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Großbritannien und Niederlande - Wie ist der Rückgang der Inzidenz erklärbar?

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Das Infektionsgeschehen in Großbritannien und den Niederlanden überrascht viele: Nach fast explodierenden Corona-Zahlen, sinken sie plötzlich wieder. Trotzdem ist Vorsicht geboten.

Menschen in einer Bar kurz vor Beginn des Freedom Day. (Archivbild)
In Großbritannien sinken die Corona-Infektionszahlen, trotz weitestgehend aufgehobener Maßnahmen.
Quelle: ap

Ein Blick auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens in manchen Ländern Europas gibt derzeit Grund zu vorsichtiger Hoffnung. Nachdem die Infektionszahlen etwa in Großbritannien oder den Niederlanden rasant gestiegen sind, ist jetzt ein Knick in der Kurve zu beobachten.

So feierte England erst vor Kurzem den "Freedom Day", infolgedessen fast alle verbliebenen Corona-Maßnahmen aufgehoben wurden – trotz hoher Infektionszahlen. Zwischenzeitlich kratzte die Sieben-Tage-Inzidenz an der 500 und Prognosen ließen mit über 100.000 Neuinfektionen pro Tag rechnen.

Experten geben trotz sinkender Fallzahlen noch keine Entwarnung. Es könnte sich dabei womöglich nur um eine Schwankung oder ein vorübergehendes Phänomen handeln.

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Doch es kam anders als erwartet. Seit etwa zwei Wochen sinkt die Inzidenz auf der Insel, trotz wegfallender Maskenpflicht und weiterer Freiheiten.

Corona: Kommt jetzt die Trendwende?

Ähnlich sieht es in den Niederlanden aus. Auch hier sinken die Infektionszahlen nach einem rasanten Anstieg. Seit vergangener Woche gilt das Land erneut als Hochrisikogebiet. Für die rückläufigen Zahlen machen die Behörden allerdings das vorläufige Ende des Nachtlebens und die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen verantwortlich. Demnach sind etwa Discos und Nachtclubs geschlossen, mehrtägige Festivals untersagt und Gaststätten müssen um Mitternacht schließen.

Als Trendwende könne man das aber noch nicht mit Sicherheit bezeichnen, erklärt Epidemiologe Markus Scholz von der Universität Leipzig. Fraglich sei nach wie vor, ob der Infektionsrückgang beispielsweise auf lokale Bedingungen zurückzuführen ist. In Großbritannien etwa fallen inzwischen Effekte, wie die Fußball-Europameisterschaft, die zur Infektionssteigerung beigetragen habe, weg. Vorkehrungen, wie die Corona-App, weswegen bereits zahlreiche Menschen in Quarantäne geschickt wurden, würden sich auch positiv auswirken.

Diese Entwicklung möchte man schon über drei, vier Wochen sehen. Dann kann man erst von einem stabilen Trend ausgehen.
Markus Scholz, Epidemiologe an der Universität Leipzig

Corona-Zahlen: Härtetest kommt erst im Herbst

Ebenso könnte die aktuelle Urlaubssaison einen dämpfenden Effekt auf das Infektionsgeschehen haben, erklärt Scholz. Denn in dieser Zeit würden weniger Kontakte stattfinden, auch, weil Schulen geschlossen sind. Allerdings befinde man sich wegen der Witterungslage im Sommer ohnehin in einer "idealen Position zur Pandemieeindämmung".

Das treffe auch auf Deutschland zu, denn trotz steigender Zahlen, finde derzeit eine Niedrig-Inzidenz-Phase statt, "mit mal leicht steigenden, mal leicht fallenden Zahlen." Gegenwärtige Rückgänge könnten daher nicht aussagen, ob die positive Entwicklung auch im Herbst bestehen bleibe.

Impfdurchbrüche sind selten, aber nicht ausgeschlossen. Wie häufig eine Infektion trotz vollständiger Corona-Impfung auftritt und wie gefährlich diese sind.

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"Die Nagelprobe kommt erst im Herbst, wenn wieder mehr Aktivitäten in den Innenräumen und dann vor allen Dingen auch wieder Schulen in Präsenz stattfinden." Erst dann werde sich entscheiden, ob die Pandemie auch "weiterhin unter Kontrolle ist", so der Epidemiologe. Er vermutet, dass der aktuelle Rückgang nur ein vorübergehendes Phänomen sein und es im Herbst wieder zu einem Anstieg der Fallzahlen kommen könnte.

Hoffnung liegt auf Impfschutz

Im Hinblick auf Großbritannien besteht dennoch die Hoffnung, dass sich der Rückgang auf den Impfschutz zurückführen lassen könnte. Dort sei die Durchimpfung bereits viel weiter fortgeschritten als beispielsweise in Deutschland, erklärt Scholz. Für die englischen Erwachsenen schätzt die Behörde Public Health England, dass inzwischen etwa neun von zehn einige Antikörper durch Impfung oder Infektion in sich tragen.

Besorgt blickt der Epidemiologe allerdings auf die hochansteckende Delta-Variante. Wegen dieser Variante würde die Impfquote bislang noch in keinem Land ausreichen, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Man müsse abwarten, wie sich die Lage in den kommenden Wochen entwickelt.

Mit Material von dpa

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