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Impf-Ungleichheit: Ärger wächst : Geimpfter Norden, vergessener Süden

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Zwischen der reichen nördlichen Hemisphäre und dem ärmeren Süden klafft bei der Impfstoff-Versorgung eine dicke Lücke. Nun wächst in Lateinamerika der Ärger über den Westen.

Corona-Impfung in Lima am 17.04.2021
Corona-Impfung in Peru (Symbolbild)
Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Während die Länder in Europa sowie die USA die Corona-Pandemie dank fortschreitendem Impfprozess mehr und mehr in den Griff bekommen, wächst in Lateinamerika der Ärger über den reichen Westen. Denn zwischen dem Rio Bravo und Patagonien fehlt es an Impfstoff.

Chaotische Beschaffungspolitik

Das liegt einerseits an der bisweilen chaotischen Beschaffungspolitik von Regierungen in Brasilien oder Argentinien, die am eigenen Management scheiterten - und andererseits daran, dass vor allem die USA sich erst einmal selbst belieferte.

Die Politik des Hortens steht im Widerspruch zu jeder Vorstellung von menschlicher Solidarität.
Luis Abinader, Präsident der Dominikanischen Republik

Das sei bedauerlich und ungerecht.

Guatemalas Präsident Alejandro Giammattei, der selbst unter Korruptionsverdacht steht, kritisiert den Impfstoff-Verteilmechanismus "Covax". Das steht für "Covid-19 Vaccines Global Access", einer Initiative unter anderem der Weltgesundheitsorganisation WHO, die einen weltweit gleichmäßigen und gerechten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen gewährleisten will.

In Argentinien steigen die Corona-Infektionen stark an. Es sei der „schlimmste Moment der Pandemie“, sagt Präsident Alberto Fernández.

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Eine kleine Gruppe von Ländern hat allen Impfstoff und eine große Zahl der Länder hat einen Zugang.
Alejandro Giammattei, Guatemalas Präsident

Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, sagt mit Blick über Lateinamerika hinaus: "Die alarmierende Situation in Indien und anderen Ländern des globalen Südens zeigt eindrücklich, dass endlich Lösungen im Sinne aller gefunden werden müssen."

Bedrohliche Situation in Argentinien, Kolumbien und Brasilien

Die Situation in Argentinien, Kolumbien oder Brasilien ist weiter dramatisch. Kolumbiens Vizepräsident Marta Lucia Ramirez bat jüngst in der Tageszeitung "Welt" Deutschland um Hilfe bei der Impfstoff-Beschaffung, um unter anderem die 1,8 Millionen Flüchtlinge und Migranten aus Venezuela zu impfen, die sich im Land aufhalten.

Carissa Etienne, Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation OPS, weist auf die Lage in der Region hin:

Lateinamerika ist die Region, in der aktuell die größte Notwendigkeit nach Impfstoffen besteht. Die Region müsste priorisiert werden.
Carissa Etienne, Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation
eine undatierte elektronenmikroskopische aufnahme des «u.s. national institute of health» zeigt das neuartige coronavirus

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Gefahr von Mutationen wächst

Mediziner warnen, dass bei einer anhaltenden hohen Zahl von Neuinfektionen die Gefahr von Mutationen wächst, die immun gegen die bisherigen Impfmittel seien. Dann wären auch die bereits durchgeimpften Länder wieder in Gefahr. Um die Pandemie weltweit zu besiegen, müssten also auch Afrika und Lateinamerika zügig durchgeimpft werden.

Zumindest in den USA scheinen die Hilferufe und die Kritik angekommen zu sein.  Die "Washington Post" und die "New York Times" berichteten übereinstimmend, dass die US-Regierung 500 Millionen Impfdosen kaufen und an ärmere Länder spenden wollen. US-Präsident Joe Biden wolle das vor oder auf dem am Freitag beginnenden G7-Gipfel in Großbritannien verkünden. Das wäre ein erster großer Schritt in die richtige Richtung.

China stärkt Einfluss in Lateinamerika

Diese Strategie ist offenbar auch eine Reaktion darauf, dass China in Lateinamerika seinen Einfluss über Impfstoff-Lieferungen zu stärken versucht. Peking versuchte laut brasilianischen Medienberichten über die Lieferung von Impfdosen die Chancen des Technologie-Konzern bei der Auftragsvergabe beim Aufbau des 5G-Netzes zu erhöhen.

Jessica Costa und ihre Familie mussten ihr Zuhause verlassen und leben nun in der Favela "Penha Brasil". Vielen Brasilianern erging es durch die Pandemie ähnlich: Die zunehmende Arbeitslosenquote hat unzählige Menschen in neue Siedlungen getrieben.

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Ich glaube allerdings, dass der Impfstoff derzeit als Verhandlungsmasse an Gewicht verliert,

sagt der brasilianische Geo-Politik Professor Roberto Gulart auf Anfrage von ZDFheute. "In Brasilien wird bereits produziert, Pfizer erhöht seine Impfstofflieferungen nach Brasilien und weitere Hersteller beginnen mit dem Versand von Dosen.“

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Das Robert-Koch-Institut soll seit Kurzem die Corona-Testzentren kontrollieren, neue Stellen gab es dafür aber nicht. Nur fünf Mitarbeiter untersuchen möglichen Abrechnungsbetrug.

von Britta Spiekermann und Dominik Rzepka
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