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Forscher bemängeln Datenlage - Kinder impfen zum Schutz vor Long Covid?

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Eine Corona-Infektion verläuft bei Kindern zumeist milder als bei Erwachsenen. Sollten Kinder unter 12 Jahren dennoch geimpft werden? Forscher bemängeln die Datenlage zu der Frage.

Ein Mädchen mit einer Schutzmaske am 22.04.2020 in Hamburg
Soll man Kinder trotz meist mild verlaufener Corona-Infektionen impfen, um Long Covid zu vermeiden? Die Experten verweisen auf eine unzureichende Datenlage.
Quelle: dpa

Die Problematik von Long Covid bei Kindern und Jugendlichen lässt sich anhand der aktuellen Studienlage kaum beurteilen. Das schreiben australische Forscher in einem Übersichtsartikel in "The Pediatric Infectious Disease Journal". Die Frage nach Long Covid - das Anhalten von Corona-Symptomen über viele Wochen - ist brisant, weil das Syndrom ein Argument für Kinder-Impfungen sein könnte, sollte es weit verbreitet sein.

Eine Corona-Infektion verläuft bei Kindern und Jugendlichen in der Regel deutlich milder als bei Erwachsenen. Die meisten Kinder entwickeln keine Symptome, manche erkranken leicht. Zwei Prozent müssen in einem Krankenhaus behandelt werden, schreiben die Forscher mit Verweis auf verschiedene internationale Untersuchungen. Rund 0,03 Prozent versterben demnach als Folge der Infektion.

Forscher über Einzelstudien: Begrenzte Datenlage

Sollten Kinder unter 12 Jahren trotzdem geimpft werden? Zu dieser Frage haben Nigel Curtis von der Universität Melbourne, einer der Autoren des Übersichtsartikels, und sein Team vierzehn Einzelstudien zu Long Covid zusammengefasst, die rund 19.426 Kinder einbezogen. Die Prävalenz, also Häufigkeit von typischen Symptomen, variierte je nach Studie zwischen 4 und 66 Prozent.

Die kleinen Patienten klagten über Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Bauchschmerzen und Muskel- sowie Gelenkbeschwerden. In drei Studien waren Mädchen deutlich häufiger betroffen. Nach höchstens zwölf Wochen war der Großteil der Kinder beschwerdefrei.

Auch Kinder und Jugendliche können unter gesundheitlichen Langzeitfolgen leiden.

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Kinder scheinen zwar an Long Covid zu erkranken - aber weniger lange und ausgeprägt als Erwachsene. Die Autoren betonen stark die begrenzte Datenlage. "Die vorliegenden Studien geben keine klare Definition für das Syndrom an", so Curtis.

Das geringe Risiko der akuten Erkrankung bedeutet, dass einer der Hauptvorteile einer Impfung von Kindern darin liegen könnte, sie vor Long Covid zu schützen.
Nigel Curtis, Studienautor von der Universität Melbourne

Symptome auch als Folgen eines Lockdowns?

Mittels Online-Umfragen oder Telefoninterviews wurden die Daten erhoben. Patienten mit starkem Leidensdruck würden diese Tools vielleicht mehr nutzen als Kinder mit leichten Symptomen. Die Prävalenz von Long Covid könnte dadurch überschätzt werden. Zudem sei unklar, ob die berichteten Symptome überhaupt auf eine Infektion mit dem Coronavirus zurückzuführen, oder beispielsweise Folgen eines Lockdowns sind.

Psychische Störungen, Adipositas, Spielsucht: Die indirekten Schäden der Corona-Pandemie für Kinder sind dramatisch, sagt Jakob Maske vom Kinderärzte-Verband im ZDF.

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Über 200 Symptome sind mit Long Covid assoziiert. Es gibt viele Überschneidungen zu Erkrankungen, die schlecht fassbar sind - beispielsweise zu Depressionen und psychosomatischen Krankheitsbildern. Die Übergänge sind fließend.

Sollten Kinder also geimpft werden, um sie vor Langzeitfolgen der Erkrankung zu schützen? "In der Debatte über die Vorteile einer Impfung müssen wir das Risiko für Long Covid in dieser Altersgruppe kennen", so Curtis. Die aktuellen Studien reichten dafür aber noch nicht aus.

Long-Covid-Sprechstunde für Kinder

Daniel Vilser, leitender Oberarzt für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Jena, sieht das ähnlich. "Die Studie fasst gut zusammen, wie die Datenlage im Moment aussieht", sagt er zu dem Übersichtsartikel. "Aber die Daten sind noch nicht gut vergleichbar."

Vilser leitet eine neu eingerichtete Long-Covid-Sprechstunde. "Wir schulen die Kinder im Umgang mit der Erkrankung", sagt er. Eine kausale Behandlung gibt es nicht. Manche Kinder profitieren von Physio-, Ergo- oder Psychotherapie. "Wir stellen aber auch Bescheinigungen aus, sodass weniger belastbare Kinder zum Beispiel nur für zwei Stunden pro Tag zur Schule gehen müssen."

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Vilser stimmt mit den Autoren der Studie überein, dass die Symptome auch als Folge der Pandemie gewertet werden können.

Wenn wir die Schäden durch den Lockdown mit den Schäden durch das Virus betrachten: Dann überwiegt klar der Lockdown.
Daniel Vilser, Oberarzt für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Jena

Seit Beginn der Pandemie ist die Inzidenz von psychosomatischen Erkrankungen bei Kindern stark gestiegen. Vilser sagt aber auch:

Dass es Long Covid bei Kindern nicht gibt, ist aber falsch. Es wäre schade, wenn die Betroffenen keine Hilfe bekämen.
Daniel Vilser, Oberarzt für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Jena
Auf dem Bild sind vier Kinder-Silhouetten zu sehen. Sie sind umgeben von Coronaviren und einer Impfspritze.

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