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Kampf gegen das Coronavirus : Kinder-Impfung: Was sind Nutzen und Risiken?

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Die Kinder gegen Corona impfen oder nicht? Ab Montag ist es jedenfalls möglich. Trotz Zulassung äußern Experten noch immer Vorbehalte. Ist es wirklich nötig? Fragen und Antworten.

Arzt in medizinischen Handschuhen macht Injektion für kleines Mädchen in der Klinik.
Impfungen von Kindern und Jugendlichen: Einige Experten äußern Vorbehalte - auch wegen Impfstoffmangels in armen Ländern
Quelle: panthermedia

Ab Montag können in Deutschland auch Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gegen Corona geimpft werden. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hatte das Vakzin von Biontech/Pfizer vor gut einer Woche auch für diese Altersgruppe zugelassen. Für viele Kinder und Eltern ist das eine gute Nachricht. Doch nicht alle Experten sind über diesen Schritt glücklich.

Wie wirksam und sicher sind die Impfstoffe?

Die Daten zur Wirksamkeit und den Risiken der Impfstoffe von Biontech/Pfizer und auch Moderna bei jungen Menschen beruhigen: Der Impfstoff von Biontech werde von den 12- bis 15-Jährigen gut vertragen, die Nebenwirkungen seien mit denen bei älteren Menschen vergleichbar, erklärte die EMA unter Verweis auf eine Studie mit 2.200 jungen Probanden. Auf ein ähnliches Ergebnis kam eine Studie mit dem Corona-Impfstoff von Moderna mit 3.700 Jugendlichen. Der US-Konzern will noch in diesem Monat eine Zulassung für 12- bis 15-Jährige beantragen.

Die europäischen und US-Gesundheitsbehörden untersuchen derzeit mehrere Fälle von Herzmuskelentzündungen bei jungen Menschen, die nach einer Corona-Impfung aufgetreten waren. Bisher wurde noch kein Zusammenhang nachgewiesen.

Wie groß ist das Risiko bei einer Infektion?

Das Risiko, an Covid-19 zu sterben, ist bei jungen Menschen äußerst gering - die EU-Gesundheitsbehörde ECDC zählte bislang 98 Todesfälle bei insgesamt 1,1 Millionen infizierten Zehn- bis 19-Jährigen. Das Risiko einer schweren Erkrankung, die im Krankenhaus behandelt werden muss, beträgt 0,9 Prozent.

Allerdings weist die Infektiologin Odile Launay vom französischen Impfausschuss darauf hin, dass die Langzeitfolgen von Covid-19 bisher nur wenig erforscht sind - insbesondere bei den Jüngsten. Zudem können Kinder, die etwa unter Leukämie leiden oder unter Immunschwächen, laut Launay durchaus auch an schweren Formen von Covid-19 erkranken.

Einige Corona-infizierte Kinder erkrankten auch an dem sogenannten Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (Pims). Dabei handelt es sich um eine besonders ausgeprägte Entzündungsreaktion des Immunsystems. Doch auch hier schätzen die Gesundheitsbehörden das Risiko als extrem gering ein.

Auf der anderen Seite muss Launay zufolge der "indirekte Nutzen" einer schnelleren Rückkehr zu einem normalen Leben berücksichtigt werden.

Insgesamt ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Impfung bei jungen Menschen weniger deutlich als bei der erwachsenen Bevölkerung. Deshalb äußerte die Ständige Impfkommission (Stiko) wiederholt Vorbehalte gegenüber einer breiten Impfkampagne für Kinder und Jugendliche. Sie verwies dabei auch auf mögliche Impfrisiken, die noch nicht genau bekannt seien.

Kann die Kinder-Impfung zum Gemeinschaftsschutz beitragen?

Auch Kinder sind gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus nicht gefeit und können es dann ihrerseits weitergeben. Ihre Immunisierung trägt somit zur Eindämmung der Pandemie bei. Verschiedenen Schätzungen zufolge müssen etwa 70 bis 80 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft sein, um einen Gemeinschaftsschutz ("Herdenimmunität") zu erreichen. Das wären ohne die Minderjährigen etwa 90 Prozent der Erwachsenen - angesichts der vielen Impfskeptiker ein unerreichbares Ziel.

Wie ist der Zeitplan?

Kanada und die USA haben bereits mit der Impfung von Kindern und Jugendlichen begonnen, in Israel soll es genauso wie in Deutschland in der anstehenden Woche losgehen. Frankreich will die Zwölf- bis 18-Jährigen ab 15. Juni impfen, in Spanien soll es nach dem Willen der Regierung auf jeden Fall noch vor Beginn des neuen Schuljahres losgehen. Andere Experten pochen hingegen auf weiterhin höchste Priorität für Erwachsene, die stärker gefährdet seien als Minderjährige.

Die Expertin für pädiatrische Infektionskrankheiten an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, Beate Kampmann, wiederum sieht keinen Sinn in Impfungen von Jüngeren, solange in den ärmeren Ländern noch nicht einmal die Hochrisikogruppen immunisiert sind. "Mehr Leid ließe sich vermeiden, wenn die Impfdosen Ländern überlassen würden, in denen viele Menschen an Covid-19 schwer erkranken oder sterben."

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