Experten uneins über geplantes Ende der Isolationspflicht

    Vier Bundesländer für Aufhebung:Experten uneins über Isolationspflicht

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    Vier Bundesländer planen, die Isolationspflicht für Corona-Infizierte aufzuheben - Virologen, Ärzte und Patientenschützer sind unterschiedlicher Meinung zu diesem Schritt.

    Isolation nach positivem PCR Test
    Die Isolationspflicht für positiv Getestete ist umstritten.
    Quelle: dpa

    Die in einigen Bundesländern geplante Aufhebung der Isolationspflicht für Corona-Infizierte hat für ein unterschiedliches Echo bei Experten gesorgt. ZDFheute hat einige Reaktionen zusammengetragen:
    Lungenexperte und Oberarzt Cihan Çelik sieht den Beschluss kritisch. Covid sei zwar nicht mehr so gefährlich wie 2020, schrieb er bei Twitter. "Wir haben hier aber gerade erst erlebt, dass C19 noch immer unsere stationären Kapazitäten an die Grenze bringen kann", so Çelik, der am Klinikum Darmstadt als Sektionsleiter die Pneumologie und die Covid-Normalstation verantwortet. Der Schutz der Risikogruppen sei durch ein pauschales Ende der Isolationspflicht nicht mehr gegeben.
    Cihan Çelik bei Twitter
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    Ähnlich kritisch äußerte sich auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach: "Am Arbeitsplatz sind jetzt Menschen mit Risiken oder bereits bestehendem Long Covid besonders gefährdet", schrieb er bei Twitter.

    Virologe hält Entscheidung für "akzeptabel"

    Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hingegeben hält das Ende der Isolationspflicht für akzeptabel. "Ich finde diesen Vorschlag der vier Bundesländer aus medizinischer Sicht nachvollziehbar. Er ist in der aktuellen Pandemiesituation auch vertretbar", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Man kommt mit der Regelung 'Wer krank ist, bleibt zu Hause' gut durch die nächsten Wochen und Monate", schrieb er auch bei Twitter. Der Blick in andere Länder zeige, dass es ohne allgemeine Isolationspflicht geht, so Schmidt-Chanasit.
    Jonas Schmidt-Chanasit bei Twitter
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    Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek betonte dazu bei Twitter: "Es gibt politische und gesellschaftliche Argumente dafür und dagegen." Was ihr wichtig sei zu betonen:

    Keine Isolationspflicht mehr zu haben bedeutet nicht, dass Covid-19 für jeden ab jetzt völlig harmlos und nur ein Schnupfen ist.

    Virologin Sandra Ciesek

    Vier Bundesländer wollen Isolationspflicht abschaffen

    Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein hatten am Freitag angekündigt, die generelle Isolationspflicht für positiv getestete Menschen aufzuheben. In diesen Ländern sollten "zeitnah" neue Regelungen in Kraft treten, die Details würden derzeit ausgearbeitet, hieß es.
    Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) erklärte, es sei "Zeit, den Menschen wieder mehr Eigenverantwortung zu übertragen."

    Wir läuten eine neue Phase im Umgang mit der Pandemie ein.

    Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha

    Virologe: Generelle Isolation bereitet Probleme in kritischer Infrastruktur

    In Einrichtungen, in denen es eine größere Gefahr gebe - wie Krankenhäuser oder Altenheime - habe man gute Hygienekonzepte und Fachkräfte, die verhinderten, dass es zu einem problematischen Infektionsgeschehen komme, sagte Schmidt-Chanasit. "Aber eine allgemeine Regelung für alle Bereiche ist in dieser aktuellen Situation nicht mehr angebracht und sorgt ja auch für problematische Einschränkungen in dem Bereich der kritischen Infrastruktur."
    Der Virologe Hendrik Streeck ist der Ansicht, mit der Isolationspflicht sei es bei der hohen Dunkelziffer ohnehin nicht zu schaffen, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Man solle "zu einem Isolationsgebot übergehen. Wer sich krank fühlt, sollte zu Hause bleiben", sagte er der "Fuldaer Zeitung".
    Der Chef der Deutschen Stiftung Patientenschutz Eugen Brysch wiederum nennt die Aufhebung der Isolationspflicht im NDR einen "falschen Weg": "Wir wissen, Corona-Infizierte zu isolieren, ist nicht Selbstzweck. Wir müssen das Virus weiterhin bremsen, wo es notwendig ist." Man zähle schließlich Monat für Monat 4.000 Corona-Tote.

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