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Fünf Länder, fünf Wege - Wie geht Europa mit der zweiten Welle um?

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Über 400.000 Corona-Tote in Europa: Länder reagieren ähnlich und doch verschieden. Wie streng sind europäische Corona-Maßnahmen? Und was bringen sie überhaupt? Fünf Beispiele.

Österreich, Wien: Menschen in der Innenstadt von Wien.
Europa ist mitten in der zweiten Corona-Welle. Das Ziel ist überall dasselbe: Die Infektionen müssen sinken.
Quelle: Reuters

Der europäische Kontinent ist mit insgesamt über 400.000 Corona-Toten nach Lateinamerika der am zweitstärksten von der Corona-Pandemie betroffene Kontinent. Wie gehen die Länder mit der zweiten Welle um? Schulen sind flächendeckend nur in Österreich geschlossen, Italien setzt auf eine nächtliche Ausgangssperre und in den Niederlanden haben kulturelle Einrichtungen offen, Restaurants aber nicht.

Fünf Beispiele, ähnliche Maßnahmen und doch eigene Wege. Alle aber mit einer klaren Tendenz und einem gemeinsamen Ziel.

Österreich

Wer darf sich wo treffen?

  • Außer Personen desselben Haushalts ist der Kontakt auf Partner*innen, Verwandte und Pflegepersonen beschränkt.
  • Beerdigungen sind mit einer maximalen Personenanzahl von 50 erlaubt.
  • Alle Versammlungen sind abgesagt, bis auf wenige Ausnahmen z.B. Demonstrationen.
  • Ausnahmen soll es an Weihnachten geben: An den Feiertagen und zum Jahreswechsel sollen sich bis zu zehn Personen treffen können.

Was hat auf?

  • Supermärkte, Tabakläden, Banken, Postämter, Kioske und Fahrradläden dürfen zwischen 6 und 19 Uhr geöffnet bleiben.
  • Tankstellen und Apotheken dürfen länger öffnen.
  • Hotels dürfen nur Geschäftskunden beherbergen.
  • Bibliotheken bleiben offen.
  • Kindergärten sind je nach Bedarf offen.

Was hat zu?

  • Die Schulen sind zu, Unterricht findet online statt.
  • Der Einzelhandel ist weitestgehend geschlossen, ebenso Museen, Theater und Zoos.
  • Friseure und Kosmetikstudios sind geschlossen wie auch Fitnessclubs und Schwimmbäder.
  • Skigebiete sind bis zum 24. Dezember geschlossen. Einheimische dürfen ab Heiligabend wieder auf die Piste. Für Einreisende aus Risikogebieten, wozu derzeit auch Deutschland gehört, gilt eine zehntägige Quarantänepflicht.

Gibt es eine Ausgangssperre?

Die Menschen werden gebeten, so viel wie möglich zu Hause zu bleiben. Sie dürfen das Zuhause nur aus wesentlichen Gründen verlassen.

Gehen die Infektionszahlen zurück?

Ja. Am 13. November lagen die Neuinfektionen binnen 24 Stunden bei rund 9.600, am 21. November bei circa 6.600 und Ende des Monats am 27. November bei rund 5.000.

Wie lange gelten die Maßnahmen?

Mindestens bis zum 6. Dezember. Danach soll es laut Kanzler Kurz "behutsame Öffnungsschritte" geben. Das heißt, Dienstleister dürfen dann ebenso wieder öffnen wie Pflichtschulen, Museen und Bibliotheken. Gastronomie und Hotels bleiben unter anderem bis zum 7. Januar 2021 geschlossen.

Geschlossene Geschäfte, strenge Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, Fernunterricht an den Schulen - in Österreich tritt ab heute bis einschließlich 6. Dezember eine deutliche Verschärfung der Corona-Maßnahmen in Kraft.

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Datum:

Frankreich

Nach knapp einem Monat strikter Ausgangssperren hat Frankreich seine Corona-Regeln etwas gelockert. Sollten die Zahlen weiter sinken, werden die Ausgangsbeschränkungen durch nächtliche Ausgangssperren ersetzt, teilte Präsident Emmanuel Macron Ende November mit.

Wer darf sich wo treffen?

