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Globale Virusüberwachung - Wie Sars-CoV-2 kontrolliert werden könnte

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Das Coronavirus wird nicht so schnell verschwinden. Um es trotzdem in den Griff zu bekommen, braucht es eine globale Überwachung. Ein Überblick, worauf es dabei ankommt.

Im Labor werden positive Proben auf die Virus-Varianten untersucht.
Quelle: dpa

Zu Beginn der Corona-Krise gab es die stete Hoffnung, man könne die Pandemie irgendwie beenden. "Flatten the curve", also "haltet die Kurve flach" war das Credo der ersten Wochen. Später wurde als großes Ziel die Herdenimmunität durch eine ausreichende Zahl von Geimpften angestrebt. Doch spätestens seit diesem Frühjahr war den meisten klar: "Das Virus wird bleiben". So hatte es Gesundheitsminister Jens Spahn bei einer Pressekonferenz Mitte Mai erklärt.

Inzwischen geht die Wissenschaft davon aus, dass Sars-CoV-2 bleiben wird. Immer neue Mutanten wie die in Indien entstandene Delta-Variante zeugen davon. Die Zeitschrift "Foreign Affairs" nannte Sars-CoV-2 sogar vor Kurzem "The Forever Virus", also "das ewige Virus".

Virus-Überwachung wird Schlüsselaufgabe

Eine wichtige Aufgabe für die Wissenschaft und die Behörden wird es künftig sein, Sars-CoV-2 mit all seinen bekannten und neu auftretenden Varianten auch bei niederschwelligen Inzidenzwerten langfristig regelmäßig zu überwachen und die Verbreitung in der Bevölkerung zu erfassen.

Um immer dann schnell reagieren zu können, falls sich erneut ein wachsendes Infektionsgeschehen abzeichnet, das verschärfte Maßnahmen erforderlich macht - oder aber sich die Eigenschaften des Virus derart verändern, dass Impfstoffe angepasst werden müssen wie bei den jährlichen Influenza-Impfungen.

In Großbritannien breitet die Delta-Variante sich schnell aus, doch wie sieht es in Deutschland aus? Wie viele Sorgen muss die Bevölkerung sich machen?

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Je früher ein Ausbruch neuer Varianten von Coronaviren erkannt würde, desto höher wäre die Wahrscheinlichkeit, deren Verbreitung schnell eindämmen zu können. Doch sind wir global und national dafür überhaupt gut aufgestellt? Ein Überblick über die Möglichkeiten:

Welche Strukturen sind nötig, um Sars-CoV-2 und dessen Varianten zu überwachen?

Eine globale Virusüberwachung wird schon seit vielen Jahren bei Influenzaviren gemacht: Verschiedene Wissenschaftsdisziplinen beobachten weltweit das Grippevirus, um Vorhersagen über sein Auftreten und geeignete Präventionsmaßnahmen zu treffen - etwa wie der Grippe-Impfstoff angepasst werden muss, um in der kommenden Saison eine gute Schutzwirkung zu haben.

Das Influenza-Überwachungssystem kann tatsächlich ein Vorbild sein. Hier besteht seit Jahren ein globales Netzwerk, das Influenzaviren sammelt und Inzidenzen misst.
Prof. Dr. Richard Neher, Universität Basel

Die Überwachung der Erbgutsequenz und neu auftretenden Mutationen von Sars-CoV-2 funktioniere mittlerweile in Europa sehr gut, so Dr. Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel. Bei der Charakterisierung der Varianten und der Risikobewertung wäre aber mehr internationale Koordination sinnvoll.

Ähnlich sieht es auch Dr. Isabella Eckerle, Leiterin der Forschungsgruppe emerging viruses in der Abteilung für Infektionskrankheiten an der Universität Genf:

Da es sich um ein globales Problem handelt, braucht diese Art der Überwachung eine internationale Struktur.
Dr. Isabella Eckerle, Universität Genf

Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen müssten dabei genauso miterfasst werden wie Industrienationen.

Das Global Influenza Surveillance and Response System (GISRS) der WHO bietet zwar die dringend benötigte Überwachungsabdeckung, hat aber nur begrenzte Zugriff auf klinische Daten von Patienten. Hinzu kommt: Die globalen krankenhausbasierten Analysenetzwerke und die Labore, haben in den vergangenen Jahren immer weniger Geld bekommen.

