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Wenn das Geld für Essen nicht reicht

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Sorge um wachsende Kinderarmut - Wenn das Geld für Essen nicht reicht

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Die Corona-Krise trifft arme Kinder besonders hart, warnen Sozialverbände. Wie eine Einrichtung versucht zu helfen - und warum das nicht reicht.

kind isst trockene nudeln

Seit sieben Wochen hat der D-Hof, eine Kinder- und Jugendeinrichtung in Aachen, wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Trotzdem ist dort seitdem viel passiert.

Aus Sorge um das Wohl der Kinder und Jugendlichen, die hier sonst täglich in der Ganztagsbetreuung sind oder ihre Freizeit verbringen, sind kreative Ideen gewachsen: Videochats, Rätsel und Bastelideen via Social-Media, Pakete mit Lernmaterialien und Spielen, die sich Familien abholen können.

Oberstes Ziel: Kontakt halten

Zu Beginn der Krise war das Ziel des Teams, den Kontakt zu den Familien im Stadtteil aufrecht zu erhalten. Die Sozialarbeiter hatten Sorge, dass den Kindern langweilig wird, sie alleine ihre Schulaufgaben nicht bewältigen können oder es in der Familie kracht. Nun stellen sie fest: Es fehlt an noch existenziellerer Versorgung.

Anfang April haben wir mit dem D-Hof über die Probleme gesprochen, die Kinder und ihre Familien jetzt haben. Nun wollten wir wissen: Was hat sich seitdem getan? Den ersten Bericht finden Sie hier:

Kind sitzt am Fenster

Kindeswohl in Gefahr -
Wenn Zuhause kein sicherer Ort ist
 

Sozialarbeiter schlagen Alarm. In der Corona-Krise sorgen sie sich um das Wohl besonders schutzbedürftiger Kinder. Trotzdem versuchen sie für sie da zu sein.

von Luisa Houben

"Die Not bei den Familien und Kindern in unserem Stadtteil ist groß und wächst täglich," sagt Sandra Jansen, die Leiterin der Einrichtung.

'Schamgefühl'  kann sich hier kaum noch einer 'leisten', täglich kommen mehr Menschen und holen sich Lebensmittel bei uns ab, fragen nach Kinderkleidung oder Putzmitteln.
Sandra Jansen, D-Hof in Aachen

Kochtüten mit Lebensmitteln und Rezept

Kochtüte: Rezept und Lebensmittel
Der Inhalt einer Kochtüte, die der D-Hof verteilt.
Quelle: D-Hof/Aachen

Die Sozialarbeiter der Einrichtung verteilen deswegen seit zwei Wochen nun auch Kochtüten: jeden Tag neue Zutaten und das passende Rezept für Lasagne, Pfannkuchen oder Brokkolicremesuppe.

Am ersten Montag starteten sie mit 35 Stück. Es kamen so viele Kinder und Eltern, dass sie nicht allen eine geben konnten. Ab kommender Woche werden sie täglich 80 Kochtüten vorbereiten.

In dem Aachener Stadtteil Driescher Hof liegt die Kinderarmutsquote bei 43 Prozent. Viele der Familien leben von Hartz-IV, deutschlandweit sind es 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen null und 15 Jahren.

Familien fehlt das Geld

Die Corona-Krise trifft diese Kinder besonders hart. Es fehlen die Orte, an denen sie ihre Zeit verbringen können. An denen sie lernen können. An denen sie Gemeinschaft erleben. Und nicht nur das: Es fehlt ein gesundes Frühstück oder warmes Mittagessen.

Familien, die von Hartz-IV leben, können nicht auffangen, was in der Krise weg fällt.
Gerda Holz, Politikwissenschaftlerin

"Familien, die von Hartz-IV leben, können nicht auffangen, was in der Krise wegfällt", sagt Gerda Holz. Die Sozialarbeiterin und Politikwissenschaftlerin arbeitet am "Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik" (ISS). In einem aktuellen Statement des ISS wird Sofort-Hilfe für die Familien gefordert. Auch Sozialverbände wie der Kinderschutzbund, das Deutsche Kinderhilfswerk und die Diakonie fordern in einer gemeinsamen Erklärung eine "unbürokratische Aufstockung des Regelsatzes".

Im Interview mit ZDFheute lobt Gerda Holz das Engagement von Einrichtungen wie dem D-Hof. Doch das ist in ihren Augen eine Ausnahme, es sei mehr Unterstützung seitens der Politik nötig, um in dieser Zeit für Kinder, die in Armut leben, zu sorgen.

Kochtüten dank Spenden möglich

Kochtüten: Lebensmittel und Rezept
Kochtüten mit Lebensmitteln und Rezept, damit Kinder und Eltern zuhause kochen können.
Quelle: D-Hof, Aachen

Darauf warten, dass die Politik handelt, will das Team des D-Hof nicht. "Wir können nicht, weil unsere Familien nicht warten können," sagt Sandra Jansen. Mehrere Tausend Euro braucht die Einrichtung in der Woche, um täglich 80 Kochtüten im Wert von 7,50 Euro verteilen zu können. Dank Spenden werden sie das Angebot in den nächsten Wochen weiter anbieten können.

Dass mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen, die Not geringer wird, glaubt Jansen nicht. Sie rechnet damit, dass die Familien die Kochtüten auch in den nächsten Monaten noch brauchen werden.

Der Autorin auf Twitter folgen: @frauhou

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