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Corona: Wieder unbesorgt in See stechen?

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Neustart in der Kreuzfahrt - Corona: Wieder unbesorgt in See stechen?

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Die Kreuzfahrtbranche präsentiert Schiffsreisen mit umfangreichen Schutzmaßnahmen. Wie praxistauglich ist dieses Vorhaben? Ein Virologe und ein Tourismusforscher beziehen Stellung.

Bis die Corona-Pandemie diese in die Häfen zwang, schipperten rund 300 Kreuzfahrtschiffe über die Weltmeere. Nun starten einige wieder – mit besonders geschultem Personal. Geht das: Geld verdienen, mit halbvollen Schiffen und aufwendigen …

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Die Welt zu Wasser entdecken - 30 Millionen Urlauber haben sich 2019 auf eine Kreuzfahrt begeben. Wie viele andere Wirtschaftszweige hat auch die Kreuzfahrtbranche einen Stillstand durch Corona erlebt.

Abstand, Einbahnstraßen und Tests

Jetzt werden die Weichen für einen Neustart gestellt: Die Branche hat mit Behörden Leitsätze für eine Wiederaufnahme des Betriebs unter Beachtung von Präventions- und Hygienemaßnahmen erarbeitet.

So sollen laut Cruise Lines International Association (Clia), dem größten Verband der Kreuzfahrtindustrie, auf den Schiffen nicht nur Abstandsregeln gelten, sondern auch Wegeleitsysteme an Bord. Zusätzlich soll medizinische Ausrüstung, zu der auch Covid-19-Schnelltests gehören, sicheres Reisen ermöglichen.

"Es gibt keine Schnellteste im Augenblick", stellt Bodo Plachter, Virologe an der Universitätsmedizin Mainz, klar. Er gibt zu bedenken, dass ein Test nur eine Momentaufnahme darstelle:

Wenn ich ihn heute teste, kann der Passagier auf dem Schiff übermorgen positiv sein.
Bodo Plachter, Virologe an der Universitätsmedizin Mainz

Eine falsche Sicherheit werde vermittelt. "Und wenn wir die verfügbaren Teste ungezielt einzusetzen, dann könnte es zu Engpässen in der Krankenversorgung kommen", so Plachter. Er empfiehlt daher ein Symptom-bezogenes Testen: "So könnte man infizierte Personen auf dem Schiff schnell identifizieren".

Rhein statt Costa Brava, Spessart statt Spanien. Wer auf Nummer sicher gehen will, verbringt den Urlaub 2020 in Deutschland. Die Reisebranche vermeldet Rekordanfragen und erwartet einen Boom.

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Besondere Vorsicht im Schiff

"Jeder Abstand von 1,5 Metern und mehr ist gut", erklärt der Virologe. Vor allem im Schiffsinneren. Auf Deck, wo Wind weht, sei es weniger problematisch. Wichtig sei laut Plachter ein Mund-Nasen-Schutz, wann immer möglich. "Vor allem im Innenbereich des Schiffes", fügt er hinzu.

Fraglich ist für ihn, wie gut die Passagieren die Regeln annehmen: "Es ist Urlaub und man möchte vielleicht keine Masken tragen – das wäre ein Problem". Plachter ist vorsichtig optimistisch:

Wenn die Regelungen eingehalten werden, sollten Schiffsreisen möglich sein.

Reedereien hätten vor Corona unter anderem durch das Norovirus viel gelernt, deshalb "kann man davon ausgehen, dass sie das alles im Sinne der Gesundheit in den Griff bekommen". 

Kreuzfahrt ohne Landgang

Geplant sind Reisen ab Hamburg, Rostock, Kiel und Bremerhaven mit deutlich weniger Passagieren. Nach maximal sieben Tagen sollen die Schiffe - ohne Anlaufen eines weiteren Hafens und ohne Landgang - wieder am Start ankommen. Das Angebot richtet sich an Urlauber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

"Ich denke, es ist eine Möglichkeit, um wieder ins Geschäft einsteigen zu können", erklärt Torten Kirstges, Tourismusforscher und Professor an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven. Es sei ein Konzept, das auch Touristen gut finden werden. Es gebe Kreuzfahrer, für die das Schiff die eigentliche Destination sei.

Ein riesiger Markt ist das laut Kirstges nicht. "Für die meisten Kreuzfahrer fehlt ohne Landgang was, das wird man nicht lange vorenthalten können", ist sich der Tourismusforscher sicher.

Nach monatelanger Zwangspause legt in Hamburg erstmals wieder ein großes Kreuzfahrtschiff ab. Wegen der Corona-Krise hat die Kreuzfahrt-Branche Milliardenverluste gemacht.

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Frage der Rentabilität

Für ihn stellen die geringen Passagierzahlen ein wirtschaftliches Problem dar: "Es braucht gewisse Auslastung, damit man über den Punkt kommt, ab dem die Fixkosten getragen werden und etwas übrig bleibt". Bei einer Auslastung von bis zu 60 Prozent ist das nicht möglich, es sei denn, man würde die Preise erhöhen. "Aber das wird von den Kunden nicht toleriert werden und sie würden die Kreuzfahrt meiden", fügt Kirstges hinzu.

Auch wenn man durch geringere Auslastung das Risiko herunterschraubt, bleibt laut Kirstges ein gewisses Risiko. "Es gibt Bereiche auf dem Schiff, am Pool oder in den Bars, die Engpässe waren und auch unter geringerer Auslastung Engpässe bleiben."

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