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Klinik-Direktor zu Corona-Stress - "Brauchen jede Krankenschwester, jeden Arzt"

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Krankenhäuser rüsten auf für den Corona-Ansturm und sind gleichzeitig als Wirtschaftsbetriebe von der Insolvenz bedroht. Ein Klinik-Direktor erklärt die Schwierigkeiten.

Heute.de: Wie hat sich die Situation bei Ihnen im Krankenhaus seit Corona verändert?

Michael Nordhoff: Menschen kommen zu uns fußläufig in die Ambulanz. Seit Montag dieser Woche ist das Krankenhaus abgeriegelt, also für den normalen Besucherbetrieb geschlossen. Derzeit nehmen wir stationär nur Patienten auf, die aufgrund ihres Alters oder anderer gesundheitlicher Faktoren Risikopatienten sind.

heute.de: Das heißt, junge Menschen, die Symptome aufweisen, werden derzeit zurückgeschickt?"

Nordhoff: Ganz wichtig ist, dass wir diese Maßnahmen strikt einhalten. Ansonsten würden alle Krankenhäuser in Deutschland in kürzester Zeit mit nicht zwingend stationär behandlungsbedürftigen Patienten geflutet. Und die Patienten, die wirklich Hilfe brauchen, die bekommen keine mehr, weil die Kapazitäten erschöpft sind.

heute.de: Wie viele verunsicherte Bürger rufen bei Ihnen täglich an?

Nordhoff: Das kann ich gar nicht genau sagen. Es sind Massen von Patienten, die sich hier melden. Die rufen über alle Telefonnummern an, die in öffentlichen Medien über uns zugänglich sind. Das sind teilweise Durchwahlnummern in die Ambulanz, in alle Himmelsrichtungen, in die Sekretariate der Chefärzte, in den Empfang. Es gehen hier täglich Dutzende Anrufe ein von besorgten Bürgern. Das allermeiste – auch, weil es der richtige Weg ist – reichen wir an den Hausarzt oder an die 116117 weiter. Die Anfragen sind massenhaft.

heute.de: Inwieweit werden Ihre Mitarbeiter durch die Notkinderbetreuung entlastet?

Nordhoff: Das läuft hier im Moment noch schleppend an. Wir brauchen natürlich jede Krankenschwester, jeden Arzt uneingeschränkt zur Verfügung. Es kann nicht sein, dass ein Mitarbeiter aus diesen Berufen zu Hause bleiben muss, weil das Kind nicht betreut werden kann.

Meine Bitte an die Behörden: Wir brauchen hier Mitarbeiter, die den Kopf frei haben und wissen, ihre Kinder sind gut versorgt. Versorgungsprogramme von acht bis zwölf Uhr bringen auch nichts, denn wir haben einen Betrieb aufrecht zu halten. Der läuft rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.

heute.de: Fühlen Sie sich von der Politik gut an die Hand genommen?

Nordhoff: Es läuft alles an. Für die Krankenhäuser wird entscheidend sein, wenn sie das operative Geschäft einstellen, wann sie in die Insolvenz laufen. Nämlich spätestens nach sechs Wochen. Ohne Erlöse bei gleichen Fixposten, wir entlassen ja keine Mitarbeiter und das ist hoffentlich auch nicht die Erwartung, dass wir Krankenschwestern oder Ärzte entlassen.

Das Interview führte Julia Lösch

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