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Risiko durch indische Variante - So reagieren die Briten auf B.1.617

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Großbritannien lockert, bald könnten alle Einschränkungen fallen. Doch die Freude ist getrübt. Der Grund: die indische Corona-Variante. Was Politik, Wissenschaft und Bürger sagen.

Großbritannien, London: Menschen laufen entlang der Carnaby Street in London.
Großbritannien lockert: Menschen laufen entlang der Carnaby Street in London.
Quelle: ap

Pubs und Restaurants wieder offen, Treffen drinnen wie draußen möglich: Nach teilweise vier Monaten strengen Lockdowns hat Großbritannien, je nach Landesteil, Schritt für Schritt geöffnet, die Corona-Einschränkungen nach und nach gelockert. Ende Juni sollen im finalen Schritt alle Kontaktbeschränkungen abgeschafft werden. Ob sogar Maskenpflicht und Abstandsregeln fallen, wird noch entschieden - bisher sah alles nach einem Durchmarsch aus.

Nach jedem Öffnungsschritt wurde bang auf die Infektionszahlen, Krankenhauseinweisungen, Todesfälle geschaut. Doch die Zahlen sanken kontinuierlich. Die 7-Tage-Inzidenz nahe 20. Erklärt vor allem mit dem Erfolg des Impfprogramms. Früh und konsequent begonnen und umgesetzt, haben fast 75 Prozent aller erwachsenen Briten die erste Dosis erhalten, knapp die Hälfte ist komplett geimpft.

Doch die indische Variante B.1.617 könnte alle Träume vom kompletten Öffnen, vom Ende der Pandemie zunichtemachen. Wie groß das Risiko ist, das durch die Variante ausgeht, darüber streiten Politik und Wissenschaft.

In Großbritannien grassiert eine indische Variante des Coronavirus und sorgt für immer mehr Ansteckungen. Deshalb hat das RKI das Land nun als Virusvariantengebiet eingestuft.

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Wie groß ist die Gefahr durch die indische Variante?

Momentan, und da sind sich die Wissenschaftler einig, fehlt es noch an genügend Daten. Knapp 7.000 Fälle der Variante B.1.617, erstmals dokumentiert in Indien, sind in Großbritannien nachgewiesen. Das sind keine großen Zahlen, doch scheint es die dominante Virus-Variante geworden zu sein, die für den erstmals leichten Anstieg der Infektionszahlen in den vergangenen Tagen verantwortlich sein dürfte.

Allerdings: Noch beschränken sich die meisten Fälle auf acht Hotspots. Dort, meist in Gemeinden mit hohem Einwanderer-Anteil aus Südasien und lange regem Reiseverkehr mit dem indischen Subkontinent, so eine These, sei die Impfquote geringer gewesen. Deshalb hätte sich das Virus dort besser ausbreiten können - und könne außerhalb dieser Zonen auch bislang nur schwer Fuß fassen. Weil, und auch hier fehlen noch ausreichend Daten und Studien, die bekannten Impfstoffe wohl wirken.

Großbritannien setzt im Kampf gegen die neue Coronavirus-Variante voll auf Impfen und Testen. Neuesten Erkenntnissen zufolge wirken die eingesetzten Impfstoffe offenbar auch gegen die indische Mutante, deren Verbreitung in Großbritannien rasant zunimmt.

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Das lassen zumindest mehrere Einzelstudien hoffen. Vor allem nach zwei Dosen sei die Schutzwirkung gegen die indische Variante kaum geringer. Der entscheidende Faktor ist aber: Wie ansteckend ist B.1.617?

Zwischen 25 und 75 Prozent ansteckender als die britische Variante B.1.1.7, so die Prognosen. Und die ist selbst schon sehr viel ansteckender als das Ursprungsvirus. Die große Spannbreite erklärte sich wiederum daraus, dass es mit relativ wenigen Fällen im Land nicht möglich ist, diese einzugrenzen.

Doch genau von dieser Zahl hängt laut Wissenschaft alles ab: Ob es nur zu kleineren, lokalen Ausbrüchen kommt, oder ob die Variante sich wie ein Lauffeuer unter immer noch Millionen Ungeimpften verbreitet und droht, das Gesundheitssystem wieder zu überlasten.

Eine Corona-Mutante, die zuerst in Indien entdeckt wurde, sorgt in Großbritannien für mehr und mehr Ansteckungen. ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann hat Details.

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Wie reagiert die britische Politik?

Erst in den kommenden Wochen dürfte klar sein, wie ansteckend B.1.617 wirklich ist. Solange will die Regierung Johnson den "Fahrplan in die Freiheit" nicht abändern. Einige Wissenschaftler befürchten, dass es dann allerdings schon zu spät sein könnte, wenn man es schwarz auf weiß hat. Dann bräuchte es eventuell wieder einen Lockdown.

Doch selbst im wissenschaftlichen Beratergremium der Regierung herrscht Uneinigkeit. Momentan wird darüber diskutiert, dass Impftempo nochmal zu erhöhen. Den Abstand zwischen erster und zweiter Impfung zu verkürzen, da dies die Schutzwirkung gegen die Variante enorm steigere. Auch darüber, Kinder und Jugendliche zu impfen wird gesprochen.

Die Verschiebung des finalen Öffnungsschritts wird hinter den Kulissen natürlich durchgespielt. Aber wie schwer das für Premierminister Boris Johnson ist, zeigen Aussagen aus seiner eigenen Partei: Den Juni-Termin verschieben wäre wie bei Theresa May, der Vorgängerin, das Verschieben des Brexit-Termins. Der Anfang vom Ende an der Spitze.

Die "Wall of Hearts" erinnert an die vielen Corona-Toten. Menschen, die nicht vergessen werden sollen. Doch der Blick geht auch nach vorne: Pubs und Pint locken die Menschen nach draußen.

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Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung?

Das Ganze trifft auf eine weitgehend gelassene Bevölkerung. Die Signale aus Politik und Wissenschaft sind nicht eindeutig. Man genießt die wiedergewonnen Freiheiten. Die große Frage ist, ob der beliebte Mittelmeer-Urlaub stattfinden kann. Ohne Quarantäne. Und solange die Impfstoffe wirken und das Impfprogramm nicht ins Stocken gerät, herrscht doch weitgehend Zuversicht.

Immer mit ein wenig Sorge im Hinterkopf. Eine Lehre aus dem bisherigen Verlauf der Pandemie. Wirtschaft und die einflussreichen Boulevard-Blätter warnen davor, den Briten "den Sommer zu stehlen". Doch am Ende wird es mit der indischen Variante sein wie so oft in der Corona-Zeit: Ein naturwissenschaftliches Phänomen beugt sich nicht Wünschen, Hoffnungen oder Frustration.

Und deshalb bleibt die große Unbekannte, die große Unsicherheit - bis genügend Daten zeigen werden, wo die Reise mit der indischen Variante in Großbritannien geht.

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