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Ängste vor Corona-Impfung - Stiko-Chef: "Wir müssen sachlich aufklären"

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Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) des RKI, erklärt, warum die Risiken bei einer Corona-Impfung gering sind und wann endlich geimpft werden kann.

Impfung
Die Welt wartet auf einen Impfstoff - aber einige Menschen sind skeptisch, sich überhaupt impfen lassen zu wollen.

ZDFheute: 40 Prozent der Menschen haben Bedenken, sich impfen zu lassen. Wie wollen Sie Skeptiker und Ängstliche überzeugen?

Thomas Mertens: Im Grunde genommen können wir nichts anderes tun, als zu versuchen, sachlich aufzuklären. Unter sachlich verstehe ich, dass man die Biologie auch erklären muss und dass man erklären muss, warum ein solches vermutetes Risiko extrem unwahrscheinlich ist. Sie haben immer das Problem, wenn Sie einen Wissenschaftler nach irgendetwas fragen und Sie stellen ihm die Frage: "Können Sie ausschließen, dass…?" - dann kann diese Frage wissenschaftlich gesehen nie mit "Ja" beantwortet werden.

Ich kann auch nicht ausschließen, dass ich gleich von irgendwas erschlagen werde, was von einem Flugzeug runtergefallen ist. Aber die Wahrscheinlichkeit ist doch so außerordentlich gering, dass sie für mich nicht entscheidungsrelevant ist.

ZDFheute: Manche befürchten, der Impfstoff könne die DNA des Menschen verändern. Ist das berechtigt? 

Mertens: Man muss als Mensch ein vernünftiges Risikoverhalten haben und eine vernünftige Risikoeinschätzung machen. Man kann nicht minimale, hypothetische Risiken zum Leitfaden der eigenen Entscheidungen machen. Wenn man das auf diesen Impfstoff bezieht - da wird ein sehr kleines Stück Boten-RNS von außen in das Zytoplasma der Zelle eingefügt und die normale Synthesemaschinerie der Zelle wird genutzt, um daraus Eiweiße des Virus zu machen - und dagegen machen wir Antikörper.

Diese Messenger-RNA, die da eingeführt wird, hat gar nichts mit unserer DNA im Zellkern zu tun. Daher sind Spekulationen darüber, ob dadurch eine genetische Veränderung beim Menschen hervorgerufen werden könne, ziemlich abwegig.

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ZDFheute: In welche Richtung werden die Impfempfehlungen gehen?

Mertens: Aus ethischen Gründen werden sicherlich zuerst Menschen drankommen, die ein sehr hohes Risiko haben, an Covid-19 schwer zu erkranken und möglicherweise zu versterben. Wichtig ist natürlich auch, Menschen zu schützen, die diese pflegen. Dann gibt es natürlich auch die Überlegung, wen muss ich impfen, damit ich möglichst die Virusausbreitung in der Bevölkerung hemmen oder unterdrücken kann. Das ist das, was die meisten Menschen besonders interessiert: "Wann kann ich wieder Party machen?"

Diese zunächst genannten Individualschutz-Überlegungen, also der Schutz des Einzelnen, die kann man mit relativ wenigen Impfdosen erreichen. Denn derjenige, der geimpft ist, ist auch geschützt. Um einen epidemiologischen Effekt und die berühmte Herdenimmunität zu erreichen und damit die ganze Dynamik der Infektion zu verändern, dazu braucht es Zeit. 

ZDFheute: Wann geht es mit den Impfungen los?

Mertens: Sie haben ja gelesen, dass die Firma Biontech jetzt bei der amerikanischen Zulassungsbehörde einen Antrag auf eine Schnell- oder Notfallzulassung gestellt hat. Die Zulassung dort kann dann in Tagen oder Wochen erfolgen, wenn die vorgelegten Daten wirklich die prüfenden Fachleute zu diesem Ergebnis kommen lassen.

Ich hoffe sehr, dass der politische Druck da nicht höher ist als die Sorgfalt der Prüfung.

Bei uns in Europa ist die EMA dafür zuständig, die muss das bei entsprechender Antragstellung prüfen. Diese Prüfung geht jetzt in dieser speziellen Situation sicher relativ schnell, sodass man mit einer Größenordnung von Wochen rechnen kann. Aber natürlich nur, wenn die Voraussetzungen, die wir leider nicht im Detail kennen, gegeben sind. 

Das Interview führte Petra Otto.

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