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EU-Vergleich - Italien impft schneller - noch

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Deutschland muss schneller impfen, so der Tenor. Die Zahlen untermauern das: Hierzulande gibt es 758.093 Geimpfte. Italien hat schon 40.000 mehr. Doch Zahlen sind nicht alles.

Gesundheitspersonal wird am 12.01.2020 in einem Krankenkaus in Mailand gegen Covid-19 geimpft.
Italien liegt bei den Impfungen vor Deutschland.
Quelle: picture alliance / abaca

 

Gut 40.000 Corona-Impfungen mehr als in Deutschland, insgesamt 800.730 geimpfte Bürger: Italien liegt im EU-Vergleich vorn. Damit hat das Land bis jetzt immerhin 1,3 Prozent seiner Bevölkerung mit den Impfstoffen von Biontech oder Moderna versorgt.

Eine höhere Quote schaffen derzeit nur unsere Nachbarn aus Dänemark (2 Prozent), allerdings bei wesentlich geringeren absoluten Zahlen (117.104). Noch schneller sind die Briten (4,2 Prozent bei 2.843.815 Impfungen), die wegen des Brexits allerdings ihre eigenen Wege gehen. Deutschland hinkt hinterher. Hierzulande gibt es 758.093 Geimpfte. Die Impfquote liegt damit bei 0,9 Prozent.

Deutschland ist ein "Pharmaland" - Italien auch

Die Kritik an der deutschen Impfstrategie ist nicht neu, trotzdem muss sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auch in seiner Regierungserklärung dafür verteidigen: Wieso sind manche unserer EU-Nachbarn schneller, obwohl der erste in der EU zugelassene Impfstoff aus Deutschland kommt?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Impfstrategie verteidigt. Es sei genügend Impfstoff bestellt worden, sagte er im Bundestag. Sehen Sie hier seine Regierungserklärung.

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Biontech liegt sozusagen gleich um die Ecke, doch es mangelt an Impfstoff. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kommentierte das am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin so:

Jetzt sind wir mal ehrlich: Wir sind ein Pharmaland in Deutschland.
Markus Söder (CSU)

Und weiter sagte er: "Wir gehören zu den größten Produktionsstätten für Industrie."

Es müsste auch möglich sein, mehr solcher Produktionsstätten zu mobilisieren, die dann für Deutschland oder ganz Europa produzieren können.
Markus Söder (CSU)

Tatsächlich wäre die Produktion in Italien wohl genauso gut aufgehoben, denn das Land hat mit 32 Milliarden Euro Umsatz die größte Pharmabranche der EU und liegt damit knapp vor Deutschland. Das zeigt ein Bericht der Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing. Einen eigenen Impfstoffkandidaten hat die italienische Forschung allerdings nicht. Auf einen technischen Vorsprung Italiens sind die schnelleren Impfungen also nicht zurückzuführen.

Roms Impfstrategie: Andere Prioritäten als in Deutschland

Laut einer EU-weiten Umfrage zur Impfbereitschaft wollen sich 52 Prozent der Italiener gegen Covid-19 impfen lassen. Sie ist im Vergleich zu Deutschland geringfügig höher (2 Prozent), "weil Italien früher und schwerer von der Corona-Pandemie getroffen wurde", erklärt Andreas Postel, ZDF-Korrespondent in Rom.

Der Hauptgrund für die zügigere Impfung Italiens dürfte aber eher an der Priorisierung der Impfkandidaten liegen. Vom italienischen Gesundheitsministerium heißt es dazu, "vorrangig geimpft werden sollen: Gesundheits- und Sozialarbeiter, Bewohner und Mitarbeiter von Altenheimen."

Italien: Das Gesundheitswesen impft sich selbst

Das zeigt sich in der Impfstatistik: 625.861 der Geimpften arbeiten im Gesundheitssystem, 116.236 in anderen Berufen und 58.633 sind Bewohner von Heimen.

Deutschland impft dagegen - gemäß den Empfehlungen der Ethikkommission - erst die Risikopatienten, also vor allem die Bewohner in den Heimen. Das ist mit mehr Logistik verbunden und dauert länger. Salopp gesagt: In Deutschland kommen Personal und Impfstoff zum Patienten. In Italien ist das Personal der Patient – mit direktem Zugang zum Impfstoff.

Das schlägt sich auch in der Verteilung des Impfstoffs nach Altersgruppen nieder. Die meisten geimpften in Italien sind zwischen 20 und 60 Jahren alt, also noch erwerbsfähig.

Deutschland holt auf

Ob die italienische oder die deutsche Priorisierung angemessener ist, ist eine ethische Frage. Was die Kritiker der deutschen Impfstrategie aber bedenken sollten: Deutschland holt auf.

Während dieser Artikel geschrieben wurde, schmolz Italiens Vorsprung von rund 100.000 auf etwas mehr als 40.000 Geimpfte. Das zeigt: Der Impf-Fortschritt innerhalb der EU gleicht sich an. Und das ist auch gut so, denn das Coronavirus ist der EU in einer Hinsicht weit überlegen: Es interessiert sich nicht für Grenzen.  

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