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Corona-Vakzine - Brauchen Frauen eine andere Impf-Dosierung?

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Die Wirkung von Medikamenten unterscheidet sich bei Männern und Frauen zum Teil sehr. Bei Vakzinen ergibt sich dieses Problem nicht. Warum ist das so und was bedeutet es für Tests?

Eine Corona-Impfung.
Die Wirkung von Impfstoffen ist weniger abhängig vom Geschlecht, sondern vom Alter der Geimpften.
Quelle: obs

Unterscheidet sich die Wirkung eines Corona-Impfstoffs je nach Geschlecht der Geimpften? Diese Frage stellen sich viele - vor allem jene, die vom sogenannten "Gender Data Gap" gehört haben. Dieser Begriff beschreibt die Datenlücke, die sich etwa bei medizinischen Studien ergibt, weil ein Geschlecht - meist Frauen - unterrepräsentiert ist und so zu Nachteilen bei der Behandlung führen kann.

So wurden viele Medikamente jahrelang nur an Männern getestet. Das führte dazu, dass für Mittel eine Dosierung empfohlen wurde, die zwar angemessen für durchschnittlich große und schwere Männer war, nicht aber für Frauen.

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Wichtig für Impfstoff-Wirkung ist Alter, nicht Geschlecht

Eine solche Diskrepanz gibt es bei den bisher in Deutschland zugelassenen Corona-Impfstoffen nicht. "Die Dosierung ist für Männer und Frauen gleich. Das ist bei Impfstoffen immer so", erklärt das Paul-Ehrlich-Institut auf Anfrage. Entscheidend sei bei der Wirkung von Impfstoffen nicht das Geschlecht, sondern das Alter der Menschen.

Unterschieden wird nach Alter, da das Immunsystem in verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich reagiert.
Paul-Ehrlich-Institut

Dem Impf-Experten Carlos Guzman zufolge gibt es keinen spezifischen Hinweis darauf, dass es bei den zugelassenen Impfstoffen gegen COVID-19 Unterschiede gibt, die eine unterschiedliche Impfstrategie für Männer oder Frauen erfordern - schwangere Frauen ausgenommen. "Die Aufsichtsbehörden werden niemals einen Impfstoff genehmigen, der nur an einem Geschlecht oder in einer geschlechtsspezifischen/unausgewogenen Weise getestet wird", erklärt der Leiter der Abteilung Vakzinologie und Angewandte Mikrobiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung.

Frauenanteil bei Astrazeneca-Tests sogar höher

Tatsächlich wurde bei den bisher in Deutschland zugelassenen Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca viel Wert darauf gelegt, ungefähr gleich viele Männer wie Frauen zu berücksichtigen, wie jüngst erschienene Wirksamkeitsstudien zeigen - bei Astrazeneca, wurden sogar mehr Frauen als Männer untersucht.

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Im Gegensatz zu gewöhnlichen Arzneimitteln haben Impfstoffe einen entscheidenden Vorteil, wenn es um die "Gender Data Gap" geht: Vakzine zielen auf das Immunsystem - und das reagiert bei Männern und Frauen sehr ähnlich.  

Unterschied bei Wirkung von Impfstoff und Medikament

"Bei Arzneimitteln ist das anders", sagt Thomas Wieland, Pharmakologe an der Uni Heidelberg. Es ergäben sich schon dadurch Unterschiede, weil viele Medikamente zum Beispiel öfter oral eingenommen und nicht gespritzt würden.

Die Verteilung eines Stoffs im Körper, wenn er über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen wird, ist bei Männern und Frauen unterschiedlich. Sie hängt unter anderem von der Fett- und Muskelmasse oder auch vom Hormonhaushalt ab.
Thomas Wieland, Pharmakologe Uni Heidelberg

Auch der Abbau von bestimmten Arzneistoffen erfolgt zwischen Männern und Frauen, ähnlich wie beim Alkohol, unterschiedlich schnell.

Außerdem gibt es bei der Wirkung der Mittel in den Organen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So docken etwa bestimmte Schmerzmittel an den entsprechenden Bindungsstellen bei Frauen passgenauer an als bei Männern.

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Gebärfähige Frauen in Medikamententests unterrepräsentiert

Trotz dieser Unterschiede wurden Frauen bei Medikamententests, besonders in der Frühphase der Erprobung, jahrelang wenig berücksichtigt. Der Hauptgrund: Weil Frauen schwanger werden können, waren Probandinnen im gebärfähigen Alter von vielen Studien, bei denen eine Gefährdung für das ungeborene Leben nicht ausgeschlossen werden konnte, von vornherein ausgeschlossen.

Frauen bei Medikamententests

Zudem können hormonelle Schwankungen bei Frauen - etwa während der Periode - dazu führen, dass Studienergebnisse nicht mehr untereinander vergleichbar sind. Deshalb braucht es für aussagekräftige Medikamententests viele weibliche Teilnehmerinnen - sowohl vor als auch nach den Wechseljahren - und das macht Studien teurer und aufwändiger. 

Seit 2004 ist die Ermittlung eventueller Unterschiede zwischen Frauen und Männern im Rahmen klinischer Prüfungen auch in Deutschland gesetzlich gefordert. Seither hat sich vieles gebessert. Frauen bis 40 Jahren seien aber auch heute noch in Medikamentenstudien unterrepräsentiert, erklärt Wieland.  

Das liegt eventuell am zögerlichen Verhalten mancher Frauen, aber auch der Firmen, die sich im Falle einer schwangeren Probandin mit schwierigen Rechtsfragen auseinandersetzen müssten.
Thomas Wieland

Fazit: Keine Dosierungs-Probleme bei Impfstoffen für Frauen

Diese Probleme ergeben sich bei Studien mit Impfstoffen nicht: Daher müssen sich Männer - und vor allem Frauen - keine Sorgen machen, dass in den Impfstofftests eine Dosierung festgelegt wurde, die für sie unpassend ist.

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