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Coronavirus - Sterblichkeit nach Impfung - Was ist bekannt?

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In Norwegen sterben 23 Menschen nach einer Corona-Impfung, in einem Pflegeheim am Bodensee elf. Manch einer vermutet einen Zusammenhang zwischen Tod und Impfung - zu Unrecht.

Archiv: Christine Ehrenpfordt, Hals-Nasen-Ohren-Ärztin, impft im DRK-Pflege- und Betreuungszentrum "Tor zur Altstadt" einen Bewohner gegen das Coronavirus.
Mobile Teams impfen im ganzen Land Bewohner*innen in Pflegeeinrichtungen.
Quelle: dpa

Wenn elf Bewohner*innen eines Pflegeheims innerhalb weniger Wochen nach einer Corona-Impfung sterben, erweckt das Aufmerksamkeit. Jeder Schritt, jede Meldung der jungen Impfkampagne wird genau beobachtet. So auch der Fall aus dem baden-württembergischen Uhldingen-Mühlhofen.

Dort sind in einem Pflegeheim elf Senior*innen innerhalb von dreieinhalb Wochen nach ihrer ersten Dosis des Biontech/Pfizer-Impfstoffs gestorben. In vielen Berichten war zunächst sogar die Rede von 13 Geimpften, die gestorben seien - das stellte sich im Nachhinein als unkorrekt heraus.

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Keine Anhaltspunkte, dass Impfung Tod hervorruft

Eine Gruppe "besorgter Bürger" - wie sie sich selbst nennen - veröffentlichte kurz nach Bekanntwerden einen offenen Brief. Darin äußern sie die Vermutung, der Tod dieser Menschen könnte eine Folge der Impfung sein - doch hierfür gibt es bislang keinerlei Anhaltspunkte.

Nach Angaben des Heimbetreibers Korian verstarben die geimpften Bewohner*innen an oder mit dem Coronavirus. Vor dem Impftermin Ende Dezember hatten sie alle einen Schnelltest gemacht, der negativ ausgefallen war, heißt es in einer Antwort an ZDFheute.

"Die Tragik lag im Fall von Uhldingen-Mühlhofen nach unserer derzeitigen Einschätzung eher darin, dass das Virus um sich griff, kurz bevor ein Impfschutz aufgebaut werden konnte", erklärt das zuständige Gesundheitsamt auf Anfrage.

Tod von Älteren und Vorerkrankten statistisch nicht unerwartet

"Nach der Bewertung des PEI sind die uns bisher gemeldeten Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung nicht ursächlich auf die Impfung zurückzuführen", erklärt Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), ZDFheute.

Der Schmerz für Angehörige ist unermesslich. Dass Geimpfte kurz nach der Impfung sterben, kommt aber nicht unerwartet. Denn aktuell werden vor allem ältere Menschen und Bewohner*innen von Pflegeheimen geimpft. Statistisch gesehen ist zu erwarten, dass ein Teil von ihnen - unabhängig vom Vakzin - stirbt, aus Altersgründen oder wegen Vorerkrankungen.

"Die Anzahl der nach Covid-19-Impfung gemeldeten Todesfälle ist derzeit nicht höher als die Anzahl der Todesfälle, die auch ohne Impfung in der geimpften Altersgruppe natürlicherweise zu erwarten wären", sagt Cichutek - und knüpft an das an, was er bereits am Freitag bei der Bundespressekonferenz erklärte:

Es handelt sich häufig um Personen mit Grunderkrankungen - und es ist plausibel, dass diese Grunderkrankungen zum Versterben geführt haben.
Klaus Cichutek am 29. Januar 2021

PEI fragt nach Obduktionsberichten

"Wir untersuchen jeden einzelnen Todesfall dahingehend, ob die Impfung die Ursache gewesen sein könnte. Dabei nutzen wir eine Methode, bei der die Zahl der statistisch zu erwartenden Todesfälle durch bestimmte Erkrankungen in der betreffenden Altersgruppe, mit der Zahl der uns gemeldeten Verdachtsfälle abgeglichen wird", erklärt Cichutek: "Wenn ein Mensch ohne direkt erkennbaren Grund gestorben ist, bitten wir darum, den Obduktionsbericht zu bekommen."

Das Bild zeigt die Anatomie des menschlichen Körpers. Der Mensch wird in den Oberarm geimpft.

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23 Todesfälle in Norwegen

Auch in Norwegen sorgten 23 Todesfälle von Geimpften innerhalb einer Woche für Aufsehen. Bisher gibt es dort ebenfalls keine statistischen Hinweise darauf, dass die Coronavirus-Impfung von Biontech/Pfizer ein erhöhtes Sterberisiko bei den Geimpften zur Folge hat.

Norwegen hat seine Impfempfehlung trotzdem leicht angepasst: Für sehr gebrechliche Menschen sowie für unheilbar kranke Patient*innen wurde ein sorgfältiges Abwägen von Nutzen und Nachteil der Impfung empfohlen. Für die überwiegende Mehrheit der älteren Menschen sei das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung allerdings höher als jenes möglicher Impf-Nebenwirkungen.

Ärztin: Ältere haben Impfung bisher gut vertragen

Letzterem Punkt stimmt Geriaterin Petra Benzinger zu. Sie ist Teil mehrerer mobiler "Impfteams", die in Baden-Württemberg Menschen in Pflegeheimen impfen. "Ältere Menschen, gerade solche mit Vorerkrankungen, haben ein besonders hohes Risiko, im Rahmen einer Infektion einem tödlichen Verlauf der Covid-Erkrankung zu erliegen. Daher profitieren sie von einer Impfung mehr noch als jüngere Personen", sagt sie ZDFheute.

Wenn sie in den Heimen eine Person impfe, wäge sie immer Risiko und Nutzen ab.

Es gab auch einige wenige Fälle, wo ich nicht geimpft habe, weil eine Person akut erkrankt war.
Petra Benzinger

Ihr bisheriger Eindruck: Die Bewohner*innen hätten die erste Impfung mit den mRNA-Vakzinen äußerst gut vertragen und zeigten deutlich weniger Reaktionen als die Mitarbeitenden.

Dieser Eindruck deckt sich mit den offiziellen Zahlen, denn: Impfkomplikationen sind sehr unwahrscheinlich. "Die Melderate betrug für alle Einzelfallmeldungen 0,7 pro 1.000 Impfdosen, für schwerwiegende 0,1 pro 1.000 Impfdosen gesamt", heißt es im aktuellen "Sicherheitsbericht" des Paul-Ehrlich-Instituts.

Fazit: Kein Kausaler Zusammenhang zwischen Versterben und Impfung

Die Sorgen vor einem Versterben nach einer Impfung mit den bisher verwendeten mRNA-Impfstoffen sind also unbegründet. Bislang gibt es keine Hinweise auf einen kausalen Zusammenhang zwischen Versterben und Vakzin - so naheliegend es für manche Leute auch erscheinen mag, den Tod dieser Menschen mit der Impfung in Verbindung zu bringen.

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