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Warum die Schulen offen bleiben

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Diskussion um Präsenzunterricht - Warum die Schulen offen bleiben

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Die Schulen rücken immer mehr in den Fokus der Pandemie-Bekämpfung. Wissenschaft und Politik wollen sie unbedingt offen lassen. Warum eigentlich?

NRW-Familienminister Joachim Stamp im heute-journal-Interview.

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"Ganz so einfach ist es nicht". Mit diesem Satz endete gestern das Interview mit NRW-Familienminister Joachim Stamp im heute journal. Thema des Gesprächs war die Corona-Lage an Schulen, welche Rolle sie im Infektionsgeschehen spielen, und ob das Festhalten an Präsenzunterricht der richtige Weg durch die Pandemie sei. Viele Fragen, bei denen es sich lohnt etwas genauer hinzuschauen. Daher der ZDFheuteCheck:

Welche Rolle spielen Kinder und Jugendliche in der Pandemie?

Bei Schülerinnen und Schülern hat die Inzidenz in allen Altersgruppen in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Auch in dieser Altersgruppe wird der Schwellenwert von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen mittlerweile deutlich überschritten, besonders deutlich bei den 10- bis 19-Jährigen.

Schwere Verläufe einer Erkrankung mit Covid-19 sind im Kindes- und Jugendalter dagegen weiterhin sehr selten, ebenso wie Todesfälle. Laut Robert-Koch-Institut wurden seit Beginn der Pandemie lediglich sechs Todesfälle von Kindern im Alter von 0-19 Jahren registriert (Stand 10.11.2020).

Welche Rolle spielen Schulen im Infektionsgeschehen?

Hierzu gibt es mittlerweile sehr viele unterschiedliche Studien: Das Arbeitsmarktforschungsinstitut IZA (Institute of Labor Economics) hatte bereits im Sommer das Infektionsgeschehen nach dem Ende der Sommerferien in einer Studie untersucht und kam zu dem überraschenden Ergebnis: Nach der Wiederöffnung der Schulen sanken die Infektionszahlen, anstatt - wie erwartet - zu steigen.

Eine neue Studie des Helmholtz-Zentrums München kommt zu dem Ergebnis, dass sechsmal mehr Kinder in Bayern mit dem Sars-CoV-2 infiziert waren als gemeldet. Festgestellt wurde dies über Antikörpertests an rund 12.000 Kindern. Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Kinder mit Antikörpern waren asymptomatisch, zeigten also keinerlei Krankheitssympthome. Die Studie macht allerdings keine Aussage darüber, wo die Kinder sich infiziert haben, ein Rückschluss auf Schulen ist daher problematisch.

Neue weitreichende Maßnahmen wurden bei der Corona-Konferenz von Bundeskanzlerin und Länderchefs nicht beschlossen. Zur Schule - keine neuen Beschlüsse.

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Infektionen eher im privaten Umfeld

An der Universität Zürich wurde untersucht, welche Rolle Schulen beim Infektionsgeschehen spielen. 2.500 Zürcher Schulkinder wurden dabei auf Antikörper getestet. In dieser ersten Testphase wurde keine Häufung von Sars-CoV-2-Infektionen innerhalb der Schulen und Klassen festgestellt. Auf hundert Klassen gab es 67 Klassen mit keiner einzigen Ansteckung, 29 mit einer Ansteckung, drei Klassen mit zwei Ansteckungen und eine Klasse mit drei Ansteckungen. Die Wissenschaftler sehen dadurch die These gestützt, dass sich Kinder kaum in der Schule infizieren, sondern eher im privaten Umfeld, etwa in der Familie.

Eine Studie mit Kindergartenkindern in Hessen kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass Kinder sich eher selten in Kitas infizieren.

Viele dieser Untersuchungen stützen auch die These, das Kinder weit weniger infektiös sind als Erwachsene, sie also weniger Viren weitergeben. Das muss allerdings noch abschließend geklärt werden.

Warum hält die Politik an offenen Schulen fest?

Das Festhalten an offenen Schulen ist vor allem eine Frage der Abwägung: Aktuell bewerten viele Wissenschaftler und dadurch auch die Politik eine Schließung der Schulen als das größere Übel. Wie sehr Kinder unter der Schulschließung im Frühjahr gelitten haben, zeigt etwa eine Untersuchung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf: Für zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen sind die Schule und das Lernen anstrengender als vor Corona. Sie haben Probleme, den schulischen Alltag zu bewältigen und empfinden diesen teilweise als extrem belastend.

"Kinder, die durch Schulschließungen aus ihrem sozialen Umfeld genommen werden, vereinsamen", erklärt Dr. med. Burkhard Rodeck von der Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin. Er plädiert daher klar für offene Schulen oder Wechselunterricht.

Schon lange ist klar: im Winter steigt die Corona-Ansteckung. Der Bildungsforscher Olaf Köller kritisiert mangelnde Konzepte und fordert Wechselunterricht.

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Auch die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina sagt: "Das psychosoziale Wohl vieler Kinder und Jugendlicher sowie die Möglichkeiten des fachspezifischen und fächerübergreifenden Lernens hängen in hohem Maße davon ab, dass so lange wie möglich Präsenzunterricht gewährleistet wird." Das hätten die Erfahrungen dieses Frühjahrs gezeigt. Es sei jedoch unabdingbar, sich an die Verhaltensregeln zu halten: Masken tragen, Abstand halten, regelmäßig Lüften.

Und natürlich: Die Wirtschaft

Nicht vergessen darf man in den Überlegungen zu offenen oder geschlossenen Schulen den Faktor der Wirtschaft.Der bayerische Ministerpräsidenten Markus Söder hat das Ganze so formuliert:

Schule und Kita hat ja auch den Sinn und Zweck, die Wirtschaft am Laufen zu lassen. Wenn die Eltern keine Betreuung haben, gibt's auch keine Wirtschaft.

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