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Risikoanalysen und Experten - Mit Astrazeneca impfen lassen - oder warten?

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Die EMA hat analysiert, wann und bei wem der Nutzen einer Impfung mit Astrazeneca mögliche Nebenwirkungen überwiegt. Dabei ist auch das jeweilige Infektionsrisiko entscheidend.

Junge Frau lässt sich impfen
Auch jüngere Menschen können sich nun bei Hausärzt*innen mit Astrazeneca impfen lassen.
Quelle: dpa

Durch die Freigabe des Astrazeneca-Impfstoffs - unabhängig von der Priorisierung - lassen sich bewusst mehr jüngere Menschen mit dem Vakzin impfen. Dabei empfiehlt die Ständige Impfkommission den Coronavirus-Impfstoff eigentlich nur für Menschen ab 60 Jahren. Grund sind äußerst selten auftretende Thrombosen, wie Sinusvenenthrombosen, im Zusammenhang mit dem Vektor-Vakzin, die vor allem in jüngeren Altersgruppen beobachtet wurden.

Daher stellen sich aktuell viele 20-, 30- oder 40-Jährige die Frage: Lohnt es sich, sich angesichts eines sehr geringen, aber möglichen Thrombose-Risikos bei Hausärzt*innen mit Astrazeneca impfen zu lassen?

Bund und Länder haben die Priorisierung bei der Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca aufgehoben. Dies teilte Gesundheitsminister Spahn nach Beratungen mit seinen Länderkollegen mit.

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EMA-Analyse zu Nutzen und Nebenwirkungen von Astrazeneca

Eine entsprechende Risikoanalyse hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) im April durchgeführt. Das Ergebnis: Der Nutzen einer Impfung mit Astrazeneca steigt mit zunehmendem Alter und höherer Infektionsrate. So sei das Risiko, wegen Covid-19 intensivmedizinisch behandelt werden zu müssen, bei Inzidenzen von 401 bzw. sogar 886 in allen Altersgruppen höher als das Thrombose-Risiko nach einer Impfung.

Erst bei einer monatlichen Infektionsrate von 55 gerechnet auch 100.000 Einwohner*innen ist der EMA zufolge des Thrombose-Risiko bei 20- bis 50-Jährigen höher als das, mit Covid auf die Intensivstation zu müssen.

Das Potsdamer Harding-Zentrum für Risikokompetenz hat die EMA-Zahlen mit Blick auf eine Sieben-Tage-Inzidenz von 120 umgerechnet - also einer Infektionsrate, die derjenigen in Deutschland nahekommt. Auch diese Analyse zeigt: Selbst bei einer Inzidenz von 120 überwiegen in allen Altersgruppen die Vorteile einer Impfung die möglichen Nebenwirkungen von Astrazeneca.

Thrombose-Zahlen der EMA nur unter Vorbehalt

Doch die Thrombose-Zahlen der EMA bergen einige Ungenauigkeiten:

  • Die Daten unterscheiden nicht zwischen Männern und Frauen. Dabei gibt es aktuell Hinweise darauf, dass Frauen ein höheres Risiko haben, an den seltenen Thrombosen zu leiden.
  • Die an die EMA übermittelten und in der Analyse verwendeten Daten zu den seltenen Thrombosen standen in der Kritik, unvollständig zu sein.
  • Das Thrombose-Risiko bei älteren Menschen könnte zu gering geschätzt sein, weil bei jüngeren Menschen genauer hingeschaut wird.

Die Analysen von EMA und Harding-Zentrum sind interessant, weil sie zeigen, dass der Nutzen einer Astrazeneca-Impfung auch abhängig vom jeweiligen Infektionsrisiko ist - wobei hier nicht nur die Inzidenz, sondern auch andere Faktoren wie der Beruf oder die Anzahl der persönlichen Kontakte eine entscheidene Rolle spielt. Die Daten müssen aber mit Vorsicht betrachtet werden und sind noch vorläufig.

In Zusammenhang mit dem Impfstoff von Astrazeneca wurden in Deutschland über 60 Fälle von Hirnvenenthrombosen gezählt. Die seien therapierbar, erklärt der Forscher Arnold Ganser.

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Mit Astrazeneca impfen? Das sagen Expert*innen

"Auch unter 60-Jährige mit Astrazeneca zu impfen, ist durchaus vertretbar", sagt der Frankfurter Virologe Martin Stürmer im Gespräch mit ZDFheute. Das Risiko einer schweren Thrombose-Erkrankung sei auf einem "relativ niedrigen Level" - vor allem mit Blick auf viele andere Medikamente, die man bedenkenlos nehme, ohne deren Risiko abzuwägen.

Wobei der Nutzen einer Impfung natürlich vom entsprechenden Infektionsrisiko abhänge, so Stürmer. Um die Pandemie zu brechen, sei es gleichzeitig nötig, möglichst viele zu impfen.

Die Gesamtheit profitiert davon, wenn sich möglichst viele impfen lassen.
Martin Stürmer, Virologe

Eine Impfung mit Astrazeneca sollte dabei immer in Absprache mit den persönlichen Hausarzt*innen erfolgen, rät Stürmer. Nur so könnten mögliche individuelle Risiken abgewogen werden.

Ähnlich sieht es Anke Huckriede, Professorin für Vakzinologie an der Uni Groningen in den Niederlanden. "Ich finde es richtig, die Einschätzung den Leuten selbst zu überlassen, nach Rücksprache mit dem Hausarzt", erklärte sie unter der Woche.

Bei höherem Alter oder Vorerkrankungen, aber auch bei einem großen Risiko auf Infektion, ist das Risiko einer Erkrankung mit schwerwiegenden Folgen sicher größer einzuschätzen als das Risiko durch die Impfung.
Anke Huckriede, Vakzinologin

Virologe Carsten Watzl aus Dortmund fügte hinzu:

Das Risiko der speziellen Thrombosen als Nebenwirkung ist sehr gering. Dagegen ist das Risiko einer schweren Komplikation durch Covid-19 für viele Personen sehr viel höher.
Carsten Watzl, Immunologe

Nur bei den unter 30-Jährigen würde er zur Verwendung eines mRNA-Impfstoffs raten, erklärte er.

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