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Fußballfieber im Corona-Sommer - Die Infektionsgefahr spielt noch immer mit

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Deutschland freut sich auf den Einstieg der Nationalmannschaft in die Fußball-EM. Fans feiern in Kneipen. Wissenschaftler und Politiker warnen aber vor zu viel Ausgelassenheit.

Nordrhein-Westfalen, Köln: Josef Rayes, Betreiber des Biergartens am Aachener Weiher, stellt einen Fernsehbildschirm auf. Die Fußball-EM startet, aber die Corona-Krise ist noch nicht vorbei.
Auch Biergärten in Köln rüsten sich für das abendliche "Public Viewing" zur Fußball-EM.
Quelle: dpa

Boulevardmedien werben für die "besten Public-Viewing-Kneipen". Wirte haben Bildschirme und Leinwände aufgestellt. Alles ist bereitet für ein Fußball-Fest, wenn die deutsche Nationalmannschaft am heutigen Dienstagabend in der Münchner Arena ihr erstes EM-Spiel gegen Frankreich bestreitet.

Sommermärchen oder erneuter Corona-Albtraum?

Bei sommerlicher Hitze und niedrigen Corona-Inzidenzzahlen sind viele Menschen in Feierlaune. Wissenschaftler und Politiker beobachten das mit gemischten Gefühlen. Im Hinterkopf haben sie die Sorge, dass das Sommermärchen zum neuerlichen Corona-Albtraum mutieren könnte.

Das DFB-Team startet in die EM (die Partie gegen Frankreich gibt es ab 21 Uhr live im ZDF) - ein Stimmungsbild:

ZDF-Reporter Florian Zschiedrich berichtet aus München. Auch die Fans bereiten sich vor.

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Deshalb mahnt Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter die Fußballfans zur Vorsicht. Wer sich nicht an die Schutzregeln halte und sich stattdessen beim Torjubel in den Armen liege, riskiere einen erneuten Corona-Ausbruch, so der SPD-Politiker.

Der Gesundheitspolitiker und Epidemiologe Karl Lauterbach pflichtet seinem Parteikollegen bei: Wer sich ungeimpft zu nahekomme, riskiere weiterhin, "sich zu infizieren und zu erkranken", so Lauterbach. In großen Menschenmengen empfiehlt er weiterhin das Tragen einer Maske, um die Gefahr zu minimieren, sich mit dem Coronavirus anzustecken.

RKI-Präsident Wieler blickt mit Sorge auf EM-"Event"

Mit Blick auf die Fußball-EM warnten auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Lothar Wieler, der Präsident des Robert Koch-Instituts, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin vor zu großem Leichtsinn.

Wir möchten nicht, dass die Zahlen durch solche Events wieder steigen.
Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts

Näher ins Detail gehen "zu einzelnen Settings" wollte das RKI auf ZDFheute-Nachfrage nicht. Allerdings verweist das Bundesinstitut auf die Wichtigkeit, die bekannten Regeln zu Abstand, Masken und Hygiene weiter einzuhalten.

Unsicherheit durch Delta-Variante des Virus

In der aktuellen Debatte um den Sinn und Zweck, im Alltag weiterhin "Mund-Nasen-Schutzmasken" zu tragen, bezieht Wieler klar Position. Vor allem, wenn sich Ungeimpfte in Innenräumen nahekommen, hält der RKI-Präsident Masken weiterhin für unverzichtbar, um ein Übertragen des Virus zu verhindern.

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie, Eva Grill, unterstützt Wielers Position:

Es geht hier auch um den Schutz vor ansteckenderen neuen Varianten des Virus.
Eva Grill, Epidemiologin der Ludwig Maximilians-Universität München

So sorgt in Großbritannien die so genannte Delta-Variante des Coronavirus aktuell wieder für steigende Infektionszahlen, obwohl mehr als 60 Prozent der Briten zumindest bereits einmal geimpft sind.

Aerosolforscher gegen generelle Maskenpflicht

Unabhängig davon spricht sich der Physiker und Aerosolforscher Gerhard Scheuch in einem aktuellen Interview dafür aus, die generelle Maskenpflicht in Innenräumen zu überdenken. Zwar mache der Maskenschutz unter Umständen in dichtem Gedränge noch Sinn.

Die Forderung nach dem Ende der Maskenpflicht wird lauter und auch Gesundheitsminister Spahn (CDU) spricht sich für ein stufenweises Ende aus. Die Politik diskutiert, wo die Maskenpflicht aufgehoben werden kann und wo sie sinnvollerweise bleiben sollte.

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"Das hängt aber stark von den Inzidenzzahlen ab - hier sollte die Politik verbindliche Vorgaben machen, ab welcher Zahl man eine generelle Maskenpflicht aufrecht erhält und wann nicht", forderte der Forscher im Gespräch mit der "Badischen Zeitung".

In Schulen, Konzertsälen, Büros oder auch in großen Supermärkten brauche es laut Scheuch keine Maskenpflicht mehr, wenn dort ausreichend gelüftet werden könne. Angesichts der niedrigen Inzidenzzahlen müssten die Leute wieder mehr selbst entscheiden können, ob sie eine Maske tragen wollten oder nicht, so Scheuch.

Experten zur Maskenpflicht - Wo die Maske sinnvoll bleibt  

Die allgemeine Maskenpflicht könnte nach mehr als einem Jahr wieder gelockert werden. Was Experten davon halten und wo das Tragen einer Maske noch sinnvoll ist: ein Überblick.

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von Jan Schneider

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