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Angst vor dritter Corona-Welle - Indien: Trügerische Sicherheit

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In Indien sinken die Infektionszahlen, doch das Leiden im Land geht weiter. Viele kämpfen mit Armut, eine dritte Corona-Welle wird befürchtet. Und es mangelt an Impfstoff.

Nachdem Indiens Regierung die Corona-Regeln gelockert hat, tummeln sich unzählige Menschen auf dem Markt in Delhi.
Nachdem Indiens Regierung die Corona-Regeln gelockert hat, tummeln sich unzählige Menschen auf dem Markt in Delhi.
Quelle: Reuters

Auf Delhis Gemüsemarkt Subzi Mandi drängeln sich die Kunden um die Stände, feilschen mit den Händlern um die besten Preise. Abstand halten, Mundschutz? Fehlanzeige.

Die dramatischen Zahlen von April und Mai scheinen vergessen. Zum Höhepunkt der zweiten Corona-Welle in Indien wurden täglich über 400.000 neue Fälle und 4.000 Todesfälle registriert. Eigentlich sollten die apokalyptischen Bilder der rund um die Uhr leuchtenden Feuer der Leichenverbrennungen noch präsent sein.

Im April kämpfte Indien mit einer katastrophalen Pandemie-Lage, die Infektionszahlen waren verheerend.

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Corona nur eins von vielen Problemen in Indien

Stattdessen lullen die stetig abnehmenden Fallzahlen die Menschen ein. Sie wiegen sich in vermeintlicher Sicherheit. Bei aktuell rund 40.000 neuen Fälle pro Tag gibt es drängendere Probleme als Covid, über die man sich Sorgen machen muss.

"Ich habe massive Schulden. Im April und Mai habe ich keine einzige Rupie verdient. Hunger tötet uns Arme zuerst, Covid dann später", beklagt Suresh Kumar. Er arbeitet als Auto-Rikscha Fahrer in der indischen Hauptstadt.

Ohne Geld hast Du überhaupt keine Chance.
Suresh Kumar
Suresh Kumar arbeitet als Auto-Rikscha Fahrer in der indischen Hauptstadt.
Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie belasten den Auto-Rikscha Fahrer Suresh Kumar.
Quelle: ZDF

Infektionen steigen in Teilen Indiens weiter an

Während in den Metropolen Delhi und Mumbai die Fallzahlen auf niedrigem Niveau liegen, ist die Lage in anderen Teilen des Landes kritisch. In den nordöstlichen Bundesstaaten, die an China und Myanmar grenzen, steigen die Fälle trotz verhängter Ausgangssperren weiter an.

"In Delhi liegt die Infektionsrate momentan bei 0,1 Prozent. Aber Indien ist riesig. Schon bei der zweiten Welle lagen mehrere Monate zwischen den ersten Fällen im Süden des Landes und dem Ansteigen der Fälle in der Hauptstadt New Delhi", erklärt Harsh Mahajan, Leiter der Healthcare Federation India.

Noch ist die dritte Welle Spekulation, aber wenn die Fälle weiterhin steigen, kann sie zur Realität werden.
Dr. Harsh Mahajan, Leiter der Healthcare Federation India

Angst vor neuen Virus-Mutationen

"Besonders besorgt sind wir über weitere Virus-Mutationen. Je mehr Infektionen wir haben, desto größer wird die Chance, dass das Virus weiter mutiert und die Infektionsraten wieder ansteigen. Wir haben bereits die ersten Mutationen der Delta-Variante im Land aufgespürt", warnt der Mediziner. 

Die zwei neuen Delta-Varianten AY1 und AY2 wurden bereits im April in Proben von Erkrankten im Forschungsinstitut INSACOG, dem indischen Genominstitut, nachgewiesen.

Wenn die Menschen die Vorsichtsregeln in den Wind schießen und weitere Virus-Varianten aufkommen, wird die dritte Covid Welle kommen
Dr. Samiran Panda, Mitglied des Forschungsrates für Epidemien

Das prophezeit auch Samiran Panda, Mitglied des Forschungsrates für Epidemien und Infektionskrankheiten in Neu-Delhi.

Engpässe bei Impfkampagne

Seit Januar läuft das staatliche Impfprogramm. Bis zum Jahresende sollen alle Impfberechtigten, rund 900 Millionen Menschen, immunisiert sein. Doch während Indien der weltgrößte Produzent von Impfstoffen ist, hat die landeseigene Immunisierungskampagne mit Engpässen zu kämpfen. In den Städten bilden sich lange Schlangen vor den Gesundheitscentern, doch viele müssen ungeimpft wieder nach Hause gehen, der Impfstoff fehlt.

Das Land, das Anfang des Jahres noch erfolgreich Impfdiplomatie mit Exporten der beiden lokal produzierten Produkte Covishield und Covaxin betrieb, ist vom Geber zum Nehmer geworden. Zwar werden täglich vier Millionen Menschen geimpft, aber um das Zeitfenster Jahresende einzuhalten, müsste die Zahl doppelt so hoch sein.

[Wie erfolgreich die Impfkampagne in Deutschland und in anderen Staaten läuft, sehen Sie hier.]

"Die Regierung hat zugesagt, dass sie zwischen August und Dezember weitere 1,35 Milliarden Dosen bereitstellen wird. Das würde reichen, um die gesamte Population zu impfen", erläutert Mahajan. "Auch die Hersteller haben versichert, dass sie dieses Ziel erreichen werden. Aber ob dies wirklich machbar ist, steht in den Sternen." Optimismus klingt anders.

Eine Menschenmenge in Mumbai steht in einer Warteschlange

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Indiens Corona-Infektionen gehen zurück. Das Leiden geht weiter. Die Lebensmittelversorgung ist eine Herausforderung. Staatshilfen laufen zögerlich - ebenso die Corona-Impfungen.

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17.09.2021
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