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FAQ

Corona-Infektionen - Wie die dritte Welle Kinder trifft

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Die Corona-Zahlen bei Kindern steigen stark an. Wie gefährlich ist die neue Variante B.1.1.7 für sie? Und was können Eltern tun? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Corona-Zahlen bei Kindern haben sich zuletzt verdoppelt. Wann kommt ein Impfstoff für sie?

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So entwickeln sich die Corona-Zahlen bei Kindern

Die Corona-Zahlen bei Kindern steigen stark an. In der ersten und zweiten Corona-Welle lagen die Inzidenzen der unter 15-Jährigen meist unter denen der Gesamtbevölkerung. Je jünger die Kinder, desto niedriger waren die Zahlen. Das ändert sich gerade.

Zwar nimmt die Inzidenz aktuell in der Gesamtbevölkerung zu, aber: "Der stärkste Anstieg ist bei Kindern zwischen 0-14 Jahren zu beobachten, wo sich die 7-Tage-Inzidenzen in den letzten vier Wochen mehr als verdoppelt haben", heißt es im RKI-Lagebericht.

Welche Rolle spielen Schulen und Kitas bei den Neuinfektionen?

Nach RKI-Angaben steigt die Zahl der Corona-Ausbrüche in Kitas "sehr rasch" an und liegt über den Werten vom Ende vergangenen Jahres. "Eine ähnliche Entwicklung deutet sich mit zeitlicher Verzögerung (aufgrund der erst kürzlich erfolgten Öffnung) auch für die Schulen an", schreibt das RKI. Ein Grund dafür sei die britische Variante B.1.1.7 - sie gilt als ansteckender, auch bei Kindern. "Von Kindern und Jugendlichen gehen zunehmend Übertragungen und Ausbruchsgeschehen aus", konstatiert das RKI.

Prof. Fred Zepp, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Mainz, sieht aber die Kinder weiterhin nicht als Treiber der Pandemie. "Lehrer bringen viel häufiger Infektionen in die Schule als Kinder." Dass die Zahlen bei Schülern steigen, folge der allgemeinen Zunahme von Infektionen, sei teilweise aber auch eine "künstliche Zunahme durch vermehrtes Testen".

Wie könnte das Infektionsrisiko in Kitas und Schulen reduziert werden?

Das Risiko für eine Corona-Infektion in der Schule ist Szenarien der TU Berlin zufolge höher als in anderen Bereichen. Unsere interaktive Story zeigt, welche Maßnahmen die Gefahr senken können:

Neben den klassischen Methoden wie Wechselunterricht, Masken und Lüften sollen nun Impfungen für das Personal von Schulen und Kindergärten das Infektionsrisiko dort senken.

Außerdem soll künftig das Testen eine größere Rolle spielen. In den Schulen ist das holprig angelaufen. Laut aktuellem Bund-Länder-Beschluss werden "baldmöglichst zwei Testungen pro Woche angestrebt". Auch regelmäßige Tests für Kita-Kinder wurden diskutiert - ins Gipfel-Papier haben sie es aber nicht geschafft. Mehrere Länder haben nun angekündigt, Schnelltests für Kita-Kinder zu bestellen. Das könnte so funktionieren: Die Eltern bekommen Selbsttests, bei denen ein Abstrich in der vorderen Nase oder Spucke genügt. Damit testen sie ihre Kinder zu Hause, bevor sie sie in die Kita bringen. Bisher ist von freiwilligen Tests die Rede.

Die Stadt Osnabrück erprobt in zwei Einrichtungen Selbsttests für Kita-Kinder.

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Wie regelmäßige Tests bei Beschäftigen und Kindern in Schulen und Kitas die dritte Welle abflachen könnten, zeigt eine Simulation der TU Berlin:

Wie gefährlich ist B.1.1.7 für Kinder?

Covid-19 verläuft bei Kindern in der Regel milder als bei Erwachsenen. Typische Symptome wie trockener Husten, Fieber, Geruchs- und Geschmacksverlust kommen bei ihnen nicht so häufig vor. Stattdessen haben Kinder eher Bauchschmerzen und Durchfall als Erwachsene.

Grafik: Corona-Symptome bei Kindern und Erwachsenen
Corona-Symptome im Vergleich - nach einer Zusammenstellung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte
Quelle: ZDF

Zeigt ein Kind solche Symptome, "muss man auch an Corona denken", sagt Zepp. Denn wegen der Hygieneregeln gebe es aktuell viel weniger saisonale Atemwegs- und Durchfallerkrankungen als normalerweise.