  • Es dürfen sich nicht mehr als sechs Personen treffen.
  • Sport und Spazieren im Freien: Statt bisher einer Stunde pro Tag sind nun drei Stunden erlaubt, der Radius erweitert sich von einem auf 20 Kilometer rund um den Wohnort.

Was hat auf?

  • Geschäfte und Friseure haben wieder geöffnet, aber unter strikten Auflagen.
  • Auch Bibliotheken und Archive haben geöffnet.
  • Religionsgemeinschaften können wieder Messen abhalten, mit maximal 30 Gläubigen.
  • Unterricht findet weitestgehend in den Schulen statt.
  • Skigebiete sollen offen bleiben. Wer im Ausland Skifahren war, muss zukünftig wahrscheinlich in eine siebentägige Quarantäne.

Was hat zu?

Hotels, Restaurants, Bars und die Kulturszene bleiben geschlossen.

Gibt es eine Ausgangssperre?

Das Verlassen des Zuhauses ist nach wie vor nur aus triftigem Grund und mit Bescheinigung erlaubt.

Gehen die Infektionszahlen zurück?

Ja, und zwar stark. Anfang November lagen die Neuinfektionen binnen 24 Stunden über 125.000. Keine zehn Tage später, am 17. November meldete die Johns-Hopkins-Universität circa 46.000 neue Fälle innerhalb eines Tages. Am 28. November lag die Zahl bei rund 12.600.

Paris lockert vorsichtig die strengen Corona-Auflagen und erlaubt wieder mehr Freiheiten. Ein Ende des strikten Lockdowns wird für Dezember in Aussicht gestellt.

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Italien

Wer darf sich wo treffen?

  • Versammlungen sind im öffentlichen Raum nicht erlaubt.
  • Feiern, die sich aus zivilen oder religiösen Zeremonien ergeben, sind verboten.
  • Freizeitaktivitäten im Freien und Outdoor-Sport sind möglich.

Was hat auf?

  • Restaurants in Regionen mit geringem Risiko dürfen von 5 bis 18 Uhr öffnen.
  • Geschäfte und touristische Unterkünfte dürfen mit entsprechenden Maßnahmen öffnen.
  • Strände sind teilweise geöffnet.
  • Friseure sind in Gebieten mit geringem Risiko geöffnet, Termine nur nach Vereinbarung.
  • Der Zugang zu Parks, Villen, Spielplätzen und öffentlichen Gärten ist erlaubt.
  • Grundschulen und Kindergärten haben unter Einhaltung spezifischer Maßnahmen geöffnet.

Was hat zu?

  • Restaurants in Regionen mit erhöhtem Risiko sind zu. Speisen dürfen überall bis 22 Uhr zum Mitnehmen angeboten werden.
  • Geschlossen sind Theater, Konzertsäle, Kinos, Museen, Diskotheken und ähnliche Einrichtungen.
  • Skianlagen beispielsweise in Südtirol sind ebenfalls geschlossen.
  • Sportveranstaltungen und Wettkämpfe für Individual- und Teamsport werden ausgesetzt.
  • Festivals, Messen, Konferenzen und ähnliche Veranstaltungen sind verboten.
  • Wellness-Center, Fitness-Studios, Schwimmbäder sind zu.
  • Höhere Schulen und Universitäten verzichten weitestgehend auf Präsenzunterricht.

Gibt es eine Ausgangssperre?

Von 22 bis 5 Uhr dürfen die Menschen in Italien nur aus wesentlichen Gründen vor die Tür.

Gehen die Infektionszahlen zurück?

Ja, zunächst sehr stark von ungefähr 41.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages (13. November) auf circa 27.000 (20. November), dann etwas flacher auf rund 26.300 (28. November).

Wie lange gelten die Maßnahmen?

Mindestens bis zum 3. Dezember. Die Regierung in Rom beschloss in der Nacht zu Donnerstag, die Bewegungsfreiheit über Weihnachten und Silvester stärker einzuschränken. Die 60 Millionen Italiener*innen sollen nicht in den Weihnachtsurlaub aufbrechen oder entfernte Verwandte besuchen. Bei Reisen ins Ausland seien laut Gesundheitsminister Roberto Speranza "abschreckende Vorschriften" geplant.

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Die Niederlande

Wer darf sich wo treffen?

