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Neue Strategie - alte Probleme - Es fehlt der Impfstoff

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In Baden-Württemberg dürfen Hausärzte entscheiden, wen sie impfen wollen. Die Priorisierung ist aufgehoben. Klingt vielversprechend. Und doch gibt es Probleme.

Bayern, München: Die Schauspielerin Eva Christian wartet zum Start der Corona-Impfungen in bayerischen Hausarztpraxen im Wartezimmer ihres Hausarztes auf ihre Impfung.
Warten auf die Impfung beim Hausarzt
Quelle: dpa

Die Arbeitswoche beginnt, wie sie am Freitag aufgehört hat: In der Praxis Dr. Patrick Fischer in Baden-Baden klingelt das Telefon. Seit 8 Uhr unaufhörlich. Es sind meist Patienten, die geimpft werden wollen. Als Hausarzt darf Dr. Fischer seit heute entscheiden, wen er gegen das Coronavirus impfen kann.

"Endlich frei entscheiden und allen Patienten gerecht werden", sagt der Internist. Er hat Pläne geschmiedet: 250 Patienten wollte er in dieser Woche impfen; alle seine Kraft in eine große Impfaktion stecken. In vier Wochen hätte er dann alle Patienten geimpft. "Und alles wäre wieder entspannter", sagt er.

In mehreren Bundesländern endet diese Woche die Priorisierung bei den Corona-Impfungen in Arztpraxen.

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Trotz Aufhebung der Priorisierung - keine Erstimpfung

Die Realität an diesem ersten Tag ohne Priorisierung: "Was impfen betrifft, tote Hose". Der Arzt ist enttäuscht, betrübt, sauer, denn Dr. Fischer wird in dieser Woche keinem Patienten eine Erstimpfung anbieten können. Er hat keinen Impfstoff bekommen. Warum, weiß er nicht. Nur für seine 18 geplanten Zweitimpfungen wurde der Internist versorgt.

"Weiter so wie in den Wochen zuvor", sagt der Arzt und schüttelt den Kopf. Die Patienten rennen ihm die Bude ein, erzählt er. "Impfen, impfen...", heißt es hier hundertfach am Tag. Aber er kann nicht und das nervt ihn:

Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien der Impfstoff verteilt wird.
Hausarzt Dr. Patrick Fischer

Die Impfzahlen steigen - zumindest im provisorischen Impfzentrum.

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Wo Impfstoff fehlt, kochen Emotionen hoch

Er muss Impfstoff jeweils für die kommende Woche bis Dienstag bestellen, um dann am Donnerstag zu erfahren, was es am Montag tatsächlich gibt oder nicht. "Es tut mir leid" ist deshalb in seiner Praxis die meistgesprochene Botschaft. Dann, wenn er oder die Arzthelferinnen sagen müssen, dass immer noch nichts geht, dass Patienten warten müssen oder sich im Impfzentrum bemühen müssen.

Die Patienten verstehen die Verzögerungen erst recht nicht. "Wir erleben hier jeden Tag das ganze Spektrum an Emotionen", erzählt der Arzt. Ehrlichen Dank, wenn es geklappt hat und viele erlogene Geschichten, um schneller dranzukommen.

Jeden Tag verzweifelnde Bitten um Impftermine, Weinen, Schreien, Drohen, bis hin zur Nötigung: "Dann gehe ich künftig zu einem anderen Arzt."
Hausarzt Dr. Patrick Fischer

Alles sei dabei, sagt er und auch dass er froh sei, ein richtig gutes Team zu haben". "Meine Mitarbeiterinnen nehmen mir sehr viel ab, weil sie wissen, ich muss mich auch noch um Kranke kümmern.

So wie heute, nach dem langen Wochenende kommen wieder besonders viele Patienten. "Wir arbeiten längst am Limit!" Die Wirren um die Impfstoff-Versorgung belasten Arzt und Praxis. Sie gehen hier an die Grenzen: Überstunden, Wochenendeinsätze. Sogar, wenn die Praxis geschlossen ist, kommen Helferinnen, um stundenlang zu telefonieren. Er selbst bringt es zurzeit locker auf über 80 Wochenstunden. "Vielen Kolleg*innen geht es genauso", berichtet er.

Datengrafik: Impfungen in Deutschland
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Diese Länder liegen vorne - Wie viele wurden bisher gegen Corona geimpft? 

Wie erfolgreich ist die Impfkampagne in deutschen Bundesländern und anderen Staaten, wo gerät sie ins Stocken? Aktuelle Zahlen zeigen, wie viele Menschen bereits geimpft wurden.

von M. Hörz, R. Meyer, M. Zajonz

Die Frage der Fragen

Wann bin ich endlich dran?

Auch heute ist das die Frage der Fragen. Ausgerechnet heute, wo er frei entscheiden könnte, hat er keine Antwort. "Dass wir Ärzte jetzt entscheiden können ist gut und richtig", sagt Dr. Fischer. "Wir haben die Alten und Schwerkranken inzwischen durch, jetzt muss es doch vorangehen".

Seine Forderungen an die Politik: "Schluss mit der Bürokratie, Schluss mit der Verpflichtung zu langer Aufklärung und warum keine Fertigspritzen mit Impfstoff - das spart Zeit!". Und das Dauerthema Versorgung: "Es kann doch nicht sein, dass Arztpraxen leer ausgehen - eine Woche Stillstand!" Das klingt nach Verzweiflung.

ZDF-Reporterin Nicola Albrecht spricht mit Sandra Winkler, Impfzentrum Schönefeld, Holger Rostek, Kassenärztliche Vereinigung, und Dr. Markus Grünewald, Innenministerium, über das Impfen in Brandenburg.

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Das Dauerläuten des Telefons bricht auch am Nachmittag nicht ab; immer wieder die Frage "Wann bin ich dran?" Morgen kann Dr. Fischer wieder Impfstoff bestellen. 250 Portionen hätte er gerne. "Es wird nicht klappen" sagt Dr. Fischer frustriert und eilt davon, Patienten vertrösten...

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