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Interview

Experte zur Impfung Schwangerer : "Die Risiken einer Infektion überwiegen"

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Sollten sich Schwangere gegen Corona impfen lassen? Ein Pädiatrischer Intensivmediziner meint "Ja", versteht jedoch, warum die Ständige Impfkommission mit einer Empfehlung zögert.

Archiv: Eine schwangere Frau erhält eine Impfung gegen das Coronavirus. Aufgenommen am 27.04.2021 in Santiago, Chile.
Eine schwangere Frau erhält eine Impfung (Symbolbild)
Quelle: imago

Die USA und Großbritannien machen es Deutschland nicht nur beim Impftempo vor. Auch bei der Corona-Impfung von Schwangeren drücken die beiden Staaten mehr aufs Tempo und gehen ein höheres Risiko ein. Während dort bereits flächendeckend Schwangere geimpft werden, ist die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland noch zurückhaltend.

"Alleine auf Grundlage der kürzlich publizierten Beobachtungen aus den USA wird die Stiko keine generelle Impfempfehlung für Schwangere aussprechen", heißt es in der letzten Erklärung zum Thema.

Warum das die richtige Entscheidung sei und Schwangere sich dennoch impfen lassen sollten, erklärt Prof. Mario Rüdiger im Interview mit ZDFheute. Er leitet die Abteilung für Neonatalogie und Pädiatische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Dresden.

ZDFheute: Warum werben Sie persönlich für eine Impfung von Schwangeren?

Mario Rüdiger: Wir wissen aus Studien, dass die Risiken für Schwangere höher sind. Es versterben mehr schwangere Frauen, es sind mehr von ihnen schwer krank. Verglichen mit einer gleichaltrigen Kontrollgruppe von nicht-schwangeren Frauen.

Auf der anderen Seite sind bislang keine Fälle bekannt, wo eine Impfung von Schwangeren eine größere negative Auswirkung auf die Mutter oder das Kind gehabt hat. Und deswegen bin ich davon überzeugt, dass die Risiken der Infektion die Risiken einer Impfung deutlich überwiegen.

ZDFheute: Können Sie dann die Zurückhaltung der Stiko bei der Empfehlung von Covid-19-Impfungen bei Schwangeren nachvollziehen?

Rüdiger: Ich kann es gut nachvollziehen, dass die Stiko keine generelle Empfehlung gibt. Dafür wäre es erforderlich, dass eine ausreichende Anzahl an Studien und Daten vorliegt. Aber wenn man sich die Empfehlung genauer anguckt, steht ja auch drin, dass wenn Risiken bei der Schwangeren vorliegen, durchaus geimpft werden kann.

Und das ist schon ein sehr wichtiger Schritt, der da gegangen wurde. Die Stiko sagt ja eben nicht: Generell soll es nicht gemacht werden, sondern es soll nicht generell gemacht werden.

ZDFheute: Ist das nicht eine Verlagerung der Verantwortung auf Frauenärzte?

Rüdiger: In gewissem Sinne: Ja. Aber es ist aus meiner Sicht auch eine nachvollziehbare Verlagerung, weil die Stiko eine Institution ist, die sehr generelle Empfehlungen abgibt. Die Stiko sagt eben, dass die Datenlage noch nicht ausreichend sei, um zu sagen: Für ausnahmslos alle Schwangeren sind die Vorteile der Impfung größer als der Nachteil.

ZDFheute: Länder wie Großbritannien und die USA impfen bereits großflächig Schwangere und empfehlen das auch. Kann Deutschland daraus nicht die nötigen Erkenntnisse gewinnen?

Rüdiger: Nun, wir können aufgrund dieser Erfahrungen sagen, die Impfung auch bei Schwangeren scheint sicher zu sein. Deswegen haben auch Fachgesellschaften, wie die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin gesagt, wir würden eine generelle Impfung unterstützen und wir halten diese Impfung auch für sinnvoll. Aber diese Empfehlung ist ein Level unter dem der Stiko, die das immer erst auf Basis breiter wissenschaftlicher Studien tut.

Ich sehe zwischen diesen Empfehlungen aber keinen großen Widerspruch. Denn wir wissen zwar, dass Schwangere ein leicht höheres Risiko haben, einen schweren Krankheitsverlauf zu haben, aber wir haben derzeit keine verlässlichen Studiendaten zum Risiko einer Impfung von Schwangeren.

ZDFheute: Warum ist bei Schwangeren überhaupt eine so große Vorsicht bei der Empfehlung angebracht?

Rüdiger: Schwangere haben eine besondere Immunsituation. Sie tragen das Kind in sich und das führt dazu, dass der Abwehrmechanismus der Schwangeren auch dadurch beeinflusst wird. Und deswegen kann man nicht die Daten für Nicht-Schwangere nehmen und sagen, Schwangere vertragen den Impfstoff genauso gut.

Wir haben da die schlechten Beispiele aus der Vergangenheit, wo der Einsatz von Medikamenten bei Schwangeren zu Schäden bei den Ungeborenen geführt hat. Davor hat man natürlich große Angst.

ZDFheute: Trotz ausbleibender Empfehlung der Stiko ist eine Impfung für Schwangere ja möglich. Wie sollten Schwangere ihre Entscheidung treffen, ob sie sich impfen lassen?

Rüdiger: Grundsätzlich sind Schwangere einem etwas größerem Risiko ausgesetzt, einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf zu bekommen. Das spricht also erstmal für eine Impfung. Besonders, wenn die Schwangere in Bereichen arbeitet, wo sie ein großes Risiko hat, sich zu infizieren.

Auch Schwangere mit Erkrankungen in der Lunge oder der Atemwege sollten sich impfen lassen. Denn eine Covid-Erkrankung würde da ein besonderes großes Risiko darstellen.

Das Interview führte Lukas Wilhelm.

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