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Hass im Netz : Tote Ärztin: Was über ihren Fall bekannt ist

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Sie fühlte sich bedroht und sagte das auch immer wieder öffentlich. Was wir über den Fall der toten österreichischen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr wissen.

Archiv: Lisa-Maria Kellermayr
Die Ärztin Lisa-Maria Kellermayr (Archivfoto) war monatelang Hass ausgesetzt.
Quelle: picture alliance / HERMANN WAKOLBINGER / APA

Sie war keine, die leiser wurde. Die österreichische Landärztin Lisa-Maria Kellermayr äußerte sich auch noch, als sie massiv bedroht wurde - aus der Szene der Corona-Leugner schwappte ihr regelmäßig der Hass entgegen.

Der Suizid der 36-jährigen Medizinerin, die gegen Corona impfte und auch darüber sprach, rief großes Bestürzen hervor. In Wien kamen am Montag mehrere Tausend Menschen zu einer Mahnwache zusammen. Österreichs Bundespräsident Alexander van der Bellen forderte auf Twitter: "Beenden wir dieses Einschüchtern und Angst machen."

Auch, wenn über Kellermayrs Beweggründe nur spekuliert werden kann, so machte sie immer wieder deutlich, dass sie unter den Drohungen litt. Teils veröffentlichte sie diese auch:

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Drohungen waren bekannt - sie fühlte sich allein gelassen

Die Medizinerin fühlte sich nicht mehr sicher, das sagte sie auch ZDFheute. Sie schilderte ihre Situation in Telefonaten und leitete Droh-Mails weiter. In einer schreibt ein vermeintlicher "Claas" Anfang Mai, er wolle sie "betäuben und in einem Keller foltern". Gegenüber ihren Angestellten drohte er, "die Wände deiner Ordination [Österreichisch für Praxis] mit den Gehirnen deiner Mitarbeiter zu streichen". Sie erstattete Anzeige - das Verfahren läuft noch.

Die Dynamik der Impfgegner-Szene

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Die Ärztin hatte einen privaten Sicherheitsdienst engagiert, der in ihrer Praxis blieb. Dort wohnte sie zuletzt, weil sie sich in ihrer Wohnung nicht mehr sicher fühlte. Sie hatte dort sogar einen Panikraum eingerichtet.

All das verschlang viel Geld. Gegenüber ZDFheute schrieb sie Mitte Mai:

Ich muss den Sicherheitsdienst nach wie vor selbst bezahlen und nachdem wir keine 'Sommerpause' von der Bedrohungslage haben, sind auch sämtliche Kreditmittel spätestens im Oktober erschöpft.
Mail von Lisa-Maria Kellermayr

Ihre Praxis musste Kellermayr Mitte Juli schließen - auch, weil sie ihren Mitarbeitenden derzeit keine "normalen" Umstände mehr bieten könne, schrieb sie auf Twitter. Besonders perfide wirkt da eine Drohung aus der Mail von "Claas":  "Ich glaube wir wissen beide, dass du deinen momentanen Lebensstil nicht bis in alle Ewigkeit fortsetzen kannst. (...) Irgendwann musst du aus deiner Impfhöhle herauskommen."

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Polizeiakte: Praxis "in unregelmäßigen Abständen bestreift"

Durch die Polizei fühlte sich die Medizinerin nicht ausreichend geschützt. In einer internen Akte von Ende Mai erläutert die Polizei die Maßnahmen, die sie zwischenzeitlich ergriffen hat. Nach Eingabe der Mail habe man zunächst zwei Wochen lang täglich Kontakt mit ihr und dem Wachdienst aufgenommen. Danach wurde die Praxis "in unregelmäßigen Abständen bestreift, aber die Kontaktaufnahme reduziert". Das bedeutet, dass hin und wieder ein Streifenwagen vorbeifährt.

Wenig später wurde dann erneut eine regelmäßige Kontaktaufnahme beantragt - angelegt auf zunächst zwei Wochen. Kellermayr schrieb der Redaktion, dass die Polizei ihren Fall "nicht so wahnsinnig ernst zu nehmen schien ('ist ja nur im Internet').

Bestürzung ist groß - was folgt daraus?

In mehreren Querdenker-Gruppen wird der Suizid von Kellermayr thematisiert - und instrumentalisiert. So fantasieren Telegram-Nutzer, ob die Ärztin durch die Corona-Impfung gestorben sei. Andere, ob sie endlich erkannt habe, "was sie mit dieser hemmunglosen Impferei angestellt hat". Manche gedenken ihr auch, zeigen Mitgefühl.

Die Kennerin der Querdenken-Szene, Katharina Nocun, macht auf die besondere Rolle von Medizinern in der Corona-Pandemie aufmerksam. ZDFheute sagt sie:

Ärzte werden in Verschwörungserzählungen als Protagonisten dargestellt. Manche sehen sie als Teil eines großen Plans gegen die Bevölkerung, manche als unwissende Handlanger, die eine 'Giftspritze' verabreichen würden.
Katharina Nocun, Autorin und Publizistin

Der Hass, der dann bei Betroffenen ankomme, sei inakzeptabel, so Nocun. Er dürfe nicht als Normalität angesehen werden. Und: "Hass ist auch nicht nur im Netz - er ist mitten in der Gesellschaft."

Mahnwachen-Organisator: "Mensch mit Herz und Gefühlen"

Einer, der ihren Tod nicht lautlos hinnehmen wollte, ist Daniel Landau. Der Aktivist, der sich gegen Hass im Netz engagiert, hatte die Mahnwache in Wien organisiert. Noch im Juli hatte er Kellermayr in ihrer Praxis am Attersee besucht. ZDFheute sagt er:

Immer mehr Menschen scheinen online zu vergessen, dass am anderen Ende auch ein Mensch steht mit Herz und Gefühlen.
Daniel Landau, Mahnwachen-Organisator

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