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Interview

Corona-Folgen für Kinder - Lockdown: "Schäden dramatischer als Infektion"

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Psychische Störungen, Adipositas, Spielsucht: Die indirekten Schäden der Corona-Pandemie für Kinder sind dramatisch, sagt Jakob Maske vom Kinderärzte-Verband im ZDF.

Jakob Maske, der Sprecher des Bundesverbands der Kinder und Jugendärzte, im ZDF-Mittagsmagazin.

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ZDF: Wie groß, wie dramatisch sind die indirekten Schäden durch die Kita- und Schulschließungen in den letzten anderthalb Jahren bislang gewesen?  

Jakob Maske: Die Schäden sind dramatisch - sie sind auch viel dramatischer als die Folgen der Infektion selbst. Wir sehen vor allen Dingen bei den Jugendlichen schwere psychiatrische Störungen, Adipositas, Essstörungen et cetera.

Wir sehen bei den Jüngeren vor allen Dingen die Adipositas, aber auch Spielsucht. Und das in einem Ausmaß, wie wir es noch nie gesehen haben.
Jakob Maske, Kinderärzte-Verband

ZDF: Was heißt das für künftige Schul- und Kitaschließungen? Die soll es ja nicht mehr geben, aber durch die Quarantäne-Regelung führt es de facto für viele Kinder und Jugendliche ja schon wieder dazu.  

Maske: Wir sehen tatsächlich die Schulschließungen sehr kritisch. Das sollte in der Zukunft auf keinen Fall mehr passieren. Die Quarantäne-Regeln sind schon verbessert worden, aber das ist nur ein Schritt in die richtige Richtung. Hier muss man sicherlich noch konsequenter werden, indem man tatsächlich nur die infizierten Personen aus der Schule holt und die Nichtinfizierten dort belässt und unter Umständen dann testet, beispielsweise mit Pool-Testen oder ähnlichem. Insofern wirklich die Schulzeit maximieren und die Zeit, die die Kinder nicht in die Schule gehen können, minimieren.  

Kinder und Jugendliche haben unter der Corona-Pandemie besonders gelitten und müssen besser unterstützt werden. Das ist das Ergebnis des Berichts einer Arbeitsgruppe von Bundesfamilien- und Gesundheitsministerium.

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ZDF: Sie haben eben gesagt, dass das Virus selbst nicht so eine große Gefahr sei wie die Schließungen. Was halten Sie Eltern entgegen, die besorgt sind, dass sich ihre Kinder, gerade die Unter-Zwölfjährigen, die sich nicht impfen lassen können, infizieren?  

Maske: Die Sorge ist natürlich berechtigt. Natürlich kann in sehr seltenen Fällen Corona auch mal schwere Verläufe machen bei Kindern und Jugendlichen. Aber das ist wirklich sehr selten. Und wir sehen durch die Lockdown-Maßnahmen viel mehr Probleme. Wir sehen auch die soziale Schere wieder deutlich auseinandergehen. Natürlich sind die Kinder, die sowieso schlecht aufgestellt sind, weil sie keine Eltern haben, die ihnen das gut erklären können, was eigentlich in der Schule laufen soll, natürlich wieder benachteiligt. 

Damit haben wir noch jahrelang zu kämpfen. Hierfür brauchen wir wirklich viel Kraft und auch Mittel, um dagegen dann vorgehen zu können.  

Die Schäden, die wir jetzt sehen, also Adipositas und auch die psychiatrischen Schäden, das ist nichts, was vorbei ist, wenn die Pandemie vorbei ist.
Jakob Maske, Kinderärzte-Verband

Zuerst ein Lolli-Test, dann gibt es einen echten Lolli hinterher. Um frühzeitig Corona-Infektionen zu erkennen, wollen immer mehr Kitas die Tests regelmäßig durchführen. So können umso mehr Kinder vor einer Infektion geschützt werden.

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ZDF: Die Familienministerin fordert mehr Therapieplätze - nur waren die doch vor der Pandemie eigentlich schon relativ begrenzt verfügbar. Wie stellt sich das aus Ihrer Sicht dar? 

Maske: Das ist natürlich erstmal schön gesagt. Aber Therapieplätze brauchen auch Menschen dahinter, die das machen und die Therapien durchführen. Die fallen ja nicht vom Himmel, die  müssen erst ausgebildet werden. Hier muss man sicherlich ansetzen. Auch bei den Medizinern muss es für die Ausbildung mehr Plätze geben und auch für Therapeuten. Das ist sicherlich ein Punkt, wo man ansetzen muss. Aber auch das wird jahrelang dauern.  

ZDF: Jetzt ist die 2G-Regelung vielerorts im Gespräch. Das gilt natürlich nicht für Kinder unter zwölf, die sich nicht impfen lassen können. Sie sind für die Impfung der Kinder ab zwölf Jahren?   

Maske: Selbstverständlich, wir empfehlen die Impfungen ab zwölf Jahren. Aber natürlich ist gerade die 2G-Regelung wieder eine Ungerechtigkeit gegenüber Kindern, wenn Kinder von dieser Regel nicht ausgenommen werden, wie es in manchen Bundesländern leider der Fall ist. Also Kinder müssen hier ganz klar ausgenommen werden.

Sie haben in den letzten anderthalb Jahren genug geleistet für die älteren Generationen. Sie haben zurückgesteckt, damit diese Generationen nicht schwer krank werden oder sogar sterben. Jetzt müssen wir den Kindern und Jugendlichen etwas zurückgeben. Wir müssen uns bedanken für diese Bereitschaft. 

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