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Intensivstationen - Wie sich die Lage wegen Corona zuspitzt

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Die Infektionszahlen steigen und auch die Zahl der Intensivpatienten nimmt rasant zu. Experten warnen, dass die Intensivstationen schon bald überlastet sein könnten.

Versorgung eines Corona-Patienten in Ludwigsburg.
Die Intensivstationen könnten nach aktuellem Stand binnen vier Wochen überlastet seien.
Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Archiv

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Samstagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter 18.129 neue Ansteckungsfälle mit dem Coronavirus und 120 neue Todesfälle. In der vergangenen Woche lag der Tageswert mehrfach bei über 20.000 Neuinfektionen, am Donnerstag sogar bei 24.300, dem höchsten Tageswert seit Mitte Januar.

Innerhalb von drei Wochen hat sich die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz - also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche - damit fast verdoppelt. Hatte der Wert am 12. März noch bei 72,4 gelegen, gab ihn das RKI am Samstag mit 131,4 an. Was bedeuten diese Zahlen für die Intensivstationen?

Prognosen sehen Überlastung der Intensivstationen

Die Zahl der in Krankenhäusern registrierten Corona-Intensivpatienten steigt seit dem 12. März täglich an. Das Divi-Register verzeichnete am Freitag 3.838 Patienten auf Intensivstationen. Auf dem Höhepunkt der zweiten Welle lag die Zahl am 3. Januar bei 5.745 Personen.

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Nach einer Modellprognose des Robert-Koch-Instituts lässt sich eine Überlastung der Intensivstationen nur verhindern, wenn Lockerungen vorsichtig erst ab Mai und Juni sowie dann mit sukzessiver Steigerung bis in den Spätsommer kommen. Dann könnte ein Großteil der Bevölkerung geimpft sein.

Denn: Die Impfkampagne ist noch nicht so weit vorangeschritten, um das Infektionsgeschehen wesentlich zu beeinflussen, so das RKI. "Mit deutlich sichtbaren Erfolgen der Impfkampagne ist erst in einigen Wochen zu rechnen", heißt es im RKI-Lagebericht von Freitag.

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Lauterbach: "Es ist eigentlich Wahnsinn"

Das fordern auch Intensivmediziner*innen. Der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, warnte zuletzt vor einer Überfüllung von Deutschlands Intensivstationen innerhalb von vier Wochen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach meldete sich am Freitag auf Twitter zu Wort und kritisierte die aktuellen Maßnahmen scharf. "Es ist eigentlich Wahnsinn", so der SPD-Politiker. "Die Intensivmediziner betteln geradezu um einen Lockdown, so sehr spitzt sich die Lage zu. Die Berater der Regierung fordern alle schnelles Handeln. Und wir feiern erstmal Ostern, sehen dann weiter. Das erfindet so schnell keiner."

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Virologen fordern harten Shutdown

Wie Lauterbach und Intensivmediziner fordern auch andere Experten einen harten Shutdown, um die Infektionslage unter Kontrolle zu bringen. "Wir werden um einen ernsthaften Lockdown nicht herumkommen", sagte der Berliner Virologe Christian Drosten dem "Spiegel". Man habe in Paris und London gesehen, dass ein Teillockdown gegen die aggressivere Virusvariante nicht durchgreife. Noch bestehe die Chance, eine solche Entwicklung in deutschen Großstädten abzuwenden.

Dazu ist jetzt aber politisches Handeln und auch die Unterstützung möglichst vieler Menschen notwendig.
Christian Drosten, Virologe

Die Braunschweiger Virologin Melanie Brinkmann sieht das genauso. Wenn alles so weiter laufe wie bisher, "wird jeder in seinem ganz direkten Umfeld Menschen kennen, die im Krankenhaus waren, gestorben sind, unter Langzeitschäden leiden". Sie sei wütend, dass nicht früher reagiert worden sei auf die Warnungen der Wissenschaft.

Wir könnten jetzt schon bei Zehner-Inzidenzen sein, wenn die Politiker bei der Bund-Länder-Konferenz im Januar ernst genommen hätten, was wir ihnen gesagt haben.
Melanie Brinkmann im "Spiegel"

Ausbreitung der britischen Corona-Variante laut RKI besorgniserregend

Als Hauptursache für den schnellen Anstieg der Neuinfektionen und Zahl der Intensivpatienten sehen Forscher*innen die zuerst in Großbritannien entdeckte, sehr ansteckende Corona-Variante B.1.1.7., die sich in Deutschland rasch ausbreitet. Laut aktuellster RKI-Analyse macht die Variante bereits einen Anteil von 88 Prozent im Infektionsgeschehen aus.

Die Verbreitung dieser Variante sei besorgniserregend, weil sie lau RKI "nach bisherigen Erkenntnissen deutlich ansteckender ist und vermutlich schwerere Krankheitsverläufe verursacht als andere Varianten". Alle in Deutschland verfügbaren Impfstoffe schützten nach RKI-Angaben jedoch sehr gut vor einer Erkrankung durch B.1.1.7 und auch vor schweren Erkrankungen durch zwei andere Varianten.

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