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FAQ

Intensivstationen - So schätzen Kliniken die Corona-Lage ein

Datum:

Mit der Inzidenz steigt die Zahl der Covid-Erkrankten auf den Intensivstationen. Die Sorge vor einer Überlastung wächst erneut. Wie sehen Kliniken die aktuelle Corona-Lage?

Neue Höchstwerte bei der Inzidenz und Intensivstationen, die an ihr Limit kommen. ZDFheute live spricht mit Intensivpfleger Alexander Jorde und DIVI-Präsident Gernot Marx.

Beitragslänge:
38 min
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Es sind Meldungen, mit denen viele angesichts der Corona-Impfungen nicht mehr gerechnet haben: Erneut warnen Intensiv-Mediziner*innen, dass planbare Operationen zunehmend verschoben werden müssen. Diesen Schritt kündigte etwa die Berliner Charité am Dienstag an - zum wiederholten Mal während der Corona-Krise.

Die steigende Zahl von zu behandelnden COVID-19-Patientinnen und Patienten macht diesen Schritt nötig.
Martin Kreis, Vorstand Krankenversorgung der Charité

Wie sehen deutsche Kliniken die aktuelle Corona-Lage auf den Intensivstationen? ZDFheute hat nachgefragt.

Wie ist die Lage auf den Intensivstationen im Vergleich zu 2020?

Obwohl die Inzidenz in Deutschland täglich neue Höchstwerte erreicht und weit über der im November des Vorjahres liegt, werden derzeit weniger Coronavirus-Patient*innen intensivmedizinisch behandelt als vor genau einem Jahr.

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Hauptgrund dafür sind die Impfungen. Nur in zwei Bundesländern - Bayern und Thüringen - liegen aktuell deutlich mehr Menschen mit Covid auf der Intensivstation als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Das ergeben Zahlen des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi).

Axel Fischer, Vorsitzender der Geschäftsführung der München Klinik, kann das bestätigen. Aktuell versorgt sein Haus mehr als 70 Covid-Patient*innen. "Das entspricht schon heute dem Höchststand der dritten Welle und mehr Patienten als zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr", sagt Fischer und spricht von einer "ernsten" Lage in München.

Gleichzeitig sinkt bundesweit die Zahl der freien Intensiv-Kapazitäten, weil weniger Personal auf den Intensivstationen zur Verfügung steht. "Das liegt einerseits daran, dass der Krankenstand - der Jahreszeit geschuldet - aktuell höher ist und andererseits Pflegende - zumindest zeitweise - nicht mehr im Krankenhaus tätig oder den Job gewechselt haben", erklärt Frank Lammert, Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover.

Ein weiteres Problem ist der rasche Anstieg der intensivbedürftigen Patientinnen und Patienten, auf den man sich als Klinik weniger gut einstellen kann als auf einen konstanten Anstieg.
Frank Lammert, Medizinische Hochschule Hannover

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Wer wird aktuell intensivmedizinisch wegen Covid behandelt?

In den vergangenen Wochen ist die Zahl der Covid-Intensivpatient*innen kontinuierlich gestiegen. So berichtet die Uniklinik Bonn, dass sich diese "in den vergangenen drei Wochen in etwa verdoppelt" habe. Dabei kommen in letzter Zeit überwiegend ältere Erkrankte auf die Intensivstation. Vor allem der Anteil der über 60-Jährigen ist seit September deutlich gestiegen.

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Ein Großteil der Covid-Intensiv-Patient*innen ist ungeimpft. An der Uniklinik Essen beträgt ihr Anteil aktuell etwa 75 Prozent, an der Uniklinik in Hamburg-Eppendorf (UKE) sogar 90 Prozent.

"Es sollte noch mehr dafür getan werden, dass sich in Deutschland mehr Menschen impfen lassen und Auffrischungsimpfungen schnell für alle verfügbar sind", fordert deshalb Jens Scholz, Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands.

Impfdurchbrüche stellen wir vorwiegend bei Patient*innen fest, die älter als 70 Jahre alt sind oder eine schwere Grunderkrankung haben, die die Immunabwehr herabsetzt.
Stefan Kluge, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Auffällig ist auch: Die Verweildauer auf vielen Intensivstationen steigt. Das beobachten etwa die Vivantes Klinken in Berlin.

