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Screenings in ganz Österreich - Wie funktionieren die Corona-Massentests?

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Sie sind freiwillig. Sie sind teuer. Und sie sollen die Pandemie eindämmen - so die Hoffnung in Österreich. Aber wie laufen die Massentestungen ab und was bringen sie wirklich?

Österreich setzt gegen Corona auf landesweite Screenings. Virusträger ohne Syptome sollen erkannt und Infektionsketten unterbrochen werden.

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Ab Freitag werden zahlreiche Einwohner*innen in Österreich zum Nasen-Abstrich erwartet. Bis zum 15. Dezember sollen alle Corona-Testungen abgeschlossen sein. Das Ganze kostet 67 Millionen Euro plus viel Personal: eine Investition, die für den Frankfurter Virologen Martin Stürmer durchaus fraglich ist.

Wer wird getestet?

Nur wer will. Teilnehmen können alle Bürger*innen ab dem schulpflichtigen Alter, die wohnhaft in Österreich sind. Außerdem all jene, die sich aus Arbeits- und Studiengründen in dem Land aufhalten. Der Wunsch der Bundesregierung: so viele Menschen wie möglich zu den Tests motivieren, aber wie viele sich von den 8,9 Millionen Österreicher*innen tatsächlich testen lassen werden, weiß momentan niemand. Wer sich krank fühlt, soll zu Hause bleiben.

Um herauszufinden, wie hoch die Dunkelziffer ist, ließen sich in Südtirol 340.000 Menschen freiwillig testen. Das Ergebnis zeigt: Etwa ein Prozent der Getesteten waren positiv.

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Wie läuft das Prozedere ab?

Um Menschenmengen zu vermeiden, muss man sich vorab online anmelden. Dort kann man eine passende Teststraße auswählen.

Die erste Runde ist ein Antigen-Test, das Ergebnis kann digital per Link abgerufen werden und soll innerhalb von 15 bis 30 Minuten feststehen. Fällt der Test positiv aus, muss der oder die Betroffene sofort in Quarantäne und es folgt ein PCR-Test, idealerweise innerhalb von 24 Stunden. Ist der PCR-Test negativ, wird die Quarantäne aufgehoben. Bei einem positiven PCR-Test müssen die Person sowie die engsten Kontakte insgesamt zehn Tage in Quarantäne bleiben.

Das sogenannte Screening soll pro Einwohner*in zunächst nur einmal durchgeführt werden. Genau hier sieht der Virologe Martin Stürmer ein Problem: "Wenn ich heute die ganze Bevölkerung durchtesten würde, habe ich noch lange keine Sicherheit, dass auch wirklich alle negativ sind, die ich negativ teste."

Denn die heute Negativen könnten ein oder zwei Tage später positiv sein und dann wieder anstecken.
Virologe Martin Stürmer

Was erhofft man sich?

Der Fokus bei dem Screening liegt auf denen, die Corona-positiv sind, aber keine Symptome zeigen. Unentdeckte Fälle sollen so aufgedeckt und Infektionsketten unterbrochen werden. Vor circa zwei Wochen verzeichnete Österreich seinen bisherigen Höchststand an täglichen Neuinfektionen. Laut der Johns-Hopkins-Universität lag der Wert am 13. November bei rund 9.600. Zum Vergleich: In der ersten Welle im Frühjahr lag der höchste Wert bei gerade einmal 1.300 Neuinfektionen binnen 24 Stunden (26. März).

In Österreich wird das öffentliche Leben nach einem dreiwöchigen Lockdown teilweise wieder hochgefahren. Gastronomie und Hotels bleiben aber noch bis zum 7.Januar geschlossen.

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Wie sind die Erfolgsaussichten?

Es gibt die Befürchtung, dass einige Österreicher*innen auf einen Test verzichten, um eine mögliche Quarantäne zu umgehen. Kanzler Kurz bezeichnete ein solches Verhalten während eines Bürgerdialogs als "schwer fahrlässig".

Der Virologe Stürmer geht noch weiter: "Der negativ Getestete bzw. der gar nicht Getestete: Das sind die Problemfälle, weil die können und werden möglicherweise weiterhin infektiös sein. Wenn man dann auch noch sagt 'Wir haben ja alle durchgetestet, also können wir lockern‘ - dann ist das der falsche Weg."

Was kostet das Ganze?

Die Teilnehmenden sollen die Tests nichts kosten, den Staat Österreich aber sehr viel. Kritik kommt von der Opposition: "Während die WHO, die USA, aber auch das kleine Land Slowakei einen Test für rund vier Euro erwarben, hat das Bundesheer knapp sieben Euro pro Test hingelegt", erklärte SPÖ-Politiker Robert Laimer. Hochgerechnet seien das Mehrkosten im Vergleich zu anderen Ländern von knapp 30 Millionen Euro. Für diese müssten nun die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen "blechen", so Laimer.

Bundeskanzler Sebastian Kurz verteidigt die Massentests: Wirtschaftlich gesehen seien sie ein "extrem billiges Mittel", koste der Lockdown doch jede Woche mehrere Milliarden Euro. Klar ist: Die Massentests in Österreich werden kommen und durchgeführt. Doch es ist noch lange nicht klar, ob und inwiefern das Virus dadurch zurückgeht.

Korrektur: In einer ersten Version des Textes stand im ersten Absatz, dass sich die Gesamtkosten auf 6,7 Millionen Euro belaufen würden. Das Komma war falsch, die Kosten betragen insgesamt rund 67 Millionen Euro. Es wurden 10 Millionen Tests bestellt, pro Test kommt es zu Kosten von circa 6,70 Euro. Österreich bezieht seine Tests von drei Firmen: Eine Million Tests stammen von der Wiener Firma IFMS Med (4,86 Euro/Stk.), fünf Millionen kommen von Siemens (6,24 Euro/Stk.) und vier Millionen Stück bezieht Österreich vom Schweizer Unternehmen Roche (7,80 Euro/Stk.). Insgesamt kommt man so auf einen Durchschnittspreis von 6,70 Euro pro Test und einem Gesamtbetrag von 67 Millionen Euro. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

[Wie sieht eine erfolgreiche Teststrategie aus? Eine Einschätzung zur deutschen Strategie lesen Sie hier:]

Frankfurt am Main: Corona Teststation

Kampf gegen Corona - Wie sinnvoll ist die deutsche Teststrategie? 

Wer wird aktuell getestet? Wie zielführend sind Massentests? Und welche Rolle haben Schnelltests für die Corona-Teststrategie? Ein Überblick.

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