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Impfstoff-Mangel - Zweite Corona-Impfung verschieben?

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Es gibt zu wenig Impfstoff. Großbritannien geht deshalb einen neuen Weg: Es verlängert den Abstand zwischen den Impfungen. Auch in Deutschland läuft die Debatte darüber.

Eine Spritze und ein Impfstoff-Fläschchen.
Impfung gegen das Coronavirus - soll man den Abstand zwischen den Impfungen verlängern?
Quelle: dpa

In Nordrhein-Westfalen war man sich bei der ersten Impfstoff-Lieferung offenbar sicher: Da kommt noch mehr. Deshalb verteilte das Land alle knapp 10.000 Impfdosen an seine Landkreise und kreisfreien Städte. Eigentlich sollen die Bundesländer die Hälfte des Vakzins stets einbehalten. Denn für die volle Wirksamkeit des Biontech/Pfizer-Serums ist nach derzeitigem Wissensstand ein zweiter Piks nach etwa drei Wochen nötig.

Nordrhein-Westfalen verließ sich auf die Zusagen des Bundes über die Impfstoff-Mengen. Der lieferte auch: NRW erhielt in drei Lieferrunden inzwischen gut 280.000 Impfdosen. Die "fehlende" Hälfte der ersten Lieferung hat man so mittlerweile wieder zusammen, dafür wurde etwas mehr bei einer Folge-Lieferung einbehalten.

Gesundheitsexperten warnen: Trotz Impfstoff stünden uns noch 2-4 harte Monate bevor. Auch verschärft sich die Kritik an der Bundesregierung wegen der Impfstoff-Beschaffung.

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Sollte man alle Impfdosen direkt verteilen?

Doch wäre es denkbar, einfach alle Dosen direkt zu verteilen - wie NRW das bei der ersten Lieferung getan hat? Möglich wäre das etwa, wenn man den Abstand zwischen den beiden Impfungen verlängert. Man könnte dann viel mehr Menschen auf einmal impfen.

Dieser Weg ist kein theoretisches Hirngespinst: Großbritannien hat den Abstand zwischen den Impfungen jetzt vervierfacht. Statt 21 Tagen werden nun zwölf Wochen als Abstand zwischen den Impfungen angesetzt.

Archiv: Der Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer

Verteilung der Corona-Impfdosen - Wer bekommt wie viel vom Impfstoff? 

Die erste große Lieferung des Corona-Impfstoffs ist da, doch er ist noch begrenzt. Über die konkrete Verteilung entscheiden die Länder. Wie sie vorgehen und welche Modelle es gibt.

von Julia Klaus

Bundesländer wollen sich an Impfpläne halten

ZDFheute hat alle Bundesländer angefragt, ob und unter welchen Bedingungen sie längere Abstände zwischen den Impfungen angehen würden.

Keines der sieben Länder, die geantwortet haben*, peilt derzeit andere Impfpläne an; sie behalten stattdessen die Hälfte des Vakzins ein, um die zweite, fristgerechte Impfung garantieren zu können.

Wir haben das intern kurz diskutiert, bleiben aber dabei: Wir planen die Dosen und die Impf-Terminvergabe so ein, dass Geimpften nach drei Wochen die zweite Dosis verimpft werden kann.
Sprecherin des Gesundheitsministeriums Baden-Württemberg

Auch in Bremen hält man an dem Impfplan fest. Sollte sich an dem Zeitraum von drei Wochen etwas ändern, müsse das ohnehin "bundesweit einheitlich vorgenommen werden", heißt es aus dem dortigen Gesundheitsministerium.

Hamburg verweist an die Forschenden und Expert*innen: "Sofern seitens Zulassungs- und Regulierungsbehörden und durch die Hersteller eine andere Empfehlung ausgesprochen würde, würde diese einbezogen und berücksichtigt werden."

In Hamburger Pflegeheimen haben die Impfungen bereits begonnen. Nun werden auch Kliniken sowie auch das städtische Impfzentrum allmählich mit dem Impfstoff beliefert.

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Pfizer: Für maximalen Schutz zwei Dosen erforderlich - Studie mit 21 Tagen

Die Impfstoff-Entwickler Pfizer und Biontech hatten in ihrer Phase-3-Studie die Sicherheit und Wirksamkeit mit zwei Impfdosen im Abstand von 21 Tagen untersucht: "Die Daten haben gezeigt, dass - obwohl der partielle Schutz durch den Impfstoff bereits 12 Tage nach der ersten Dosis zu beginnen scheint - zwei Dosen des Impfstoffs erforderlich sind, um den maximalen Schutz gegen die Krankheit zu erreichen, d.h. eine Impfstoffwirksamkeit von 95 Prozent", so eine Sprecherin von Pfizer.

Es gibt keine Daten, die belegen, dass der Schutz nach der ersten Dosis über 21 Tage hinaus anhält.
Sprecherin Pfizer

Es könnte also sein, dass Großbritannien mit der Ausdehnung des Zeitraums riskiert, dass Geimpfte weniger geschützt sind.

Debatte über britischen Weg auch in Deutschland

Die europäische Arzneimittelagentur EMA und der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts positionierten sich gegen den britischen Weg: Sie raten dazu, der bisherigen Empfehlung zu folgen, denn das sei untersucht.

Doch der Stiko-Vorsitzende, Thomas Mertens, denkt zumindest über eine Änderung nach: "Da der Abstand zwischen beiden Impfungen mit großer Wahrscheinlichkeit in weiten Grenzen variabel sein kann und der Schutz auch nach einer Impfung schon sehr gut ist, ist es durchaus überlegenswert, bei Impfstoffmangel zunächst bevorzugt die erste Impfung zu verabreichen." 

Ähnlich hatte sich der Bonner Virologe Hendrik Streeck bei RTL geäußert. Die Daten hätten gezeigt, dass bereits nach der ersten Impfung mehr als die Hälfte der Geimpften vor der schweren Erkrankung geschützt sei. Man müsse das diskutieren, es sei aber keine leichte Entscheidung.

*Angefragt wurden alle Bundesländer. Geantwortet haben die zuständigen Ministerien im Saarland, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg, Bremen, Bayern.

Ein Mitarbeiter des Westpfalz-Klinikums Kaiserslautern hält ein Fläschchen mit dem Impfstoff gegen Covid-19 in der Hand. Die Neurologin Frauke Zipp glaubt, die Regierung habe zu zögerlich gehandelt bei der Impfstoff-Beschaffung.

Leopoldina-Neurologin kritisiert - "Beschaffung von Impfstoff versäumt" 

Neurologin Frauke Zipp, Mitglied der Akademie der Wissenschaften Leopoldina, sieht Versäumnisse der Regierung bei der Impfstoff-Beschaffung. Kritik kommt auch von der Opposition.

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