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Umgang mit Mutanten - Das Coronavirus lässt sich kalkulieren

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Die Sorge vor Corona-Mutanten ist groß. Aber je mehr Daten vorliegen, desto besser lässt sich vorhersagen, mit welchen Varianten des Coronavirus wir künftig rechnen müssen.

Archiv: Eine Labor-Mitarbeiterin arbeitet an einem Laborgerät
Die Wissenschaft versucht vorherzusagen, wie sich das Coronavirus weltweit entwickeln wird.
Quelle: dpa

Welche Corona-Varianten kommen künftig auf uns zu? Wie können Impfstoffentwickler darauf reagieren? Und gibt es länderübergreifende Parallelen bei der evolutionären Entwicklung von Sars-Cov-2?

Professor Alice McHardy vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung sammelt mit ihrem Team Daten über das Coronavirus. Mithilfe eines von ihnen entwickelten Prognose-Tools werfen sie einen Blick in die Zukunft und ermitteln:

  • Wie erfolgreich verbreiten sich welche Virusvarianten?
  • Welche Virusvarianten werden sich künftig wahrscheinlich durchsetzen?

Welche Variante könnte sich in Deutschland durchsetzen?

McHardy zufolge könnte sich die südafrikanische Variante (B.1.351) durchsetzen. Sie komme in Deutschland etwas häufiger vor als beispielsweise die brasilianische Linie (P.1) und scheine auch weltweit auf dem Vormarsch zu sein. Ein eindeutiger Trend lasse sich noch nicht ablesen, sagt McHardy im Gespräch mit ZDFheute.

Welche Bedeutung hat die indische Mutante B.1.617?

Besonders häufig war in den vergangenen Wochen die Rede von der indischen Variante. B.1.617 war bereits im Februar von McHardys Team als die möglicherweise durchsetzungsfähigere identifiziert worden. Ganz vereinzelt wurde sie auch in Deutschland nachgewiesen. Die Variante weise genetische Veränderungen auf, die den Schutz vorhandener Impfstoffe etwas reduzieren könne. Daher sei es sinnvoll, dass man versuche, sie nicht weiter nach Deutschland zu importieren.

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Inwieweit die Variante die Dynamik in Indien tatsächlich vorangetrieben hat, gibt McHardy allerdings zu bedenken, lasse sich nicht beurteilen. Dafür sei die Datenlage in dem Land nicht ausreichend.

Um Prognosen zu erstellen, haben die Forscher*innen das Online-Tool "CoVerage" entwickelt:

Welche Rolle spielen Sequenzierungsprogramme?

Wie wichtig es ist, mögliche Varianten möglichst früh zu erkennen, zeigt die Erfahrung mit der britischen Mutante B.1.1.7. Inzwischen wird sie laut Robert-Koch-Institut in neun von zehn Proben in Deutschland nachgewiesen.

Je mehr Länder durch Sequenzierung genauere Informationen über das Virus sammeln würden, desto mehr Zeit ließe sich gewinnen, um sich auf neue Varianten vorzubereiten, betont McHardy.

Wie anpassungsfähig ist das Coronavirus?

Überträgt sich das Virus, besteht jedes Mal die Möglichkeit, dass es sich optimiert und sich einen weiteren Vorteil bei der Verbreitung verschafft. Tatsächlich könne sich das Coronavirus, so McHardy, schnell an den Menschen anpassen und reagiere auch auf veränderte Umweltbedingungen:

Mit der zunehmenden Immunisierung der Bevölkerung werden wir vermehrt antigenisch veränderte Varianten zirkulieren sehen, die dann einen Selektionsvorteil haben werden.
Alice McHardy, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Ähnlichkeiten bei Mutationsmerkmalen erkennbar

Ein gutes Zeichen sei, dass wesentliche Veränderungen oft mehrfach unabhängig voneinander in verschiedenen Ländern auftreten würden. Es sehe so aus, als gebe es einige wenige evolutionäre Pfade, die besonders einfach für das Virus zu beschreiten seien, während es sich optimiere.

Dies würde bedeuten, erklärt McHardy, dass man es in Zukunft nicht mit sehr vielen, verschiedenen neuartigen Varianten zu tun haben könnte, sondern mit einigen wenigen, die dominieren.

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Auch der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité bestätigt diese Beobachtung im Coronavirus-Update des NDR.

Die Tatsache, dass das alles so hochgradig konvergent geschieht, ist für mich eigentlich eher etwas Ermutigendes.
Christian Drosten, Berliner Charité

Können Corona-Impfstoffe an Varianten angepasst werden?

Wenn sich künftig tatsächlich nur einige dominante Virusvarianten entwickeln würden, hätte dies konkrete Folgen für die Impfstoffentwicklung. Denn dann könnte der Impfstoff, ähnlich wie bei der Grippe, an die zirkulierenden Varianten angepasst werden.

Hier können Sie sehen, wie die Corona-Impfstoffe an neue Virus-Varianten angepasst werden - und wie lange das dauert:

Die Corona-Impfstoffe können auch an Virus-Varianten angepasst werden.

Nachrichten | Panorama - Wie Impfstoffe an Varianten angepasst werden 

Einige Corona-Varianten können den Impfschutz verringern. Die gute Nachricht: Die Impfstoffe können angepasst werden – aber unterschiedlich schnell.

Offenbar haben die Corona-Impfstoffe auf mRNA-Technologie dabei einen Vorteil. Denn die Vorlaufzeit für die Impfstoffentwicklung gegen Grippeviren ist relativ lang. Bei Sars-Cov-2 hingegen könne man vermutlich schneller reagieren. McHardy sieht die Entwicklung optimistisch:

Wir werden mit zunehmenden Impfungen die Pandemie unter Kontrolle bekommen. Und entweder mit oder ohne zirkulierendem Sars-Cov-2 hoffentlich bald wieder in einen nicht-pandemischen Zustand zurückkehren können.
Alice McHardy, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Fazit: Zwar ist über das Coronavirus noch weniger bekannt als über andere Erreger. Aber mit weltweiten Datenbanken können Wissenschaftler*innen auch Prognosen über die Entwicklungen von Varianten des Coronavirus machen. Je mehr und je früher Informationen vorliegen, desto besser können Länder und auch Impfstoffhersteller auf Veränderungen des Virus reagieren.

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