  • Man darf zu Hause maximal drei Personen zu Besuch haben. Sich im Freien treffen oder Sport treiben dürfen maximal vier Personen.
  • Nicht mehr als 30 Personen sind an Indoor-Sitzplätzen erlaubt.
  • Die maximale Personenanzahl bei einer Beerdigung beträgt 100.

Was hat auf?

  • Der Einzelhandel muss um 20 Uhr schließen. Lebensmittelgeschäfte dürfen bis 22 Uhr geöffnet haben, zwischen 20 und 7 Uhr wird kein Alkohol verkauft.
  • Gotteshäuser und touristische Unterkünfte sind geöffnet.
  • Museen, Theater, Kinos, Vergnügungsparks, Zoos und Bibliotheken dürfen besucht werden.
  • Dienstleister wie zum Beispiel Friseure dürfen öffnen.
  • Schulen und Kindergärten haben geöffnet, teilweise mit Maskenpflicht.
  • Strände, Schwimmbäder und Fitness-Studios darf man besuchen, Umkleidekabinen bleiben geschlossen.

Was hat zu?

Restaurants, Cafés, Diskotheken, Clubs sind geschlossen.

Gibt es eine Ausgangssperre?

Nein.

Gehen die Infektionszahlen zurück?

Ja, auch in den Niederlanden sinken die Neuinfektionen binnen 24 Stunden und haben sich innerhalb eines Monats etwa halbiert. Lagen sie am 30. Oktober noch bei circa 11.200, verzeichnete die Johns-Hopkins-Universität am 7. November ungefähr 6.700 neue Fälle und am 29. November rund 5.700.

Wie lange gelten die Maßnahmen?

Premierminister Mark Rutte gab keine offizielle Dauer an, die Regeln gelten "bis auf Weiteres". Laut der niederländischen Nachrichtenagentur ANP kündigten einige Restaurantbetreiber*innen an, am 17. Januar zu öffnen, auch wenn dies dann immer noch verboten sein sollte. Sie begründen diesen Schritt mit ihrer wirtschaftlichen Not.

Sie waren die ersten in Europa, die hart durchgegriffen haben: Seit Anfang Oktober leben die Iren mit strengen Corona-Maßnahmen. Was die Zahl der Neuinfektionen angeht, scheint das Wirkung zu zeigen.

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Spanien

Wer darf sich wo treffen?

Gesellschaftliche Veranstaltungen im Freien sind auf sechs Personen beschränkt.

Was hat auf?

  • Restaurants, Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Einzelhandel sind geöffnet.
  • Touristische Unterkünfte sind offen, allerdings mit begrenzter Belegung.
  • Dienstleister wie zum Beispiel Friseure dürfen nur nach Vereinbarung Termine vergeben.
  • Strände sind als öffentliche Plätze zugänglich, aber je nach Belegungsgrad können die lokalen Behörden entsprechende Maßnahmen ergreifen.
  • Schulen sind teilweise geöffnet.

Was hat zu?

Diskotheken und Nachtbars haben geschlossen.

Gibt es eine Ausgangssperre?

  • Eine nationale Ausgangssperre gilt zwischen 23 und 6 Uhr.
  • Autonome Regionen haben die Befugnis, die Ausgangssperre eine Stunde früher oder später zu beginnen.
  • In einigen Regionen dürfen die Bewohner*innen das Gebiet nur aus triftigem Grund verlassen.

Gehen die Infektionszahlen zurück?

Die Maßnahmen lassen die täglichen Neuinfektionen stark sinken: von circa 55.000 am 2. November auf rund 38.000 am 16. November und rund 10.900 am 27. November.

Wie lange gelten die Maßnahmen?

Die Corona-Regeln gelten je nach Region unterschiedlich, teils bis zum 10., teils bis zum 14. Dezember.

Spanien ist eines der am schwersten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder Westeuropas. Im Januar soll ein umfassendes Impfprogramm starten.

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Fazit

In allen Ländern sinken die Infektionszahlen. Je steiler der Anstieg zuvor war, desto härter wurde durchgegriffen. Ein Ziel haben alle diese Länder gemeinsam: vor Weihnachten strengere Auflagen anordnen, um während der Festtage eventuell Lockerungen zulassen zu können.

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