Bei Erwachsenen gibt es erste Hinweise, dass B.1.1.7 zu schwereren Krankheitsverläufen und mehr Todesfällen führt. Gilt das auch für Kinder? Das wisse man noch nicht, dazu sei der Beobachtungszeitraum zu kurz, sagt Prof. Tobias Tenenbaum, Leiter der pädiatrischen Infektiologie und Pneumologie an der Uniklinik Mannheim. "Wir sehen mehr infizierte Kinder, aber nicht zwingend auch kränkere Kinder."

Eine schwere Folgekrankheit von Covid-19 bei Kindern ist PIMS. Dabei handelt es sich ein Entzündungssyndrom, das etwa vier bis sechs Wochen nach der Corona-Infektion auftreten kann - auch wenn diese völlig unbemerkt verlaufen ist. PIMS ist sehr selten, Experten gehen davon aus, dass es eins von 1.000 bis 5.000 Corona-infizierten Kindern trifft. Anzeichen sind Fieber und Bauchschmerzen, betroffen sich vor allem Jungen im Schulalter.

Bisher sind 245 Fälle in Deutschland bekannt. Viele davon mussten auf der Intensivstation behandelt werden, doch die allermeisten wurden gesund entlassen. Die Mediziner melden in weniger als zehn Prozent der Fälle Folgeschäden und keinen einzigen tödlichen Verlauf. Allerdings dürften mit den steigenden Corona-Zahlen bei Kindern auch die PIMS-Fälle zunehmen. Außerdem erwarten Experten mehr Spätfolgen wie chronische Erschöpfung, generelle Leistungsminderung und Gelenk- und Muskelschmerzen bei Jugendlichen.

Insgesamt verzeichnet das Robert-Koch-Institut elf Corona-Tote unter 20 Jahren. Acht von ihnen hatten Vorerkrankungen. Zur Mutante B.1.1.7 schreibt es: "Es gibt Hinweise darauf, dass sie mit einer erhöhten Fallsterblichkeit in allen Altersgruppen einhergeht."

Wenn ein Kind Corona hat - wie können sich Eltern schützen?

Hat ein Kind Covid-19, ist es für Eltern schwer, sich vor Ansteckung zu schützen. Hygieneregeln einhalten, FFP2-Masken tragen - und wenn möglich von Risikopatienten in der Familie trennen, rät Zepp. Auch eine schnelle Impfung gefährdeter Eltern könne eventuell Vorteile bringen. Sie könne zwar den Ausbruch nicht mehr verhindern, aber das Immunsystem "frühzeitig auf Trab bringen und der Infektion ein Stück vorauslaufen" und hätte nach Studienlage auch keine Nachteile. Das sei aber erst realistisch, wenn genug Vakzine da seien und beim Hausarzt geimpft werde.

Wie Sie bei einem Corona-Fall in einem Haushalt, in dem nur Erwachsene leben, eine Infektion vermeiden, zeigt unsere interaktive Story über eine WG, die zwei Wochen in Quarantäne musste:

Wann gibt es eine Corona-Impfung für Kinder?

Bisher ist noch kein Corona-Impfstoff für Kinder zugelassen, aber alle Hersteller planen Studien oder führen sie schon durch - zunächst für Jugendliche, dann für die Jüngeren. Zepp, der auch Mitglied in der Ständigen Impfkommission (Stiko) ist, rechnet im zweiten Quartal mit Ergebnissen für Kinder ab zwölf Jahren. Im dritten Quartal könnte dann ein Impfstoff für sie zugelassen werden. Für jüngere Kinder rechnet er erst 2022 damit.

Aber brauchen Kinder überhaupt eine Corona-Impfung, wenn die Krankheit bei ihnen mild verläuft? "Ich finde schon, dass allein die Erkrankung des PIMS rechtfertigt, präventiv zu handeln", sagte Christian Dohna-Schwake, Facharzt für Kinderheilkunde an der Uniklinik Essen, diese Woche im NDR-Podcast. Für Tenenbaum sind Vakzine für Kinder ein "wichtiges Mosaiksteinchen" im Kampf gegen die Pandemie. "Nur wenn wir Erwachsene und Kinder tatsächlich impfen, bekommen wir die Pandemie in den Griff."  

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