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Statistik der Uni Erfurt - Darum sinkt derzeit das Impftempo

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Das Impftempo in Deutschland lässt deutlich nach. Die Gründe für die Impfmüdigkeit sind vielfältig - aber überzeugte Impfgegner sind das kleinste Problem.

Immer mehr Menschen nehmen ihre Impftermine nicht wahr. Wie steht es um den Erfolg der Impfkampagne, ist Herdenimmunität noch zu erreichen, und was kommt auf das Gesundheitssystem zu, wenn viele nicht zur Zweitimpfung kommen?

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Bislang haben mehr als 57 Prozent der Menschen in Deutschland eine erste Impfdosis erhalten, rund 40 Prozent sind vollständig geimpft - doch das Impftempo lässt deutlich nach. Noch Mitte Juni wurden pro Tag deutlich mehr mehr als 800.000 Impfdosen verabreicht, Tendenz langsam fallend. Anfang Juli kam der Absturz: Zuletzt waren es nur noch gut 700.000 Dosen pro Tag, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte.

Grundsätzlich ist die Impfbereitschaft der Menschen in Deutschland hoch: 81 Prozent der Menschen zwischen 18 und 74 würden "sich wahrscheinlich impfen lassen", heißt es im aktuellen "Cosmo Covid-19 Snapshot Monitoring" der Universität Erfurt. Dort werden regelmäßig Menschen zu ihrer Risikowahrnehmung, ihrem Schutzverhalten und Vertrauen hinsichtlich Covid-19 befragt.

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Darüber hinaus stehen zwar viele einer Impfung derzeit noch skeptisch gegenüber, lehnen sie aber nicht grundsätzlich ab. Die Gründe für die Impfmüdigkeit sind vielfältig - einige werden im Bericht aufgeführt:

Strukturelle Hürden

Zu viel Stress, Zeitnot und zu hoher Aufwand - all das könnte bei vielen eine Rolle dafür spielen, dass sie sich bisher nicht impfen ließen. "Ein ganz einfacher Grund könnte auch sein, dass manche gar nicht wissen, dass sie geimpft werden können, weil sie nicht jeden Tag fernsehgucken und sie die ganze Aufklärung nicht erreicht. Da muss ich halt hingehen - mit Impfmobil und Streetworkern", erklärt Volker Stollorz vom Science Media Center, das am Monitoring beteiligt ist.

Zu wenig Information

Einige sind noch unsicher, haben nicht genügend Informationen, wollen erst "sorgfältig Nutzen und Risiken abwägen, um die bestmögliche Entscheidung zu treffen", wie es im "Cosmo Covid-19 Snapshot Monitoring" heißt:

Wer mehr abwägt, will sich weniger impfen lassen.

Der Anteil der "Abwäger" ist im Juni gestiegen.

Niedrige Inzidenz lässt manche abwarten

Ein weiterer Grund könne in der derzeit niedrigen Inzidenz liegen, die so manche zum Abwarten bewege. "Für manche ist es gerade halt einfach nicht mehr wichtig - denn das Risiko ist ja auch derzeit weg", so Stollorz. Wenn Covid nicht als aktuelle Bedrohung wahrgenommen werde, scheinen auch Impfungen für manche überflüssig.

Mangelndes Vertrauen in die Impfstoffe

Innerhalb der Gruppe der Ungeimpften sinkt offenbar das Vertrauen in die Sicherheit der Impfungen, gleichzeitig steige auch die Überzeugung, "sich eher auf den Impfschutz der Anderen zu verlassen", heißt es im Monitoring-Bericht. Denn die Aussage "wenn alle gegen COVID-19 geimpft sind, brauche ich mich nicht auch noch impfen lassen" findet seit Anfang Mai mehr und mehr Zustimmung unter den Ungeimpften.

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Dennoch: Überzeugte Impfgegner, die sich nie gegen das Coronavirus impfen lassen würden, sind deutlich in der Minderheit. Stollorz schätzt deren Anteil auf unter fünf Prozent. Der Fokus liegt deshalb darauf, diejenigen zu erreichen, "die sich ein bisschen zurückgehalten haben, die aber im Prinzip bereit sind, sich impfen zu lassen", wie es der medizinische Leiter des Hamburger Impfzentrums Dirk Heinricht im Interview mit ZDFheute ausdrückt.

Experten und Fachpolitiker sind besorgt, fordern "kreativere Impfangebote", wie sich die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, in der "Welt" ausdrückte. Bürger müssten sich auch in Fußgängerzonen, Wohnsiedlungen und bei Veranstaltungen impfen lassen können.

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Auch Philipp Wild, Professor für Klinische Epidemiologie an der Universitätsmedizin Mainz, fordert im Gespräch mit ZDFheute mehr Aufklärung insbesondere für Menschen, die in prekären Verhältnissen leben: "Wenn jemand zum Beispiel raucht oder keinen Sport macht, geht er ein viel höheres Risiko ein, als die Impfung mit sich bringt." Auch Barrieren zur Impfung müssten abgebaut werden: So empfiehlt Wild unter anderem Impfangebote direkt vor Ort oder bei der Arbeit.

Das RKI hält es angesichts der zunehmenden Verbreitung der hochansteckenden Delta-Variante inzwischen für nötig, dass mindestens 85 Prozent der Zwölf- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der über 60-Jährigen den vollen Impfschutz bekommen.

Dafür sei es entscheidend, dass die noch Ungeimpften motiviert werden, sich noch im Sommer impfen zu lassen. "Bei rechtzeitigem Erreichen dieser Impfquote scheint eine ausgeprägte vierte Welle im kommenden Herbst/Winter unwahrscheinlich", meint das RKI.

Dem Autor auf Twitter folgen: @OliverKlein

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