Viele Berlinerinnen und Berliner, die geimpft sind, müssen nicht mehr stationär aufgenommen werden, dadurch gibt es kaum noch sogenannte "Kurzlieger". Dafür ist die Verweildauer der älteren und ungeimpften jüngeren Patient*innen relativ länger und diese Patientengruppe muss häufiger auf einer Intensivstation behandelt werden.
Sven Gläser, Ärztlicher Leiter der Vivantes Corona Taskforce

Wie schätzen Kliniken die aktuelle Corona-Lage ein?

Je nach Region unterscheidet sich die Lage erheblich. "Die Zahl der an Covid-19 erkrankten Intensivpatienten ist in manchen Regionen, etwa Hamburg, aktuell noch stabil. Andernorts, etwa in Bayern, Sachsen und Thüringen, merken wir die Dynamik der vierten Welle allerdings bereits deutlich", erklärt Christoph Herborn, Chief Medical Officer der Asklepios Kliniken Gruppe.

Gleichzeitig sind wir in den Kliniken besser vorbereitet als noch im vergangenen Jahr. Und schon damals sind wir nicht an die Grenzen unserer Intensivkapazitäten gestoßen.
Christoph Herborn, Asklepios Kliniken GmbH

Er glaube aber nicht, so Herborn, "dass die Situation in diesem Winter schlimmer wird als im Vorjahr".

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Aktuell sei die Situation auch an der Uniklinik Essen noch beherrschbar, erklärt Thorsten Brenner, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Mit "großer Sorge" beobachtet er jedoch die Entwicklungen im Süden und Osten Deutschlands, "wo sich ein erneuter intensivmedizinischer Versorgungsengpass anbahnt bzw. in bestimmten Regionen sogar schon existent ist."

Entsprechend erklärt Axel Fischer, dass an der München Klinik nicht akute Eingriffe bereits verschoben werden müssen und warnt:

Auch für die Versorgung von Herzinfarkten und Schlaganfällen könnten die knappen Intensivkapazitäten in München bei steigenden Covid-Zahlen im Winter ein Problem werden.
Axel Fischer, München Klinik

Wie geht es weiter?

Angesichts der steigenden Inzidenz ist damit zu rechnen, dass sich die Intensivstationen weiter füllen werden. In einem aktuellen Papier von Divi und RWTH Aachen heißt es:

In Abhängigkeit von den Inzidenzen erwarten wir erneut jedoch mindestens 3.500 Covid-19 Patienten auf den Intensivstationen, aufgrund der Impfquoten aber mit erheblichen regionalen Unterschieden.
Andreas Schuppert und Christian Karagiannidis

Je nach Entwicklung der Inzidenz modelliert das Preprint die erwartete Intensivbettbelegung bei einem R-Wert von 1. Die Untersuchung muss noch von anderen Forschenden begutachtet werden.

Infografik: Erwartete Intensivbettenbelegung nach Inzidenz
Erwartete Intensivbettenbelegung nach Inzidenz
Quelle: Divi/RWTH Aachen

Zum Vergleich: Am Höhepunkt der zweiten Corona-Welle wurden laut Divi Anfang Januar dieses Jahres über 5.700 Covid-Erkrankte auf Intensivstationen behandelt. Die Autoren, Andreas Schuppert und Christian Karagiannidis, nennen drei Möglichkeiten, wie dieser Aufwärtstrend gestoppt werden kann:

  • breitflächige Booster-Impfungen
  • Kontakt-Beschränkungen für Ungeimpfte in Form von 2G
  • "Umdenken" aufgrund der hohen Zahlen, sodass "die Bevölkerung freiwillig ihr Kontaktverhalten verändert"

Weniger Kontakte würden bewirken, dass "wir auf einem bestimmten Infektionsniveau verbleiben und sich letzten Endes bis voraussichtlich im April/Mai 20222 ein Plateau einstellt". Das käme auch den Kliniken entgegen - denn auf ein konstantes Infektions-Niveau können sich die Häuser entsprechend besser einstellen.

Mitarbeit: Julia Maas und Beate Seck

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