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Corona-Pandemie in Italien - Medizin und Mafia gehen Hand in Hand

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Mafia, Politik und Gesundheitswesen - in Süditalien hat diese Verquickung Tradition. Verschärft durch Corona lässt sich das Krankenhaus-Desaster dort kaum mehr vertuschen.

Mario Occhiuto (l-r), Bürgermeister von Cosenza, Giuseppe Falcomata, Bürgermeister von Reggio Calabria, und Sergio Abramo, Bürgermeister von Catanzaro, sprechen zu Journalisten am 19.11.2020 in Rom
Bürgermeister aus Kalabrien haben im November ein Ende der Administration um den Gesundheitskommissar in der Region gefordert.
Quelle: dpa

An einem Donnerstag im November rückten Polizeibeamte an mehreren Orten Italiens zu einem besonderen Anti-Mafia-Schlag aus. Ziel war die 'Ndrangheta, das mächtigste und brutalste Verbrechernetz des Mittelmeerlandes.

Mafia-Jäger Nicola Gratteri und andere Ermittler aus Kalabrien starteten mit der Aktion einen Angriff, der gerade in der Corona-Pandemie als Signal gelten kann: Sie lassen nicht locker.

Es hat schon viele Fälle von Korruption im Gesundheitssektor gegeben.
Nicola Gratteri, Staatsanwalt

In Süditalien gelten Teile des medizinischen Systems, darunter auch Krankenhäuser und Apotheken, als mafiös unterwandert. Manche Politiker lassen sich von der 'Ndrangheta einkaufen, um deren Geschäfte in diesem Bereich zu decken.

Die Pandemie droht Italien auch in eine soziale Krise zu stürzen. Die Mafia versucht sie für sich auszunutzen.

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In Italiens Gesundheitssektor lockt staatliches Geld

"Dieser Sektor macht um die 70 Prozent des regionalen Haushalts aus", beschreibt Staatsanwalt Gratteri das, was die Mafia lockt.

Im aktuellen Fall wurde ein führender Politiker aus der Regionalhauptstadt Catanzaro unter Hausarrest gestellt. Er steht im Verdacht, der 'Ndrangheta mit Genehmigungen für Medikamentenhandel und den Aufbau eines Apothekennetzes vor allem in Kalabrien geholfen zu haben.

Im Gegenzug sollten die Mafiosi ihm, so der Vorwurf, bei den Regionalwahlen 2014 Stimmen beschaffen. Zudem ging die Justiz gegen knapp 20 Mitglieder des Grande-Aracri-Clans vor.

Corona-Krise ist Nährboden für Mafia

Die 'Ndrangheta-Clans seien bestrebt, staatliches Versagen zu fördern. "Ein System, wo nichts funktioniert, ist genau der Ort, an dem Mafia-Organisation alles untergraben und damit einen Sieg davontragen, indem sie für Liquidität, Kontrolle und Organisation sorgen", beschrieb der Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano ("Gomorrha") dieser Tage, was in Kalabrien politisch zu beobachten ist.

Pandemien schaffen keine Krisen, Pandemien radikalisieren bestehende Krisen.
Roberto Saviano, Autor

Das Medizin-System dort sei seit Langem defizitär. Außerdem seien, wie in anderen Regionen Süditaliens, reihenweise mittlere und kleine Krankenhäuser geschlossen worden. Das räche sich in der Corona-Krise.

Das Geschäftsmodell der 'Ndrangheta

Und was tut die 'Ndrangheta? Die Ermittler stoßen auf eine Vielzahl krimineller Geschäftsmodelle. Medizinhandel, Krankentransporte, Bestattungsdienste: exklusive Zugänge zu Aufträgen, überteuerte Preise, Bestechung und Erpressung, die Liste ist lang.

Rom feuerte zuletzt den staatlichen Kommissar in Kalabrien wegen Unfähigkeit - und hatte dann wochenlang Schwierigkeiten, einen neuen Aufpasser zu finden.

Um die engen Bindungen zwischen Politik, Mafia und Gesundheitswesen zu kappen, braucht es mehr als die Großrazzien, weiß Gratteri. Trotzdem tut sie ihren Teil: "Wir müssen wachsam bleiben", sagt der Staatsanwalt. Aber auch die Kultur und das Denken aller müssten sich ändern.

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