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Interview

Firmenchef im Gespräch - Dringend erwartet: Wo bleibt Curevac?

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Ein Interview mit Seltenheitswert: Der Curevac-Vorstandsvorsitzende Franz-Werner Haas spricht zum ersten Mal im ZDF über die Hürden bei der Entwicklung eines neuen Impfstoffes.

Curevac-Unternehmenszentrale in Tübingen.
Der mRNA-Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac ist in der entscheidenden dritten Phase vor der Zulassung.
Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

ZDFheute: Mittlerweile wurden Sie von vier Konkurrenten überholt, obwohl Sie mit Ihrem mRNA-Impfstoff ganz vorne mit dabei waren. Warum dauert das bei Curevac so lange?

Franz-Werner Haas: Als Covid-19 aufkam, waren wir finanziell nicht so stark aufgestellt wie unsere Wettbewerber. Mittlerweile haben wir aber deutlich aufgeholt. Wir haben Anfang 2020 mit acht mRNA-Konstrukten die Entwicklung des Impfstoffes begonnen und nach einer detaillierten Analyse den besten Kandidaten mit den stabilsten präklinischen Daten herausgesucht. Im Juni 2020 sind wir damit in die erste klinische Studie gegangen.

ZDFheute: Wie weit sind Sie mit der letzten entscheidenden Studie, die die Wirksamkeit Ihres Impfstoffes belegen soll?

Haas: Wir sind dabei, 36.000 Probanden in zahlreichen Ländern Europas und Lateinamerikas zu rekrutieren. Interims-Analysen sollen beweisen, dass der Wirkstoff einen Schutz aufbaut. Und dieser Schutz ist natürlich erst mal nicht an Covid zu erkranken und noch viel wichtiger, eine starke Erkrankung und damit auch eine Hospitalisierung zu vermeiden.

Wie lange wird es noch dauern bis der Impfstoff kommt?

Beitragslänge:
4 min
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ZDFheute: Gibt es kritische Ereignisse im Studienverlauf oder ein Zwischenergebnis?

Haas: Nein, Zwischenergebnisse gibt es noch nicht. Natürlich wird die Studie durch ein sogenanntes Data and Safety Monitoring Board begleitet. Das heißt, wenn Auffälligkeiten auftreten, werden diese durch ein unabhängiges Gremium untersucht, und es wird entschieden, ob die Studie weiter durchgeführt werden kann. Bisher gab es keine Überraschungen. Mit Ergebnissen rechnen wir in der zweiten April-Hälfte.

ZDFheute: Sie produzieren schon den Impfstoff, obwohl er noch gar nicht zugelassen ist. Auch Verträge sind schon unterschrieben. Ist das nicht riskant?

Haas: Es wäre eine Tragödie, wenn wir mit den klinischen Tests positiv durchkommen würden und ein wirksames Vakzin in der Hand hielten, aber keinen Impfstoff produziert hätten.

Wir glauben an den Erfolg unseres Impfstoffes.
Franz-Werner Haas

Wir haben einen Vertrag mit der Europäischen Kommission und indirekt auch mit den Mitgliedsstaaten geschlossen, über 225 Millionen Dosen, die wir auch produzieren.

ZDFheute: Ihre Konkurrenz hat Impfstoffe, die auch gegen Mutanten wirken. Kann das der Curevac-Impfstoff auch?

Haas: In unserer laufenden Studie geht es um das Wuhan-Virus, also um das Original. Wie unsere kürzlich publizierten präklinischen Daten belegen, können aber auch einige Varianten mit unserem aktuellen Impfstoffkandidaten adressiert werden. Diese Erkenntnisse über Mutanten fließen zudem in die weitere Impfstoffentwicklung ein. Wir arbeiten bereits mit der Taskforce der britischen Regierung zusammen, wo extrem gute Wissenschaftler schon an neuen Mutanten forschen. Sie prognostizieren, welches Virus das nächste sein könnte. Das Ziel ist es, die mRNA damit schneller zu kodieren und den Wirkstoff anzupassen.

ZDFheute: Was ist bei Ihrem Impfstoff anders als bei den anderen?

Haas: Wir verwenden eine sehr geringe Menge, zwölf Mikrogramm. Damit reicht eine sehr kleine Dosis aus, um einen Schutz zu generieren. Das wollen wir in unserer aktuellen Studie belegen. Darüber hinaus haben wir eine Thermo-Stabilität bei Kühlschranktemperatur, was letztendlich den lokalen Einsatz bei den Hausärzten möglich macht und die Logistik für den internationalen Einsatz ungemein vereinfacht.

ZDFheute: Die Europäische Zulassungsbehörde (EMA) verlangt Nachweise für Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität. Wie schnell geht das?

Haas: Das sogenannte rollierende Zulassungsverfahren haben wir schon losgetreten und hoffen, dass wir Ende Mai, Anfang Juni von der EMA die Eilzulassung bekommen werden. Das ist unser großes Ziel, abhängig von den Daten natürlich, die wir mit Spannung erwarten.

Das Interview führte Claudia Krafczyk.

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