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Hausärzte starten mit Impfungen : Telefon in Arztpraxen steht nicht mehr still

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Endlich - auch die Hausärzte dürfen jetzt das tun, worin sie seit Jahrzehnten Experten sind: Impfen. Zwei Hausärzte geben Einblicke in ihre Erfahrung mit der Corona-Schutzimpfung.

Martin Mißler ist Facharzt für Innere Medizin. In der gemeinschaftlichen Hausarzt-Praxis in Saarwellingen impft er bereits seit Anfang März Patienten gegen das Coronavirus - und ist begeistert:

Wir gehören zu den sieben Modellpraxen im Saarland und es läuft wirklich gut.
Martin Mißler

Für das Modellprojekt standen insgesamt 500 Impfdosen zur Verfügung. "Man macht ein Modell, um zu lernen, und wir lernen", erklärt der Arzt.

Viel Kommunikation erforderlich: Das klappt nicht überall

Mißler und sein Kollege stehen in regelmäßigem Austausch mit der kassenärztlichen Vereinigung und dem Gesundheitsministerium.

Es ist viel Kommunikation, bis zu vier Telefon- oder Videokonferenzen pro Woche sind keine Seltenheit.
Martin Mißler

Aber man sitze schon mit den richtigen Leuten am Tisch und könne entsprechend auch Entscheidungen treffen, denn "die Unterstützung ist da, jeder profitiert von jedem und lernt".

Burkhardt Weimer, Internist aus Darmstadt, hingegen empfindet die bisherige Informationspolitik als katastrophal:

Ich hatte täglich bis zu 40 Patientenanfragen und konnte keine verlässlichen Zusagen machen, da auch ich völlig in der Luft hing.
Burkhardt Weimer

Als Hausarzt sollte er nach Ostern mit dem Impfen starten. Vor den Feiertagen wusste er weder, ob seine Hausarzt-Praxis tatsächlich Impfdosen erhalten wird, noch wie viele.

Oft kurzfristige Entscheidungen bei Impfstoff-Verfügbarkeiten

Die saarländischen Hausarztpraxen sollen pro Woche und pro Arzt 20 Impfdosen erhalten. Wie viele die Gemeinschaftspraxis von Martin Mißler tatsächlich erhalten wird, weiß der Arzt erst, wenn sie geliefert werden. Aber das ist für ihn nichts Ungewöhnliches.

Bei der Impfstoff-Verfügbarkeit kann es zu kurzfristigen Entscheidungen kommen. "Wir haben heute rund 54 Impfdosen von Biontech erhalten", freut er sich. Auch Internist Weimer ist zumindest bezüglich der Lieferung erleichtert: "Wir haben heute 50 Impfdosen geliefert bekommen, wenigstens das hat funktioniert". Bereits seit 6:30 Uhr steht sein Telefon nicht mehr still - die Patienten fragen nach Impfterminen.

Hoher organisatorischer Aufwand für Praxen

Der Organisationsaufwand ist hoch, gibt der Arzt aus Saarwellingen zu:

Wir sind recht engagiert und es funktioniert aber auch nur durch diesen großen zusätzlichen Einsatz unsererseits.
Martin Mißler

Im Modellprojekt müssen sein Kollege, die Mitarbeiter und er die Patienten abtelefonieren und für die Impftage einbestellen.

Teilweise recht spontan. Mittwoch vor Ostern beispielsweise wurden ihm 24 Biontech-Impfungen zum Verimpfen für Ostersamstag zur Verfügung gestellt. "Ohne eine gewisse Flexibilität und Enthusiasmus geht da nichts", betont Mißler.

Und die Impfung nutzt nur, wenn sie im Oberarm eines Patienten landet, im Kühlschrank nützt sie nichts.
Martin Mißler

Die Impfung selbst richtet sich strikt nach der bisher gültigen Priorisierungsliste. "Es ist kein freies Impfen vorgesehen. Wir müssen im Vorfeld überlegen, ob der jeweilige Patient in die aktuell geltende Impfgruppe passt", betont Weimer. Er hofft auf eine Aufhebung der Priorisierung, da diese nur die Impf-Bewegung verzögere.

Impfpatienten und "normale" Patienten müssen räumlich getrennt sein

Eine weitere logistische Herausforderung ist die Separierung der Patienten. Die Impfung und auch die anschließende Beaufsichtigung bezüglich möglicher Nebenwirkungen muss getrennt von den normalen Patienten erfolgen.

"Wir haben den Luxus, dass wir eine neue Praxis gebaut haben und uns immer noch die alte zur Verfügung steht", sagt Mißler. Die alten Praxisräume werden nun für die Corona-Patienten genutzt.  

In Darmstadt gestaltet sich das schwieriger, da die Praxis für solch eine Separierung nicht ausgelegt ist:

Wir müssen versuchen, abseits des normalen Betriebs die Patienten für die Impfungen einzubestellen.
Burkhardt Weimer

Einbeziehung von Hausärzten richtig - und überfällig

Einig sind sich beide: Dass die Hausärzte endlich zum Mitimpfen ins Boot geholt wurden, war längst überfällig.

Hätte man von Anfang an das System mit Impfzentren und Hausärzten hochgefahren, hätten wir jetzt eine deutlich höhere Zahl an Geimpften.
Burkhardt Weimer

Zumal die Hausärzte ihre Patienten kennen: "Der Arzt-Patienten-Kontakt erfolgt unter Wissen der kompletten Krankheitshistorie, was in den Impfzentren unmöglich ist und damit ist die Aufklärung natürlich wesentlich einfacher", erklärt Weimer.

Der Internist aus Darmstadt sieht das späte Hinzuholen der Hausärzte als einen "hilflosen Versuch etwas zurückzuholen, was längst schon vorbei ist". Als Arzt ist Burkhard Weimer völlig desillusioniert:

Wir werden impfen, aber von Begeisterung ist bei solch einem Missmanagement absolut keine Rede.
Burkhardt Weimer
Illustration: Ein Arzt bereitet Spritze mit COVID-19-Impfung für eine Patientin vor, aufgenommen am 16.02.2021
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Lichtblick im Kampf gegen Covid? - Wie Hausärzte jetzt bei Impfungen helfen 

Bundesweit sollen nun auch Hausärzte Corona-Impfungen vornehmen. Wie kommt man an einen Termin, welcher Impfstoff wird verimpft und wie viel? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

von Lena Gauer

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