Sie sind hier:

Corona-Intensivpatienten - Ärzte wollen Gesetz für Triage-Situationen

Datum:

Die Intensivmediziner wollen Rechtssicherheit, sollte es in Kliniken zu "Triage"-Situationen kommen - wenn also Ärzte entscheiden müssen, wen sie beatmen.

Eine Pflegekraft betreut einen Corona-Patienten. Symbolbild
Eine Pflegekraft betreut einen Corona-Patienten. Symbolbild
Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Intensivmediziner fordern eine gesetzliche Regelung für sogenannte Triage-Situationen in der Corona-Pandemie. Die derzeitige Rechtsunsicherheit sei für Ärzte "nicht gut zu ertragen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, heute vor Journalisten.

Sollte eine Priorisierung von Patienten notwendig werden, müssten Ärzte zurzeit zwar nach einem Mehr-Augen-Prinzip, aber "schlimmstenfalls aus dem Bauch heraus entscheiden".

Dass bei einer Entscheidung möglicherweise strafrechtliche Konsequenzen drohen, führe im Extremfall zu Handlungsunfähigkeit, so Janssens. Darum habe die DIVI die Empfehlung ausgesprochen, hier Rechtssicherheit zu schaffen.

Ein Triage-Gesetz fordert auch Christiane Woopen, die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates. Bei maybrit illner sagte sie:

6.000 Intensivpatienten für Januar erwartet

Der Entwicklung der Pandemie in den kommenden Wochen sehen die Mediziner mit Sorge entgegen. Sollten die Infektionszahlen weiter auf diesem Niveau bleiben, "werden wir fortgesetzte Grenzsituationen auf den Intensivstationen sehen", sagte Janssens.

Derzeit werden bundesweit mehr als 5.000 Menschen intensivmedizinisch behandelt, für Januar rechnen die Ärzte mit 6.000 Intensivpatienten - entsprechend dem ab dem Jahreswechsel erwarteten Höhepunkt der Infektionszahlen. Das Hauptproblem seien dabei nicht fehlende Intensivbetten, sondern das knappe Personal.

"Wir kämpfen jetzt mit den Infektionszahlen. Auf den Intensivstationen werden diese Patienten zwischen Weihnachten und Neujahr ankommen", so DIVI-Präsident Uwe Janssens.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

Zur Frage, ob Impfungen Entlastung bringen könnten, hatte Janssens zuvor im ZDF gesagt:

Die Effekte der Impfungen werden wir in der Notfallmedizin, in der Intensivmedizin Mitte kommenden Jahres sehen.
Uwe Janssens

Kleeblatt-Prinzip der Länder

Aktiviert ist den Ärzten zufolge nun die bundesweite Verlegung von Intensivpatienten nach dem Kleeblatt-Prinzip. Dabei bilden mehrere Bundesländer zusammen jeweils eins von fünf Kleeblättern als eigene Planungseinheiten. Die beiden bevölkerungsreichsten Länder Bayern und Nordrhein-Westfalen bilden jeweils ein eigenes Blatt.

Das seit April entwickelte Konzept soll dazu dienen, überlastete Regionen und Krankenhäuser zu unterstützen, indem Patientengruppen woandershin verlegt werden.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.