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Covid-19-Pandemie - Mobile Impfkampagne im Libanon

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Corona setzt den Menschen im krisengebeutelten Libanon sehr zu. Die internationale Hilfsorganisation "Medair" bringt mit einer mobilen Impfkampagne den Impfstoff zu den Menschen.

Das Team von Medair e.V. vor dem umgebauten Impfbus.
Das Team von Medair e.V. vor dem umgebauten Impfbus im Libanon.
Quelle: Abdul Dennaoui

Der Libanon ist ein sehr instabiles Land. Und das war er bereits vor der Explosion in Beirut 2020. "Das fatale ist die Wirtschaftslage", betont Eckart Woertz, Direktor des GIGA-Instituts für Nahost-Studien. Die Währung ist mittlerweile kollabiert.

Mussten sich die Menschen im Libanon bereits früher um die einfachsten Dinge des Lebens sorgen, hat sich die Lage seit der Explosion verschärft. Es herrscht Nahrungsmittel- und Benzinknappheit.

Regierung im Libanon kämpft mit den Krisen

Laut dem Direktor für Nahost-Studien gibt es kein vergleichbar großes nationales Beschaffungsprogramm wie in Marokko, der Türkei oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. "Der Staat ist generell schwach und durch die vorherrschende Situation noch schwächer", weiß Woertz.

Die Regierung wäre daher nur bedingt in der Lage, entsprechende Impfkampagnen selbständig zu stemmen. Hinzukommt, dass die Leute dem Staat misstrauen. Sie wissen, dass sie sich um sich selbst kümmern müssen. Woertz fügt hinzu:

Wenn Sie in einem Land leben, in dem eine Dauerkrise die nächste jagt, wissen Sie, dass Sie sich auf ihre eigene Improvisationsfähigkeit verlassen müssen.
Eckart Woertz

Medair impft Menschen im Libanon kostenlos

Die Corona-Pandemie setzt den Libanon darüber hinaus noch zusätzlich unter Druck. Nur 26 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft. Dass die Impfquote so niedrig ist, hat verschiedene Gründe.

"Bislang konnten sich nur die Menschen, die ein bisschen Geld haben oder besser vernetzt sind, eine Impfung gegen Covid-19 leisten, wir sorgen dafür, dass die Impfung die Risikogruppen in entlegenen Regionen erreicht", erklärt Steffen Horstmeier, Geschäftsführer Internationale Programme von Medair e.V..

Den Impfstoff, den seine Hilfsorganisation verimpfen kann, wurde der libanesischen Regierung gespendet, die diesen Medair e.V. zur Verfügung stellt und damit kostenlose Impfungen der Bevölkerung ermöglicht.

Impfbusse erreichen die entlegenen Ortschaften

Bislang war die Hilfsorganisation im Krankenhaus in Saida im Einsatz und hat 35.000 Impfdosen von Biontech/Pfizer verimpft. "Irgendwann haben wir bemerkt, dass wir zu den Leuten raus müssen, da viele nicht zu uns zur Impfung kommen können", fügt er hinzu.

Gerade die Benzin-Knappheit macht den Menschen zu schaffen und führt dazu, dass sie kaum mobil sind. So entstand die Idee, mobile Impfteams einzusetzen.

In Zusammenarbeit mit dem libanesischen Gesundheitsministerium und mit finanzieller Unterstützung des Amts für Katastrophenschutz und humanitärer Hilfe der Europäischen Union hat die internationale Hilfsorganisation Medair e.V. mehrere Busse zu "Impfbussen", "VaxBus" genannt, umgebaut.

Der Impfbus der internationalen Hilfsorganisation Medair e.V. im Einsatz im Libanon.
Der Impfbus der internationalen Hilfsorganisation Medair e.V. im Einsatz im Libanon.
Quelle: Jaafar Hamdan

Ausgebildete Fachkräfte fahren im Bus mit

Der "VaxBus" zeichnet sich dadurch aus, dass er die für den Impfstoff von Biontech/Pfizer benötigte Kühlkette aufrechterhalten kann und mit medizinischer Ausrüstung ausgestattet ist. "Wir bringen mit dem Bus ausgebildete Krankenschwestern zu den Menschen vor Ort, damit diese sich impfen lassen können", erzählt Horstmeier.

Seit wenigen Wochen ist das medizinische Fachpersonal mittlerweile in den besonders gefährdeten Gemeinden im Bekaa-Tal, in Baalbek-Hermel, Nabatiyeh und im Südlibanon unterwegs. "Hier ist die Impfquote am geringsten", weiß der Geschäftsführer Internationale Programme.

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Impfbereitschaft ist hoch

"Die Impfbereitschaft bei den Menschen, die wir mit unserem Impfbus besuchen, ist sehr hoch", berichtet Farah Darwiche, Health Project Managerin Libanon von Medair e.V., die Teil des "VaxBus"-Teams ist. Innerhalb der ersten zwei Einsatz-Wochen konnten bereits 300 Libanesen geimpft werden.

Die Menschen seien begeistert, dass die Hilfsorganisation zu ihnen in die Dörfer kommt: "Wir sorgen dafür, dass sie ein Problem weniger haben", weiß Darwiche.

"Die Leute haben die Hoffnung verloren" - ZDF-Korrespondent Uli Gack über die Menschen im Libanon:

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Durch den Impfbus wird Impfquote erhöht

Gerade auch das Thema Aufklärung ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Impfstrategie: "Unsere lokalen Mitarbeitenden gehen von Tür zu Tür und führen Aufklärungsgespräche zur Covid-19-Prävention und wirken dadurch nicht nur Fehlinformationen über die verfügbaren Impfungen entgegen, sondern ermutigen so auch die Libanesen sich impfen zu lassen", fügt Farah Darwiche hinzu.

Der Impfbus stellt für Darwiche einen vollen Erfolg dar, denn Medair kommt seinem Ziel, die Impfquote unter den Risikogruppen zu erhöhen, schneller nach.

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