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Keine Zuschauer in Tokio - Olympia: Geisterspiele - aber trotzdem Spiele

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Olympia in Tokio ohne Zuschauer: Es hatte sich angebahnt, die Corona-Zahlen sind zu hoch. Und die Spiele lieber noch einmal verschieben? Wohl kaum.

Die Olympischen Spiele in Tokio finden ohne Zuschauer statt. Wegen des weiter grassierenden Coronavirus beschließt die Regierung, auch heimisches Publikum auszuschließen.

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Als sich die Olympische Organisationschefin Seiko Hashimoto am späten Abend in Tokio öffentlich per Videoschalte meldet, ist schon klar, was sie zu verkünden hat: Die Olympischen Spiele werden zumindest in der japanischen Hauptstadt ohne Zuschauerinnen und Zuschauer stattfinden.

Lediglich bei Wettkämpfen außerhalb des Großraums Tokio können die Regionalregierungen entscheiden, ob sie Zuschauer zulassen oder nicht - abhängig von den Infektionszahlen.

Wir hatten keine andere Wahl, ...
Seiko Hashimoto, Organisationschefin Olympia

... erklärt Hashimoto. "Es ist sehr bedauerlich, dass wir die Spiele angesichts der Coronakrise in einem begrenzten Format abhalten müssen."

Trotzdem Vorfreude auf die Wettkämpfe nach all dem Training

Das Olympische Ideal der Völkerverständigung, der Begegnung von Fans, Sportlerinnen und Sportlern aus aller Welt ist damit mitten ins Herz getroffen. Das ist bitter auch für die Athletinnen und Athleten, von denen sich manche bei der Vorbereitung der Spiele mehr Mitspracherecht gewünscht hätten. Trotz aller Zweifel überwiegt bei vielen dennoch die Vorfreude, dass es überhaupt wieder Wettkämpfe gibt.

"Da bin ich am Ende ganz Sportler", sagt Säbelfechter Max Hartung dem ZDF. "Ich hab jetzt fünf Jahre lang trainiert und ich möchte kämpfen. Und wenn das möglich ist, ohne dass dort Menschen erkranken, dann würde ich mich wahnsinnig freuen. Ich freu mich an den Start zu gehen. Das ist das, was mich bewegt, in den Flieger zu steigen."

Tokio: 1.000 neue Fälle täglich vorhergesagt

Sichere Spiele, also vor allem coronasicher - das haben die Organisatoren und die japanische Regierung stets versprochen. Ministerpräsident Yoshihide Suga ging Anfang des Jahres sogar noch weiter. Für ihn sei die Austragung der Wettbewerbe "ein Beweis für den Sieg des Menschen gegen das Coronavirus".

Die Realität jedoch sieht heute ganz anders aus. Ausgerechnet in Tokio steigen die Infektionszahlen wieder an. 920 Neuinfektionen markierten am Mittwoch den höchsten Stand seit Mai. Experten prognostizieren bis Anfang August allein für die Hauptstadt mehr als 1.000 neue Fälle täglich. Anstatt die Maßnahmen zu lockern, verhängt die Regierung einen weiteren Ausnahmezustand für die Stadt. Der vierte mittlerweile, aber nicht zu vergleichen mit den teils radikalen Lockdowns in Europa.

Vierter Lockdown in Tokio: Kein Nachtleben, kein Alkoholausschank

Restaurants oder Bars müssen um 20:00 Uhr schließen. Alkohol soll gar nicht mehr ausgeschenkt werden. Eine Maskenpflicht gibt es zwar nicht. Wenn die Behörden den Schutz lediglich dringend empfehlen, dürften die meisten Japanerinnen und Japaner - in der Regel gesetzestreu und nicht allzu rebellisch - das aber auch befolgen.

Steigende Infektionszahlen, Athleten auf Abstand, Sportstätten als Festungen: Im Vorfeld der Sommerspiele in Tokio führt immer mehr die Corona-Pandemie die Regie.

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Umfrage: Breite Ablehnung in der Bevölkerung schwindet

Mehr als 80 Prozent waren vor einigen Monaten noch gegen eine Austragung der Spiele. Inzwischen gibt es aber auch andere Zahlen: Laut Umfrage eines TV-Senders vom vergangenen Wochenende sind nur noch 20 Prozent dafür, die Spiele abzusagen. Rund 35 Prozent sprechen sich für Wettbewerbe ohne Publikum aus, 14 Prozent fänden eine Verschiebung am besten.

Doch noch einmal verschieben, kommt nicht mehr in Frage. Zu viel haben Regierung und Sponsoren in dieses 15-Milliarden-Dollar-Event investiert. Japan-Kenner erklären die sinkenden Ablehnungswerte auch damit, dass sich viele Einheimische inzwischen mit den Spielen abgefunden hätten.

Regierung hofft auf "eine Art Gehirnwäsche"

Ergebnisse, die dem Ministerpräsidenten und seiner Regierung sehr gelegen kommen dürften. Im Herbst stehen Wahlen an. "Sie sehen die Chance, die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten drehen zu können", sagt Politanalyst Koichi Nakano, ein eher regierungskritischer Professor für Politikwissenschaften der Sophia-Universität Tokio. "Wenn ein Großteil der Einwohner vor dem Fernseher klebt, um nonstop die Spiele zu schauen, vielleicht hofft die Regierung darauf, dass dies auch deren Meinung ändert."

Eine Art Gehirnwäsche durch den ständigen Fluss des Ruhmes der Athleten und den Stolz, den er den Nationen, vor all dem japanischen Volk bringt.
Koichi Nakano, Politikwissenschaftler


Am 23. Juli geht es los. Dann wird sich zeigen, ob das Olympische Komitee und Japans Politik ihr Versprechen von coronasicheren Spielen einlösen können. Oder ob die Zweifler Recht behalten, die fürchten, dass die Aura Japans als eine Art Vorreiterstaat und High-Tech-Land Asiens nachhaltig beschädigt werden könnte.

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