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Lage auf den Intensivstationen - Wie geht es weiter nach der Pandemie?

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Intensivstationen stehen seit Wochen enorm unter Druck. Mit sinkenden Fallzahlen könnte sich die Situation etwas entspannen. Wie sieht die Zukunft der Intensivstationen aus?

Ein Intensivpfleger arbeitet auf der Intensivstation des Krankenhauses Bethel in Berlin
Ein Intensivpfleger arbeitet auf der Intensivstation des Krankenhauses Bethel in Berlin.
Quelle: dpa

21.121 Menschen liegen auf deutschen Intensivstationen (Stand Mittwoch, 5.5.2021). Viele kämpfen um ihr Leben, mit ihnen Pflegekräfte, Ärzteteams und Angehörige. Dass die Intensivstationen seit Monaten vielerorts am Rande der Belastungsgrenze arbeiten, betonen Intensivmediziner und Experten immer wieder.

Vergangenen Donnerstag schilderte Intensivpfleger Ricardo Lang auf der Bundespressekonferenz eindringlich, wie es um die derzeitige Situation bestellt ist. Auch Intensivmediziner Florian Neufeld* warnte im Interview mit ZDFheute und berichtete von Irrflügen mit dem Rettungshubschauber durch das Ruhrgebiet auf der Suche nach einem Intensivbett für eine akut erkrankte Person.

Die Situation auf Deutschlands Intensivstationen ist nach wie vor angespannt. In Nordrhein-Westfalen müssen so viele Corona-Patienten beatmet werden wie noch nie.

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Zahl der belegten Intensiv-Betten kaum gesunken

Mit Voranschreiten der Impfkampagne in Deutschland verbreitet sich Optimismus, dass die Lage weniger prekär werden könnte. Knapp 5.000 der rund 21.000 Intensivpatienten sind aufgrund einer Corona-Infektion in Behandlung. Wirft man einen Blick in die Statistik des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), können Zweifel an diesem Optimismus aufkommen.

Im vergangenen Sommer, als die Covid-19-Fallzahlen erheblich niedriger waren und im August im Schnitt zwischen 220 und 250 Covid-Patienten auf den Intensivstationen lagen, sank die Zahl der belegten Intensivbetten kaum. Trotz niedriger Corona-Fallzahlen gab es zwischen 19.500 und 20.100 Patienten. War der letzte Sommer die Blaupause für die kommenden Monate? Bleibt die erhoffte Entlastung aus?

Nachgeholte Operationen füllen Intensivstationen

Der medizinisch-wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters, Prof. Christian Karagiannidis, erklärt im Interview mit ZDFheute, warum die Intensivstationen trotz sinkender Fallzahlen nur wenig entlastet werden.

Man darf nicht unterschätzen, dass an vielen Stellen derzeit das OP-Programm runtergefahren wird, dass große Operationen etwas nach hinten gestellt werden.
Christian Karagiannidis, wiss. Leiter Divi-Intensivregister

Sobald, die Zahl der Covid-Intensivpatienten zurückgeht, rücken zahlreiche andere Patienten nach, die sich einer Operation unterziehen müssen, erklärt er.

Hinzu kommt laut Karagiannidis auch, dass das Tragen der medizinischen Masken und das Einhalten von Abstandsregeln dazu führe, dass sich andere Krankheiten derzeit weniger stark verbreiten können.

Wenn diese Regeln wieder gelockert werden, werden die Fallzahlen anderer Erkrankungen, zum Beispiel Influenza, ansteigen. Und damit auch die Zahl der jeweiligen Intensivpatienten.

Die Intensivstation im Klinikum Stuttgart ist voll belegt. Auch ein zusätzlicher Raum kommt bald an seine Grenzen. Intensivschwester Janina Löhr hat jeden Tag mit den Tod zu tun.

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"Gewisse Entlastung" wird dennoch erwartet

Dennoch rechnet Karagiannidis mit "einer gewissen Entlastung". Bedingung: Andere Infektionskrankheiten verbreiten sich nur schwach und Masken werden weiter getragen, so der Intensivmediziner. Gleichzeitg warnt er:

Das halten die Krankenhäuser so auch nicht mehr viel länger durch.

Neben Nachhol-Operationen gebe es noch einen Grund, warum deutsche Intensivstationen so voll seien, sagt Karagiannidis. "Im Vergleich zu manch anderen europäischen Ländern, wie zum Beispiel Großbritannien, sind die Normal-Stationen schlechter ausgestattet. Im Gegenzug gibt es mehr Intensivkapazitäten".

Wie können Intensivstationen nach der Pandemie entlastet werden?

Mit dieser Frage beschäftigt sich unter anderem Reinhard Busse. Er ist Professor für Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin. Busse fordert nicht etwa eine Aufstockung des Pflegepersonals oder der Intensivkapazitäten, sondern eine grundlegende Reform der Krankenhaus-Infrastruktur.

"Wir binden zu viel Personal auf Stationen, auf denen sich Patienten befinden, bei denen man sich fragt: Müssen die eigentlich im Krankenhaus sein", so Busses Analyse. Man müsse das bestehende Pflegepersonal auf weniger Patienten verteilen.

Zusätzlich muss ein größerer Teil des vorhandenen Pflegepersonals zu Intensivpflegern ausgebildet werden.
Reinhard Busse, Professor für Gesundheitsmanagment

Weniger Betten - weniger Patienten - weniger Stress

Wenn in Krankenhäusern weniger Patienten betreut würden, die nicht zwingend im Krankenhaus liegen müssten, dann könnten auch die Intensivstationen entlastet werden, so Busse. "Denn häufig werden Patienten auch deshalb auf die Intensivstation gebracht, weil auf Normalstationen nicht ausreichend Personal zur Beobachtung da ist."

Es gibt einfach zu viele Krankenhausbetten. Wenn die da sind, werden sie auch belegt, auch wenn es medizinisch nicht unbedingt nötig ist.
Reinhard Busse, Professor für Gesundheitsmanagment

"Und aus internationalen Studien wissen wir, wenn Betten vorhanden sind, werden sie auch belegt, auch wenn es medizinisch nicht unbedingt nötig ist", sagt der Experte.

"Ich sage: Wir haben so viele Patienten, weil wir so viele Betten haben", so das Fazit des Wissenschaftlers.

*Der Name wurde auf Wunsch des Intensivmediziners redaktionell geändert.

Das Team eines Intensivtransportwagens fährt auf einer Intensivstation des RKH Klinikum Ludwigsburg einen Patienten am 08.01.2021.
Interview

Patienten konkurrieren - "Nicht jedes Intensivbett für jeden geeignet" 

Wenige freie Plätze und immer größere Probleme. Ein Intensivmediziner berichtet, wie er auf der Suche nach freien Intensivplätzen durch das ganze Ruhrgebiet fliegen muss.

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