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Malta, Dänemark, Niederlande - Diese EU-Länder sind beim Corona-Impfen vorne

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Der deutsche Impffortschritt gegen das Coronavirus ist im EU-Vergleich nur durchschnittlich. Die Liste führen Malta, Dänemark und die Niederlande an. Warum ist das so?

Junge Frau wird in einem Impfzentrum in Amsterdam geimpft
EU-Länder im Impf-Vergleich: Malta, Dänemark und die Niederlande liegen vorne
Quelle: epa

Rund 61 Prozent der deutschen Bevölkerung wurden bislang mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Im EU-Vergleich liegt Deutschland damit genau im Mittelfeld. Und in naher Zukunft sind wohl kaum Plätze gutzumachen, denn die Kurve der täglichen Impfungen zeigt schon seit Mitte Juni nach unten.

Anders als vielen EU-Länder ist es Frankreich und Italien gelungen, dem negativen Impf-Trend gegenzusteuern. Auch beim Anteil der Erstgeimpften haben uns unsere beiden Nachbarländer mittlerweile überholt – doch auf den ersten Plätzen liegen andere. Ein Blick auf die EU-Spitzenreiter in Sachen Impffortschritt.

Corona-Impfungen: Malta ist erster, aber…

... ein gewichtiger Grund ist die geringe Größe der Inselgruppe. Mit seinen rund 500.000 Einwohnern ist Malta eines der kleinsten Länder Europas. Bislang wurden hier mehr als neun von zehn Einwohnern mindestens einmal gegen Corona geimpft. Nur etwas weniger (86,6 Prozent) haben bereits die zweite Spritze gegen das Virus bekommen. Gründe für das rasante Impftempo nannte Maltas Gesundheitsminister Chris Fearne bereits im Mai der Zeitung "Handelsblatt".

Wir haben nicht nur alle anteiligen (von der EU zugewiesen, d. Red.) Impfstoffe akzeptiert, die uns zugeteilt wurden, wir haben auch Impfstoffe genommen, die andere EU-Länder nicht wollten.
Chris Fearne, Gesundheitsminister Malta (Quelle: Handelsblatt, 09.05.2021)

Lehnte ein EU-Staat also ein paar tausend Dosen Impfstoff ab, stand Malta bereit und schlug zu. Bei der geringen Größe des Landes machte das gerade zu Beginn der Impfkampagne viel aus. Und die Größe hatte noch einen Vorteil: Sie erleichterte die Logistik. Der Impfstoff kam schnell von A nach B und wurde häufig innerhalb einer Woche nach der Lieferung verimpft.

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Dänemark liegt bei den Impfungen auf Platz zwei...

... und hat bereits 4,2 Millionen Menschen erstgeimpft. Das sind fast 73 Prozent der Bevölkerung. Das schnelle Impftempo liege unter anderem am großen Vertrauen der Dänen in die Gesundheitsbehörden, sagt Viggo Andreasen, Epidemiologe und Mathematik-Professor an der Universität Roskilde. Zudem sei der öffentliche Sektor sehr gut organisiert, die Impfkampagne gut geplant. Eine wichtige Rolle habe auch der hohe Digitalisierungsgrad der dänischen Gesellschaft gespielt:

Dänemark ist eine sehr digitalisierte Gesellschaft mit zentraler Registrierung aller Bewohner. Das hat es einfach gemacht, persönliche Einladungen zur Impfung per E-Mail zu versenden - und bei denen nachzuhören, die nicht geantwortet haben.
Viggo Andreasen, Mathematik-Professor an der Universität Roskilde

Ein weiterer Grund: Dänemark habe früh entschieden, den Impfstoff von Astrazenea und Johnson & Johnson aufgrund der auftretenden Fälle schwerer Nebenwirkungen nicht für seine Kampagne zu nutzen, sagt Andreasen: "Diese Entscheidung hat den Impffortschritt am Anfang verzögert, aber langfristig vermutlich das Vertrauen in die Impfstoffe und die Behörden gefördert."

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Dritter: Niederlande mit hoher Impfquote, die…

... vor allem an einer großen Impfbereitschaft der Bevölkerung liegt. "Eine generelle Beobachtung ist, dass die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, hoch ist: 90 Prozent der Niederländer, die 16 Jahre oder älter sind", sagt etwa Hans Berkhof, Professor für Epidemiologie an der medizinischen Universität UMC in Amsterdam.

Das bestätigt auch ein Sprecher des niederländischen Gesundheitsministeriums. Doch: "Die Impfbereitschaft muss in tatsächliche Impfungen umgewandelt werden, und wir arbeiten weiter hart daran, so viele Niederländer wie möglich zu impfen."

Anfang des Jahres taten sich die Niederlande noch schwer, jetzt sind rund 69 Prozent zumindest einmal geimpft. Mittlerweile werden auch mobile Impfstationen und "Pop-up"-Impfmöglichkeiten bei Veranstaltungen genutzt, heißt es vom Gesundheitsministerium: "Wir arbeiten auch mit jungen und lokalen Menschen mit Einfluss in bestimmten Gemeinschaften, um so viele wie möglich zu erreichen."

Die große Impfbereitschaft in Portugal und Spanien…

... liegt wohl zu einem großen Teil daran, dass beide Länder im EU-Vergleich besonders schwer von Corona getroffen wurden. In Spanien starben bislang mindestens 81.500 Menschen an oder mit dem Corona-Virus, in Portugal sind es rund 17.300. Ausgangssperren und strenge Regeln machten den Spaniern und Portugiesen lange das Leben schwer. Die Bereitschaft, Masken zu tragen und sich impfen zu lassen, ist daher hoch. Beide Länder kommen auf mehr als 68 Prozent mindestens einmal Geimpfter.

Eine wichtige Rolle spielt die Geschichte der beiden Länder: Weil Spanien ab 1963 dank Impfungen eine Polio-Epidemie überstehen konnte, an der zuvor Tausende Kinder gestorben waren, hatten die in Europa aufkommenden Impfgegner hier kaum eine Chance - anders als etwa in Deutschland oder Frankreich. Ähnlich war es in Portugal: In den 70er-Jahren konnte dank Impfungen die Kindersterblichkeit deutlich gesenkt werden. Impfen ist also in Bevölkerung und Politik kaum umstritten.

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