimpften sind nicht nur Aluhut-Träger und Querdenker, sondern viele, die einfach Angst vor dieser Impfung haben. Wenn überhaupt wäre ich für eine generalisierte Impfpflicht, weil ich aus schulmedizinischer Sicht keinen anderen Weg sehe, die Pandemie zu beenden, aber aus ethisch moralischer Sicht finde ich eine Impfpflicht nicht gut."

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Nadine, 36, Rheinland-Pfalz:

"Die Impfpflicht auf eine Berufsgruppe zu streuen, finde ich unglaublich schwierig. Skeptiker unter meinen Kollegen sagen: 'Warum schützen dann Patienten nicht mich?'

Ich bin seit 15 Jahren Krankenschwester und studiere jetzt Pflegepädagogik. Zur Impfpflicht habe ich gemischte Gefühle. Auf der einen Seite sehe ich, dass wir die Pandemie dringend durchbrechen müssen und Impfen die einzige Chance darstellt. Andererseits:

Alle, die gegen eine Impfung sind, werden sich von der Pflege verabschieden.
Nadine, Pflegerin seit 15 Jahren

Ich kenne einige Kollegen, die nicht geimpft sind und sagen, sie werden der Pflege den Rücken zukehren. Wenn davon auch nur jeder dritte wahrmacht, was er sagt, dann haben wir ein großes Problem.

Wir Pflegekräfte werden ganz oft auf der Straße oder in der Klinik von Menschen angesprochen, die fragen, ob sie sich impfen lassen sollen oder nicht. Wir haben den Auftrag angenommen, über die Impfung zu informieren und über die Maskenpflicht und Hygieneregeln. Das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe. Viele wissen noch zu wenig über die Pandemie."

Debatte um eine Impfpflicht

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Laura, 27, Niedersachsen:

"Dass das Risiko bei meiner Arbeit besonders hoch ist, das ist der größte Schmarren. Wir tragen Maske und wir müssen uns regelmäßig testen - auch die Patienten werden getestet. Ich hatte mehrfach Kontakt zu Covid-positiven Patienten und Kollegen und ich habe mich nicht angesteckt - auch bevor ich geimpft war. Pflicht sollte sein, dass sich jeder an die Hygienevorschriften hält. Die Gefahr, dass ich es in der Klinik weitergebe, ist viel geringer als zum Beispiel im Supermarkt.

Ich arbeite in einem großen Klinikum in der Anästhesiepflege und habe im Sommer mein Examen zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin gemacht. Ein Kind sollte auch mal das Lachen der Pflegerin sehen. Aber mit Maske geht das im Moment nicht. Das ist im Alltag schon schwer, aber im Krankenhaus noch viel schwerer.

Impfen ja, Pflicht nein.
Laura, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin

Weil ich es sinnvoll finde, bin ich geimpft und geboostert. Ich möchte nicht intubiert auf einer Intensivstation landen. Ich unterscheide aber nicht zwischen Menschen, die geimpft sind oder nicht. Ich verurteile keinen dafür, aber die Impfung schützt definitiv vor schweren Verläufen.

Ich finde dennoch fatal zu sagen, dass alle sich impfen lassen müssen. Das finde ich auch unfair. Wir haben eh schon so viel Druck - wegen der höheren Hygienevorschriften, dem Personalmangel, dem Papierkram. Wir sind jetzt schon überlastet und überfordert mit der ganzen Situation."

Auf der Illustration ist eine Frau zu sehen, die in der Hand ein Impffläschchen hält. Es trägt die Aufschrift Booster. Sie schaut es fragend an.

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24.05.2022
von Sibylle Bassler
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