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Corona-Impfung in Afrika - "Es werden weitere Abhängigkeiten geschaffen"

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Um den Kampf gegen das Corona-Virus zu gewinnen, muss Afrika beim Impfen stärker berücksichtigt werden, sagt der Gesundheitsaktivist Dan Owalla im Interview.

Eine Freiwllige in Südafrika streckt den Arm aus, um gegen das Coronavirus geimpft zu werden.
Thabisle Khlatshwayo erhält ihre erste Spritze für eine COVID-19-Impfstoffstudie - über 2.000 südafrikanische Freiwillige nehmen an der Impfstoffstudie von AstraZeneca teil.
Quelle: AP Photo/Jerome Delay

ZDFheute: Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass bis Ende 2021 30 Prozent der Menschen in Afrika gegen Covid-19 immunisiert sein werden. Stimmt Sie das optimistisch?

Dan Owalla: Das Problem ist, dass uns nicht gesagt wird, wie viele Impfstoffe wann genau mit der Covax-Initiative ankommen werden. Worte sind das eine, Taten sind das andere. 30 Prozent bedeutet, dass 70 Prozent der Menschen nicht geimpft sein werden. Die Impfrate muss deutlich erhöht werden, damit es eine echte Wirkung gibt.

ZDFheute: Die Länder etwa in Europa schauen bei der Impfung zuerst auf sich selbst, die meisten Impfungen entfallen bisher auf reiche Länder. Ist dieser Nationalismus beim Impfen gerechtfertigt?

Owalla: Der Impfnationalismus untergräbt das Verständnis von Gesundheit als einem globalen Gut, für alle. Es sind die großen Pharmafirmen, von denen alles abhängt. Sie entscheiden, wie viel Impfstoff produziert wird. Die Welt muss außerdem einsehen, dass Patente Menschenleben kosten. Wir haben das bei der HIV-Medikation gesehen, wo afrikanische Länder später Zugriff bekommen haben. So etwas sollte sich nicht wiederholen. Wenn man Patente aussetzt, dann könnte mehr Impfstoff produziert werden, weil das Wissen geteilt würde.

ZDFheute: Aber auch die meisten afrikanischen Länder haben bilateral Verträge für Impfstoff geschlossen, etwa mit Russland und China.

Owalla: Ja, das folgt der gleichen Logik. Die Frage ist aber immer noch, was können sich die afrikanischen Länder am Ende leisten? Das Problem ist auch, dass diese Verträge nicht für die Öffentlichkeit transparent gemacht werden. Da gibt es Raum für Korruption.

4,5 Millionen Menschen leben in Liberia, im Juni erwarten sie 900.000 Dosen. Mehr können sie sich nicht leisten.

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ZDFheute: Wie sollte es Ihrer Meinung nach besser gemacht werden?

Owalla: Zuerst einmal müssten wir uns darauf verständigen, dass es eine globale Notlage gibt.

Wenn wir nur einen Teil der Weltbevölkerung schützen, den anderen aber nicht, dann ist am Ende niemand auf lange Frist geschützt.

ZDFheute: Angenommen, es kommt genügend Impfstoff. Wo könnte es bei der Umsetzung der Impfung Probleme geben?

Owalla: Das größte Problem ist sicherlich die Kühlung. Sogar eine zuverlässige Kühlschrank-Kühlung ist nicht so einfach, weil in vielen Ländern die Stromversorgung nicht verlässlich ist. Auch der Transport des Impfstoffs innerhalb eines Landes ist schwierig und die Frage, wie die Menschen zeitnah zu einem Impfzentrum kommen können.

Ich denke, so wie es jetzt aussieht, wird es eine Art von neoliberaler Abwicklung geben: Es wird vielleicht den Aufbau von Infrastruktur geben, aber es wird nichts nachhaltig hier vor Ort in Afrika entwickelt. So werden weitere Abhängigkeiten geschaffen. Die Covax-Initiative müsste begleitend lokal medizinisches Personal ausbilden.

ZDFheute: Wie beurteilen sie die Reaktionen auf die Corona-Krise in Afrika, zum Beispiel in Kenia?

Owalla: Es gab einen Lockdown. 80 Prozent der Leute hier arbeiten im informellen Sektor. Der Lockdown bedeutet für diese Leute, hungrig zu bleiben. Auch die Abstandsregeln waren nicht einzuhalten, wenn sich bis zu fünf Menschen ein Zimmer teilen.

Dann hieß es, wir sollen Masken tragen, aber wir bekamen keine. Dann haben sie die Polizei auf die Leute losgelassen. Das hat dazu geführt, dass die Leute Masken getragen haben - als Schutz vor der Gewalt der Polizei. Die Leute haben sich eine Maske geteilt. In Nairobi gibt es unter den jungen Leuten mehr Drogenmissbrauch, außerdem gibt es mehr häusliche Gewalt. Und keine Pläne der Regierung, diese Probleme anzupacken.

Das Gespräch führte Lucia Weiß. Übersetzung aus dem Englischen von Lucia Weiß.

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