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Wenn Zuhause kein sicherer Ort ist

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Kindeswohl in Gefahr - Wenn Zuhause kein sicherer Ort ist

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Sozialarbeiter schlagen Alarm. In der Corona-Krise sorgen sie sich um das Wohl besonders schutzbedürftiger Kinder. Trotz und gerade deswegen versuchen sie für sie da zu sein.

Kind sitzt am Fenster
Für viele Kinder ist Corona-Krise doppelt schlimm
Quelle: imago

Zuhause bleiben, lautet der Appell. Nur, wenn jeder so wenig wie möglich mit anderen Menschen in Kontakt kommt, kann die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt werden. Eine Schutzmaßnahme in Zeiten der Krise.

Aber: "Es ist eine Zeit, in der junge Menschen ganz besonders schutzlos sind. Nämlich dann, wenn ihr Zuhause kein sicherer Ort ist", sagt Sandra Jansen, Leiterin des D-Hof, einem Kinder- und Jugendzentrum in Aachen.

Die Sozialpädagogin macht sich Sorgen. "Alle, die mit Kindern Zuhause sind, die wissen, wie herausfordernd die aktuelle Situation ist. Ganz besonders schwierig ist sie aber für benachteiligte Familien, die von Armut betroffen sind, die in sehr beengten Wohnverhältnissen wohnen, die keinen Garten haben."

Alle müssen Zuhause bleiben: Für manche Kinder kann das Gewalt und Vernachlässigung bedeuten, befürchten Sozialarbeiter. Fast alle sozialen Angebote mussten eingestellt werden. Die Gewalt wird zunehmen, zeigen bereits Zahlen aus anderen Ländern.

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Das zweite Zuhause hat zu

Der D-Hof liegt im Aachener Stadtteil Driescherhof, die Kinderarmutsquote liegt hier bei 43 Prozent. Viele der Jungen und Mädchen haben nur wenige eigene Spielsachen, vielleicht kein eigenes Kinderzimmer. Ihre Eltern können ihnen beim Lernen nicht helfen.

All das fängt das Angebot der Einrichtung auf: Hausaufgabenbetreuung, Sport machen, musizieren und mit Freunden zocken, ein warmes Mittagessen. Ansprechpartner bei Problemen in der Schule oder der Familie.

Normalerweise. In Zeiten der Corona-Krise ist dieser Zufluchtsort geschlossen.

Wir stehen als zweites Zuhause nicht zur Verfügung.
Sandra Jansen, Leiterin des D-Hof in Aachen

Obwohl es jetzt gerade dringend gebraucht wird.

Erhöhtes Risiko für häusliche Gewalt

Mit Blick auf die Corona-Krise und die Ausgangsbeschränkungen vielerorts warnte die Generalsekretärin des Europarats, Marija Pejcinovic, vor einem Anstieg häuslicher Gewalt.

Familienministerin Giffey: Die soziale Isolation könne zu einem Anstieg häuslicher Gewalt führen.

Familienministerin Giffey warnt vor den Folgen der Coronakrise: Die soziale Isolation könnte zu einem Anstieg häuslicher Gewalt führen – insbesondere Frauen und Kinder seien gefährdet.

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Sorge um das Kindeswohl äußern auch rund 100 Hochschullehrende der Bereiche Soziale Arbeit und Pädagogik in einem Brief an die Öffentlichkeit. Sie fordern "mehr Kinderschutz in der Corona-Krise." Sie fürchten, dass die Kontaktbeschränkungen dazu führen, dass besonders schutzbedürftige Kinder in Gefahr sind. Weil sie keine vertrauensvollen Ansprechpartner und Schutz haben.

"Es ist wie in den Ferien", berichtet Marita Schmitz vom Jugendamt des Kreises Düren (NRW). Aktuell gingen weniger Meldungen ein.

Die Krise könnte tiefe Wunden hinterlassen:

Das Kinderhaus Bolle ist für bedürftige Kinder normalerweise ein Zufluchtsort.

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Schulen, Kitas oder Jugendzentren, die das Jugendamt sonst häufig alarmieren, haben geschlossen. Diese bekommen gerade eher nicht mit, wenn sich ein Kind auffällig verhält, blaue Flecken hat oder mal ein paar Tage unentschuldigt fehlt. Was jetzt in Familien passiert, bleibt eher im Verborgenen.

"Nur weil wir nichts hören, heißt das nicht, dass es keine Vorfälle gibt", sagt Schmitz. Es vergehe häufig viel Zeit bis diese bekannt werden. Erst in ein paar Wochen könne sie beurteilen, wie sich die Isolation auf Familien ausgewirkt.

Appell: Kinder schützen

"Je länger die Krise andauert und sich Konflikte anstauen, desto größer ist die Gefahr, dass es eskaliert," sagt Schmitz. Deswegen appelliert sie an Nachbarn, Verwandte und Freunde: "Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig anrufen." Wer das Amt verständige, leiste Erste Hilfe.

Trotz und gerade wegen der Krise müssen wir aktiv bleiben und uns um das Wohl von Kindern sorgen.
Marita Schmitz, Jugendamt

Das Jugendamt des Kreis Düren hat deswegen Maßnahmen getroffen, um die Arbeit aufrecht zu erhalten. Beratungsgespräche und Familenbesuche finden statt - persönlich mit dem gebotenen Abstand, mal draußen statt in der Wohnung oder telefonisch.

Kontakt halten während der Kontaktsperre

Das Team des D-Hofs hat sein Angebot in der Krise neu erfunden. Familien können sich Bücher und Spiele nun vor der Tür abholen, bei Facebook und Instagram gibt es Rätsel und Rezeptvorschläge. Zu Ostern werden besondere Päckchen gepackt.

Per Notfallnummer sind die Betreuer für Kinder und Erwachsene erreichbar. Sie wollen Kontakt halten. "Ich bin wirklich zutiefst davon überzeugt, dass aktuell alle Familien ihr Bestmöglichstes geben, um diese Zeit gut für ihre Kinder zu gestalten", sagt Jansen. "Und ich hoffe einfach, dass die Familien, die an ihre Grenzen kommen, sich Hilfe holen."

Der Autorin bei Twitter folgen: @frauhou

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