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Experte warnt vor Panikmache - Wie gefährlich wird uns die Mutante?

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Steuern wir auf eine dritte Infektionswelle zu, weil eine neue Corona-Variante ansteckender ist? Die Erfahrungen anderer Ländern mit der Mutante geben Grund zur Hoffnung.

Rheinland-Pfalz, ingelheim: Proben stehen im Corona-Testlabor in Ingelheim.
Viele Experten warnen vor einem explosionsartigen Anstieg der Fallzahlen durch die Mutante. Dies sei unbegründet, hält Epidemiologe Stöhr dagegen.
Quelle: epa

Die pessimistischen Warnungen vor den neuen Coronavirus-Mutanten sind allgegenwärtig: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach spricht von einem "Turbo-Virus", das im März eine dritte Welle auslöse. Die Virologin Melanie Brinkmann mahnt in einem Interview mit dem "Spiegel", die Virus-Mutanten sorgten für "eine ganz neue Pandemie, draufgesattelt auf die bisherige".

Die in Großbritannien inzwischen dominierende Variante B.1.1.7 sei ansteckender und es gebe Hinweise darauf, dass sie zu schwereren Krankheitsverläufen führen könne, sagt Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI). Noch haben sich in Deutschland nur etwa sechs Prozent der Infizierten mit der britischen Variante angesteckt, schätzt das RKI in einem ersten Bericht zur Verbreitung der Virusvariante.

Steigende Infektionszahlen in März und April?

Aber die Mutante wird sich auch hierzulande immer weiter ausbreiten und das Infektionsgeschehen irgendwann dominieren - darin sind sich die meisten Experten einig. "Das ist ein Naturgesetz", so Brinkmann.

Einige Modellrechnungen kommen daher zu dem Schluss, dass die Infektionszahlen in Deutschland zwar zunächst noch einige Zeit weiter sinken - doch spätestens im März oder April wieder stark ansteigen, wenn sich die B.1.1.7-Variante durchgesetzt hat. Je ansteckender die neue Variante ist, desto eher und steiler würden die Infektionszahlen nach oben schießen. Im schlimmsten Fall würde Deutschland - trotz Shutdown - die Kontrolle über das Infektionsgeschehen verlieren.

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Infektionen in anderen Ländern gehen trotz Mutante zurück

Doch muss es zwangsläufig so kommen? "Die Szenarien mit exponentiell steigenden Infektionszahlen durch die Variante stimmen nicht mit der Realität der Bekämpfung überein", sagt der Epidemiologe Klaus Stöhr im Gespräch mit ZDFheute. Der Experte, der früher in leitender Position bei der Weltgesundheitsorganisation WHO arbeitete, verweist auf die Erfahrungen in anderen Ländern: In Irland, Großbritannien oder Dänemark gehen die Infektionszahlen beispielsweise deutlich zurück - während gleichzeitig der Anteil der Mutante an den Infektionen steige.

Gerade Irland ist ein besonders drastisches Beispiel: Dort hatten die Fälle zunächst stark zugenommen, die Inzidenz (Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche) ist Ende des Jahres von 50 auf 1.300 gestiegen. "Aber die Mutante hat mit dem dramatischen Anstieg fast nichts zu tun", so Stöhr. "Seit Mitte Januar sind die Fälle wieder um 80 Prozent zurückgegangen - und während des rapiden Abfalls ist der Anteil der Mutante an der Zahl der Infektionen auf drei Viertel gestiegen."

"Einen Plan, der durchhaltbar ist, der transparent ist, der die Menschen mitnimmt", fordert der Epidemiologe Prof. Klaus Stöhr. Wichtig sei auch „ein unabhängiges Expertenkomitee, das verschiedene Faktoren evaluiert“.

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Ein ähnliches Bild zeigt sich in Großbritannien: Die Infektionszahlen sind nach einem Höhepunkt im Januar wieder stark gesunken, obwohl die Variante B.1.1.7 rund 90 Prozent der Infektionen im Vereinten Königreich ausmacht, in London sogar 97 Prozent, wie aus dem aktuellen Bericht der Nationalen Gesundheitsbehörde Public Health England hervorgeht. Der Reproduktionsfaktor, also die Zahl derer, die ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt, liegt dort inzwischen bei 0,77 - das ist sogar niedriger als der Wert in Deutschland mit 0,87.

Infektionsgeschehen lässt sich schwer berechnen

In einer Stellungnahme schätzt Stöhr zusammen mit einer Gruppe weiterer Experten das Risiko der neuen Corona-Varianten nicht höher ein als das bisher bekannte Risiko von SARS-CoV-2. Auch wenn die Mutante eine leicht höhere Infektiosität habe: Es gebe keinen Grund zu glauben, dass die Infektionszahlen durch die Mutante in die Höhe schießen werden, so Stöhr.

Denn tatsächlich spielen beim Infektionsgeschehen offenbar zahlreiche andere Faktoren eine entscheidende Rolle, so dass sich die Infektionszahlen nur sehr schwer vorausberechnen lassen. Sinnvoller sei der Blick auf die tatsächliche Lage in anderen Ländern. Stöhr nennt ein anschauliches Beispiel:

"Stellen Sie sich vor, zwei Personen wollen schwimmen gehen und überlegen, ob der See warm genug ist. Der eine hält den Fuß rein und sagt: 'Ist angenehm warm.' Der andere nimmt den Taschenrechner, will die Wassertemperatur anhand des Luftdrucks, der Lufttemperatur, der Wettervorhersage berechnen ... wem glauben Sie?"

Die Situation sei noch lange nicht unter Kontrolle, so RKI-Chef Wieler in der heutigen Pressekonferenz. Zwar gingen die Infektionszahlen zurück, doch die drei Varianten des Virus seien besorgniserregend. Jede Impfung sei ein wichtiger Schritt.

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