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Auslastung der Intensivbetten - "Wird keine Triage geben"

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Wie ist die aktuelle Lage auf deutschen Intensivstationen? Je nach Region ist sie akut, warnen Experten. Doch es gibt auch positive Entwicklungen.

 Berlin: Intensivpfleger Rüdiger Piske arbeitet auf der Intensivstation des Krankenhauses Bethel Berlin an einer an Covid-19 erkrankten Patientin.
Die Zahl der Covid-Patient*inen auf deutschen Intensivstationen nähert sich dem Wert 5.000.
Quelle: dpa

Seit Wochen beklagen Intensivmediziner*innen und Pflegende die steigenden Patientenzahlen auf deutschen Intensivstationen. Was ihn dabei am meisten beunruhige, sei die enorme Belastung für das medizinische Personal, erklärte Christian Karagiannidis, einer der wissenschaftlichen Leiter des Divi-Intensivregisters, am Dienstag. Nur etwa ein Drittel der Intensivstationen in Deutschland könnten "überhaupt noch problemlos Menschen aufnehmen", sagte der Kölner Arzt in einer Video-Pressekonferenz des Science Media Center.

Mittlerweile nähert sich die Zahl der dort behandelten Schwerkranken mit Covid-19 der Marke von 5.000. In den Kliniken bundesweit werden aktuell knapp 4.950 solcher Fälle behandelt. So hoch war die Auslastung zuletzt Mitte Januar.

Pflegekräfte beklagen höhere Arbeitsbelastung durch Corona

Hunderten Kliniken mangele es an Personal, viele führten nur noch eingeschränkt planbare Operationen durch, sagte Karagiannidis. Auch Uta Gaidys, Professorin für Pflegewissenschaft aus Hamburg, machte deutlich wie angespannt die Lage des Pflegepersonals sei. "Wir sehen eine hohe Belastung der Pflegenden und besonders der Intensivpflegenden in allen Corona-Wellen", sagte sie.

Der Unterschied zur Corona-Situation im vergangenen Jahr sei, dass sich die Pflegekräfte durch Impfungen zwar besser geschützt fühlten, aber über eine deutlich höhere Arbeitsbelastung klagen würden. Das gehe auf Kosten der Patient*innen. Daten, die Gaidys erhoben hat, würden darauf hindeuten, dass Einbußen in der pflegerischen Versorgungsqualität im Laufe der Pandemie zugenommen hätten.

Intensivkrankenschwester Nadine Hobuß erzählt, wie sie es schafft, Patienten nicht nur optimal zu versorgen, sondern diesen auch menschlich nahe zu sein. Z.B. mit ihnen zu sprechen, egal wie tief sie zu schlafen scheinen.

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Regionale Unterschiede der Intensivbett-Auslastung

In der Diskussion verwies Christian Karagiannidis zudem darauf, dass die aktuelle dritte Infektionswelle auch die Jüngeren träfe. "Die Hauptzahl der Patienten ist im Moment die berufstätige Bevölkerung bei uns in Köln auf der Intensivstation", sagte er.

Bei der Auslastung gebe es aber deutliche regionale Unterschiede. In Nordrhein-Westfalen steige die Zahl der Covid-19-Patient*innen auf den Intensivstationen aktuell an, Kliniken in Schleswig-Holstein seien hingegen wenig belastet. Positiv sei auch die Entwicklung in Berlin, wo die Zahl der Intensiv-Behandelten nicht mehr so stark wachse.

Das heißt, wir haben eine gewisse Verhaltensänderung auch der Bevölkerung.
Christian Karagiannidis, Divi-Intensivregister

Menschen hätten offenbar die Warnungen aus der Medizin ernst genommen. Durch Ostern habe es eine Abbremsung gegeben.

Divi-Experte Karagiannidis: Keine Triage

Trotz aktuer Lage ist Karagiannidis aber überzeugt, dass es nicht zu einer Überlastung der Situation auf den Stationen kommt. "Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle Patienten versorgt bekommen. Es wird keine Triage geben, weil sich die Krankenhäuser dynamisch ans Geschehen anpassen", betonte er. Es würden aber alle anderen Patient*innen leiden.

Wie wichtig der Wert der auf den Intensivstationen behandelten Menschen ist, machte auch der Braunschweiger Epidemiologe Gérard Krause wiederholt deutlich. "Wenn man gezwungen ist, sich auf einen Wert zu beschränken, dann die Neuaufnahme auf den Intensivstationen", sagte er mit Blick auf die Richtwerte zur Bewertung der Pandemie. Gerechnet auf sieben Tage sei dies ein guter Indikator für die Schwere der Covid-Erkrankungen.

Die Bettenbelegung mit Covid-Intensivpatienten steigt rasant an, die Kapazitäten erreichen ihre Grenzen. Auch im bayerischen Mühldorf. Seit fast einem Jahr kämpfen dort Pfleger und Ärzte um die Leben von Erkrankten.

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Wie viel Aussagekraft hat die Inzidenz?

Er machte aber gleichzeitig klar, dass dies - ebenso wie die Inzidenzen - nur ein Wert unter vielen zur Erfassung der Corona-Lage sein könne.

Wir brauchen mehrere Indikatoren, um das Bild sachgerecht auszudrücken.
Gérard Krause, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig

Krause hält es dabei für wenig zielführend nur auf die Sieben-Tage-Inzidenz zu schauen. Je länger die Coronavirus-Pandemie dauere, desto weniger verlässlich werde der Wert. "Durch Impfungen wird die Krankheitslast runtergehen. Gleichzeitig wird aber die Zahl der Infektionen nicht in dem Maße runtergehen wie Erkrankungen", sagte Krause. Menschen würden sich perspektivisch also weiter infizieren, dank der Impfungen aber weniger selten erkranken.

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