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Polen, Tschechien, Slowakei - Die weißen Flecken auf der Corona-Karte

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Die nächste Corona-Welle nimmt Fahrt auf in Europa. Nur im Osten scheint der Sommer noch zu halten. In Polen, Tschechien und der Slowakei ist die Inzidenz niedrig. Woran liegt das?

Passanten in Krakau am 03.08.2021
Polen kann mit sehr neiderigen Inzidenzwerten aufwarten.
Quelle: picture alliance / NurPhoto

Die Corona-Karte von Deutschland ist in zwei Bereiche eingeteilt. Hohe Inzidenzzahlen im Südwesten, vergleichbar wenige Infektionen in den östlichen Bundesländern mit Ausnahme von Berlin. Das setzt sich auch bei den Nachbarländern im Osten fort: Polen hat aktuell die niedrigste Inzidenz (4,7) in Europa. Tschechien (13,1) und die Slowakei (15,3) bewegen sich seit Ende Mai auf niedrigem Niveau. Woran liegt das?

Polen: Der weiße Fleck auf der Covid-19-Landkarte - aber wie lange noch?

In Polen - so scheint es - gibt es kein Coronavirus mehr. In Restaurants etwa trägt selbst das Servicepersonal praktisch keine Masken mehr, nur in Geschäften wird zumeist noch die Maskenpflicht eingehalten. Je weiter man aufs Land reist, sind Menschen mit Masken absolute Exoten. Ein Impfnachweis wird derzeit fast nirgends verlangt.

Polen hatte zum Anfang der Pandemie vergangenes Jahr sehr früh, sehr schnell - deutlich vor Deutschland - sehr strenge Regeln eingeführt. Jetzt ist alles dort etwas lockerer im Vergleich zu Deutschland. Aber auch in Polen wird zunehmend vor der vierten Welle gewarnt. Denn: Ja, im europäischen Vergleich liegt Polen bei der Sieben-Tage-Inzidenz weit hinten, aber es gibt Anzeichen, dass sich das ändern könnte.

Die Sommerferien sind gerade erst zu Ende gegangen

Bis zum 1. September waren in Polen landesweit die Schulen geschlossen. Jetzt geht der Unterricht dort wieder wie in Nicht-Covid-Zeiten los, sprich: mehr soziale Kontakte und Infektionsmöglichkeiten. Auch ist die Urlaubszeit vorbei, die öffentlichen Verkehrsmittel sind wieder voller.

Die Zahl der Neuinfektionen hat sich im Vergleich zur Vorwoche um 50 Prozent erhöht. Die Tendenz ist unübersehbar: Am 1. September wurden 366 Neuinfektionen gemeldet, am heutigen Donnerstag sind es bereits 390 (Polen hat 38 Millionen Einwohner).

"Wir beobachten eine langsame Steigerung von Hospitalisierung von infizierten Patienten", so Dr. Marcin Krzanowski, vom Universitätskrankenhaus in Krakau:

Im Vergleich zu vor zwei Wochen um 50 Prozent mehr Patienten.
Dr. Marcin Krzanowski

Etwa ein Viertel der Erwachsenen Polens ist impfskeptisch

Derweil ist das Impftempo runtergegangen. Knapp 50 Prozent der Menschen sind doppelt geimpft, etwa ein Viertel der Erwachsenen ist impfskeptisch. Polens Präsident Duda spricht sich energisch gegen eine Impfpflicht aus, die Regierung wirbt dringend, sich impfen zu lassen.

Polen hatte die dritte Welle relativ stark getroffen, vor allem die Todeszahlen im Zusammenhang mit Covid-19 waren in diesem Frühjahr hoch. Dass die vierte Welle kommt, spätestens im Herbst, steht für Prof. Andrzej Horban, Covid-Berater des Ministerpräsidenten, fest. Doch er schätzt, dass sie kleiner ausfallen wird, als die Dritte. Die Zahl der Neuinfektionen, so Horban, läge statt bei damals 35.000 pro Tag, dann nur bei 10.000. 

Tschechien

Auch in Tschechien liegt die 7-Tage-Inzidenz bei niedrigen 13 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Vollständig geimpft sind 53,43 Prozent der Bevölkerung.

Auch hier bereitet man sich auf eine weitere Corona-Welle vor: In drei Wochen sollen Auffrischimpfungen für Ältere und Risikogruppen starten. Gesundheitsminister Adam Vojtech plant ausßerdem die Wiedereinführung der Testpflicht für ungeimpfte Pflegekräfte in Altersheimen und sozialen Einrichtungen. Diese war erst Anfang Juli abgeschafft worden.

Man ist vorsichtig in Tschechien. Das Land wurde bisher hart von der Pandemie getroffen. Die Todeszahlen durch das Virus liegen, in Relation zur Bevölkerung, etwa drei Mal höher als in Deutschland. Mehr als 30.000 Menschen sind mit oder an Corona verstorben.

Seit Montag gelten in Tschechien strengere Einreiseregeln für Touristen und Reiserückkehrer aus Deutschland. Wer nicht seit mindestens 14 Tagen vollständig geimpft ist, muss einen negativen PCR-Test vorweisen und sich nach der Ankunft in Quarantäne begeben.

Slowakei

In der Slowakei liegt die Impfquote noch niedriger: Lediglich 39,87 Prozent der Einwohner sind vollständig geimpft. Auch hier gelten die Sommerferien als Faktor für die niedrigen Infektionszahlen. Sie sind am 31. August zu Ende gegangen. Für den Herbst rechnen Experten auch hier wieder mit steigenden Infektionszahlen.

Auf der Illustratioin ist eine Person zu sehen, die ein Schutzschild hält. Das Schutzschild ist zum Teil gerisssen, Coronaviren dringen durch das Schild.

Nachrichten | Politik - Infiziert trotz Corona-Impfung - Warum? 

Je mehr Menschen geimpft, desto mehr wird es auch zu Impfdurchbrüchen kommen. Hinzu kommen eine steigende Inzidenz und nachlassender Impfschutz.

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Epidemiologe schlägt Alarm - Warum Russland Corona nicht im Griff hat 

Die Corona-Zahlen in Russland sind besorgniserregend: Mehr als 32.000 Menschen haben sich binnen eines Tages neu infiziert, fast Tausend sind gestorben. Epidemiologen warnen.

von Anastasia Klimovskaya, Moskau
Klassenzimmer mit Schüler*innen und Schulranzen im Vordergrund; Berlin, 09.06.2021

Wochenbericht des RKI - Inzidenz bei Kindern lokal über 500 

Das Robert-Koch-Institut registriert viele Corona-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. In acht Landkreisen liege die Sieben-Tage-Inzidenz bei den 10- bis 19-Jährigen über 500.

von Petra Mertens und Andreas Hottmann (Grafik)
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