Was muss überwacht werden?

"Inzidenzen werden ein wichtiger Parameter bleiben. Sie sind ein guter Indikator für das Infektionsgeschehen", erklärt Dr. Neher. In Zukunft sollte der Fokus aber ebenso weiterhin auf der Genomsequenzierungen liegen. Diese koste nicht viel und helfe sehr bei der Charakterisierung der grassierenden Virusvarianten.

Auch werden regionale Hotspots wieder mehr in den Fokus rücken, gerade dort wo erst wenige Menschen geimpft sind und das Virus weiterhin in einer teil-immunen Bevölkerung zirkuliert.

Dies kann ganze Länder umfassen, die benachteiligten Zugang zu Impfstoff haben, oder aber bestimmte Bevölkerungsgruppen, die die Impfung aus den verschiedensten Gründen ablehnen.
Dr. Isabella Eckerle, Universität Genf

Auch hier kommt wieder den Ländern mit niedrigen Einkommen eine besondere Rolle zu, da Sie - im Gegensatz zu den meisten westlichen Staaten - bisher keinen Zugang zu ausreichend Impfstoff haben.

Was muss mit den Erkenntnissen gemacht werden?

Auf dem G7-Gipfel im Cornwall regten die Staats- und Regierungschefs an, die kollektive Abwehr von Bedrohungen der globalen Gesundheit voranzutreiben. Man sei sich bewusst, dass die Menschheit noch einen langen Weg vor sich habe, um die Risiken von neuen Sars-CoV-2-Varianten zu bewältigen, heißt es in der Abschlusserklärung

Die zentrale Säule im Kampf gegen die Pandemie ist weiter die Impfkampagne:

Die beste Strategie, um die Entwicklung von bedenklichen Varianten zu reduzieren, ist ganz klar die schnelle Immunisierung eines großen Teils der Bevölkerung.
Prof. Dr. Annelies Wilder-Smith, London School of Hygiene and Tropical Medicine

Lokale Ausbrüche werden aber wieder zunehmen und damit auch die Rolle der Gesundheitsämter, meint Prof. Dr. Gérard Krause, Leiter der Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Deren Personalunterstützung von außen werde aber gerade abgebaut und könne auch nicht nachhaltig in dem Maße wie im vergangenen Jahr aufrechterhalten werden. Somit sei es dringend nötig, die Digitalisierung der Arbeitsprozesse schnell und nachhaltig voranzutreiben.

Auch sollten erhobene Daten zu Infektionsgeschehen weltweit öffentlich und in Echtzeit der Forschung zugänglich gemacht werden, so Kruse.

Die gute Nachricht: Bisher scheint die Veränderung des Coronavirus begrenzt

Anders als beim Grippevirus, das sich von Saison zu Saison sehr stark verändert, scheint das Sars-CoV-2-Virus nur ein begrenztes Repertoire an Mutationen zu haben, um sich besser anzupassen. Bei vielen Varianten sind unabhängig voneinander die gleichen Teile des Genoms mutiert. Wenn es zeitnah auch Impfstoffe gegen diese Varianten geben wird, könnte sich eine recht stabile Situation einstellen, in der das Auftreten von immer weiteren, neuen Varianten ausbremst wird.

Beruhigend sei auch, dass alle bisherigen Erkenntnisse darauf hindeuten, dass die Wirksamkeit gegen leichte Infektionen zwar stärker reduziert sein kann, die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen Krankenhausaufenthalte, schwere Covid-Verläufe und Tod jedoch stets hoch bleibt, selbst nach nur einer Dosis, erklärt Prof. Dr. Annelies Wilder-Smith, Professorin für neu auftretende Infektionskrankheiten:

Studien zur Wirksamkeit des Impfstoffs nach der Einführung in Großbritannien zeigten sowohl für die Alpha- als auch für die Delta-Variante einen anhaltend hohen Schutz vor Hospitalisierungen.
Prof. Dr. Annelies Wilder-Smith, London School of Hygiene and Tropical Medicine

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