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Pandemie der Wörter - Corona bringt 1.000 neue Wortbildungen hervor

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"Abstandsgebot" und "Aluhut": Die Corona-Krise hat schnell unsere Sprache infiziert und uns zu zahlreichen Wortneuschöpfungen angesteckt. Das Leibniz-Institut hat sie gesammelt.

Archiv, Bayern, Nürnberg: Zwei Packungen Toilettenpapier stecken in einem Fahrradkorb.
Hamsteritis und Klopapierhysterie: Zwei Wörter aus dem ersten Corona-Lockdown.
Quelle: dpa

Kein anderes Thema hat den Wortschatz 2020 so stark geprägt wie die Corona-Krise. Zu diesem Schluss kommt das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim. Das Institut hat am Montag die aktuellen Ergänzungen im Wortschatz präsentiert. Wie in vielen Bereichen sticht die Pandemie auch in der Sprache des nun endenden Jahres hervor.

Sprache - ein Spiegel der Politik

Etwa 1.000 neue Wörter und Wortverbindungen zu Corona hat das IDS in diesem Jahr demnach gesammelt. Auch Abstandsgebot, Aluhut und zweite Welle landeten neu in der Sammlung.

Neben der Pandemie fanden auch andere Begriffe aus der Politik Eingang in das Wortschatz-Verzeichnis der Sprachforscher. Brexiteer und Remainer finden sich dort nun ebenso wie Reichsbürger und der Pegidist.

Grafik: Corona-Wörter
Quelle: Leibniz-Institut für Deutsche Sprache

Radikalisierung zeigt sich in der Sprache

Aus Sicht der Sprachwissenschaftlerin Heidrun Kämper vom IDS ist 2020 zwar aufgrund der Pandemie und der damit verbundenen gesellschaftlichen Folgen ein besonderes Jahr. Aber wie die Leiterin des Arbeitsbereichs Sprachliche Umbrüche im Institut weiterhin sagt, nehmen auch Themenfelder wie etwa die Bedrohung der Demokratie oder der Klimawandel einen besonderen Rang ein.

"Blickt man auf Begriffe, die das Jahr - aber auch schon die Vorjahre geprägt haben -, stellt man fest, dass es in politischer Hinsicht zu einer Radikalisierung gekommen ist", sagt die Professorin.

Wort des Jahres 2020 - Corona Pandemie

Deutsche Sprache - "Corona-Pandemie" ist Wort des Jahres 2020 

Der Begriff "Corona-Pandemie" ist das Wort des Jahres 2020. Auch Worte wie Lockdown oder Verschwörungserzählung haben die Sprache in diesem Jahr stark geprägt.

Immer mehr Klima-Wörter

Auf der anderen Seite deuteten etwa Wörter zum Klimawandel darauf hin, dass dieses Problem zunehmend in der Gesellschaft angekommen ist und als konkrete Bedrohung wahrgenommen wird.

Begriffe zeigen indes nicht nur, dass sich die Gesellschaft mit bestimmten Phänomenen und Konflikten herumschlägt, sagt der Münchner Soziologe Armin Nassehi. "Es ist ja auch eine wichtige Funktion von Begriffen, dass sie komplizierte Sachverhalte auf einen Nenner bringen können", sagt er.

"Aluhut": Jeder weiß, was gemeint ist

Das funktioniere interessanterweise auch mit Ironie. So habe sich etwa der Begriff Aluhut für Menschen durchgesetzt, die Verschwörungstheorien anhängen. Ein schönes Beispiel dafür sei auch der Begriff "digital entgiften", der wegen möglicher schädlicher Folgen bei der Nutzung sozialer Medien erstmals vom IDS in das Wörterbuch aufgenommen wurde.

"Für ein bestimmtes Problem bietet sich damit eine Bezeichnung an, die von vielen Menschen sofort verstanden wird", sagt der Professor.

Lockdown, Covidioten, Corona-Krise - die Pandemie verändert unsere Sprache.

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4 min
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Neue Mobilität, neue Wörter

Aus einem ganz anderen Themenbereich ist neuerdings der Begriff des Gravelbikes in der Sammlung zu finden. Damit ist eine Gattung von geländefähigeren Rennrädern gemeint, die zuletzt starke Abnahme fand. Auch die Pop-up-Radwege und die Autoposer lassen sich nun im Wörterbuch der Neologismen nachschlagen - genauso wie die Mobilitätsstation.

Der vielleicht nicht jedem geläufige Begriff bezeichnet demnach Einrichtungen im öffentlichen Raum, an denen man von privaten auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen oder zum Beispiel auch E-Bikes oder Carsharing-Autos ausleihen kann.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

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