Immunisierung in Schleimhäuten: Nasale Corona-Impfstoffe

    Forschung an Impfstoffen:Nasenspray als Hoffnungsträger gegen Corona?

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    In der Regel finden Coronaviren über Nase und Rachen Zugang in den menschlichen Körper. Forscher möchten sie nun genau dort bekämpfen - mit Schleimhaut-Impfstoffen.

    Molekularbiologe Emanuel Wyler, aufgenommen am 19.07.2022 in Berlin
    Molekularbiologe Emanuel Wyler arbeitet mit einem Team an einem Schleimhaut-Impfstoff.
    Quelle: dpa

    Coronaviren verbreiten sich bekanntermaßen vor allem durch die Luft und gelangen in der Regel zunächst in Nase, Rachen und Lunge. Nur logisch direkt in den Schleimhäuten mit der Bekämpfung der Erreger zu beginnen und eine Infektion so bestenfalls ganz zu vermeiden. Tatsächlich arbeiten Forscher schon seit der Frühzeit der Pandemie an Schleimhaut-Impfstoffen.

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    "Wenn der Impfstoff in den Muskel gespritzt wird, baut sich die Immunität vor allem im Blut beziehungsweise über den ganzen Körper verteilt auf. Das heißt, dass Coronaviren, die ja über die Oberfläche der Schleimhäute von Nase und Hals eindringen, vom Immunsystem erst relativ spät bemerkt und damit bekämpft werden können", erläutert Emanuel Wyler, Molekularbiologe am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin.

    Um eine Ansteckung oder die Weitergabe des Virus zu verhindern, ist das zu spät.

    Emanuel Wyler, Molekularbiologe

    Die Schleimhautimpfstoffe sollen hingegen eine Immunität direkt am Eintrittsort von Sars-CoV-2 aufbauen und die Erreger dann zügig bekämpfen.

    Präparate bauen Immunität in den Schleimhäuten auf

    Anfang September wurden zwei Präparate in Indien und China zugelassen. Beide Präparate beruhen auf abgeschwächten Adenoviren, einer Gruppe von Viren, die unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen kann. Die abgeschwächten Viren können sich selbst nicht oder nur schlecht vermehren und somit keine Krankheiten auslösen.

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    Sie transportieren aber genetisches Material von Sars-CoV-2 in die Zellen der Schleimhaut, woraufhin der Körper Antikörper und andere Abwehrstoffe gegen das Coronavirus bildet. Die Hoffnung ist, dass die in den Schleimhäuten aufgebaute Immunität auch für längere Zeit vor Ansteckung schützt und die Weitergabe des Erregers bremst.

    Wie gut das funktioniert, wissen wir momentan allerdings nicht, weil bisher nur wenige Daten von zugrundeliegenden Studien veröffentlicht wurden.

    Leif Erik Sander, Immunologe und Impfstoffforscher

    Studien zu Schleimhaut-Impfstoffen auch außerhalb Asiens

    Bisher gibt es vergleichsweise wenig Erfahrung mit der Messung der Immunität in Schleimhäuten. Wie hoch muss zum Beispiel der Antikörper-Spiegel in der Schleimhaut sein, um tatsächlich von einem Schutz vor Ansteckung ausgehen zu können? Viele Fragen sind noch offen.

    Nasaler Grippeimpfstoff führte zu Gesichtslähmung

    Ergebnisse aus Tierversuchen verliefen erfolgreich. Als Booster nach einer vorangegangenen mRNA-Impfung schützte der Nasen-Impfstoff besser als zwei mRNA-Impfstoff-Dosen allein.
    Ein speziell bei einem intranasal verabreichten Impfstoff zu berücksichtigender Sicherheitsaspekt betrifft allerdings die Nähe zu den Gesichtsnerven. Der nasale Grippeimpfstoff eines Schweizer Pharmaunternehmens wurde 2001 vom Markt genommen, nachdem sich Fälle von Gesichtslähmung bei Geimpften häuften.

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    Epidemiologe Stöhr: Zulassung in allen Altersgruppen unwahrscheinlich

    In vielen Ländern ist die Immunität in der Bevölkerung dank der Impfungen und als Folge der Infektionen mittlerweile deutlich angestiegen. Klaus Stöhr, Epidemiologe und unter anderem Mitglied des Corona-Sachverständigenausschusses, der die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung unabhängig bewertet hatte, ist skeptisch bezüglich der Schleimhaut-Impfstoffe.

    Nasale Impfstoffe haben nichts mit dem Ausgang der Pandemie zu tun und falls sie in einigen Jahren bestenfalls in Industrieländern zugelassen wären, keinen signifikanten Einfluss auf die Entstehung von Escape-Varianten oder die Viruszirkulation.

    Klaus Stöhr, Epidemiologe

    Stöhr zufolge ist eine Zulassung in allen Altersgruppen "extrem unwahrscheinlich" - ein weit verbreiteter Einsatz aber nötig, um die Viruszirkulation zu stoppen oder die Entstehung von Immunflucht-Varianten zu verhindern.

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    Immunologe Sander: Anwendung in bestimmten Personengruppen denkbar

    Mediziner Sander kann sich eine gezielte Anwendung der Impfstoffe in besonderen Personengruppen hingegen gut vorstellen.

    Ich halte ein Szenario für denkbar, dass hochgefährdete Gruppen, etwa Bewohner von Pflegeheimen, vielleicht alle drei Monate mit so einem Nasenspray ihre Immunität auffrischen.

    Leif Erik Sander, Immunologe und Impfstoffforscher

    Biologe Wyler weist allerdings auch auf die hohen Hürden hin, den ein Schleimhautimpfstoff mit Blick auf die Zulassung nehmen muss. "Wir sind nicht mehr in der gleichen Situation wie 2020", sagt Wyler.

    Ein möglicher neuer Impfstoff muss sich gegen alle Impfstoffe durchsetzen, die momentan auf dem Markt sind - er muss einfach besser sein.

    Emanuel Wyler, Molekularbiologe

    Allerdings sei alles, was jetzt erforscht werde, auch hilfreich für die Entwicklung anderer Schleimhaut-Impfstoffe - "gegen Grippe, virale Atemwegserkrankungen oder alles andere, was noch kommen mag."
    Quelle: Anja Garms, dpa

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