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Gesundheitssystem: Warten auf die große Welle

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Corona-Pandemie - Gesundheitssystem: Warten auf die große Welle

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Kliniken und Praxen stellen sich auf den Corona-Ansturm ein - doch Ärzte und Pfleger üben Kritik an der staatlichen Krisen-Organisation. Viele fühlen sich allein gelassen.

Deutschland ist verunsichert. Die Angst vor Corona dominiert den Alltag - Schulen sind geschlossen, Unternehmen machen zu oder sind in Kurzarbeit, Kliniken bereiten sich vor.

Beitragslänge:
29 min
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Möglichst langsam soll sich das Coronavirus ausbreiten. Das stellt Deutschlands Mediziner aber vor erhebliche Herausforderungen: Arztpraxen schlagen Alarm, häusliche Pflegedienste fordern Notfalldienste. Und Kliniken bündeln ihre Kräfte, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Wie lange kann das noch gut gehen?

Internistin: "Wir werden verheizt"

Ilka Enger fühlt sich von der Politik, vom Gesundheitssystem im Stich gelassen. "Wir werden verheizt", sagt sie. Die Internistin hat damit begonnen, Routineuntersuchungen ihrer chronisch kranken Patienten, meist Diabetiker, zu verschieben.

  • Ilka Enger - Internistin aus Neutraubling

    Internistin, selbstständig

"Damit sie nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen müssen oder in meiner Praxis Infektionsgefahren ausgesetzt sind", so die Ärztin. Doch sie weiß genau: Der Preis ist hoch. "Das wird die nächsten Wochen ein ordentlicher Verdienstausfall, den mir keiner ersetzen wird."

Reizhusten und Heiserkeit: Sollen Ärzte trotzdem Dienst machen?

Seit dem Wochenende hat Enger plötzlich selbst mit Heiserkeit oder leichtem Reizhusten zu tun. "Sofort habe ich die Kassenärztliche Vereinigung angerufen und gefragt, ob ich mich trotzdem in den Dienst begeben soll", erzählt sie. Enger wurde mit einem "Pandemie-Arzt" verbunden, der sie kurzerhand in den Fahrdienst steckte, da sie dort ja ohnehin einen Mundschutz trage. Ausgestattet wurde sie mit einem nach eigenen Aussagen "hauchdünnen Flieskittel, der schon beim Reinschlüpfen an mehreren Stellen gerissen ist", einer FFP2-Maske, dafür aber ohne Schutzbrille. Für Enger ist klar:

Es gab zu keinem Zeitpunkt eine Trennung zwischen regulärer Krankenversorgung und Corona-Management.
Ilka Enger, selbständige Internistin

DRK-Klinikum: Im Telefon-Stress wegen Corona

Im DRK-Klinikum in Alzey ist der Ansturm bisher vor allem am Telefon spürbar. Denn das Krankenhaus ist für den Normalbetrieb seit dieser Woche abgeriegelt. Eine Sicherheitsschleuse versperrt den Eingang und ein Mitarbeiter prüft genau, wer in die Ambulanz gelassen wird und wer nicht.

  • Michael Nordhoff

    Kaufmännischer Direktor DRK Krankenhaus Alzey (Rheinland-Pfalz)

"Wenn die Patienten leicht erkrankt sind oder einen Verdacht auf einen Infekt haben, schicken wir sie nach Hause, um dort über den Hausarzt oder die ambulanten Dienste einen Coronatest zu machen", so Michael Nordhoff, Kaufmännischer Direktor des DRK Krankenhauses. Ins Krankenhaus selbst dürfen derzeit nur schwere Fälle.

Ansonsten seien die Vorbereitungen für die Corona-Notfallversorgung soweit abgeschlossen, erzählt Nordhoff weiter. "Wir haben eine kleine Isolierstation mit 18 Betten eingerichtet. Die Patienten, die bis dahin dort lagen, sind auf andere Stationen verteilt worden. Wir sind ein kleines Krankenhaus der Grund - und Regelversorgung und wir verfügen über keine besondere Isoliereinheit, wie Spezialkliniken oder Unikliniken sie haben."

Unsicherheit als größtes Problem

Bei Monika Thurner, Krankenschwester und Leiterin eines Pflegedienstes am Ammersee ist es noch vergleichsweise ruhig. "Was uns Arbeit macht, ist die Unsicherheit bei meinen Mitarbeitern und bei den Patienten." Ihre 120 Patienten gehören zur Corona-Risikogruppe – aufgrund des hohen Alters oder einer Erkrankung.

  • Monika Thurner

    Pflegedienstleiterin

Thurner handelt derzeit weitgehend in Eigenregie, schult ihr Personal, führt viele Gespräche und schützt einen Teil ihrer Patienten vor unnötigen Besuchern.

In der Grundpflege kann man keine zwei Meter Abstand halten, aber man hält sich an die Hygieneregeln.
Monika Thurner, Krankenschwester

Spätestens, als Bayern den Katastrophenfall ausgerufen hat, hätte sich die Krankenschwester Informationen von öffentlicher Seite gewünscht. Doch Thurner sagt: Weder das Gesundheitsamt noch das Bundesgesundheitsministerium habe bisher irgendwelche Meldungen herausgegeben.

Sie wundere sich derzeit jeden Tag aufs Neue, dass "nichts passiert". Informationen erhalte die Pflegedienstleiterin über die Medien oder den Berufsverband, dessen Arbeit sie sehr schätzt. In Diagrammen klärt der Berufsverband derzeit auf, wie Pflegekräfte im Ernstfall reagieren sollen und welche Schutzmaßnahmen sie brauchen. Ob Arztpraxis, Pflegedienst oder Krankenhaus – sie alle bereiten sich weiter auf den Ansturm vor.

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