Nach dem Ausbruch mit der britischen Virus-Mutante in einer Klinik wurde das komplette Personal durchgetestet. Erste Ergebnisse lassen auf weitere Fälle schließen.
Nachdem sich am Berliner Vivantes Humboldt-Klinikum 14 Patientinnen und Patienten sowie sechs Mitarbeiter nachweislich mit dem ansteckenderen Coronavirus-Typ B.1.1.7 infiziert hatten, wurden alle Mitarbeiter des Krankenhauses durchgetestet und mussten sich in eine sogenannte Pendelquarantäne begeben.
"Am heutigen Tag ist es schon so, dass erste Ergebnisse eintrudeln, die uns nicht glücklich machen", sagte Patrick Larscheid, Amtsarzt des Gesundheitsamts Berlin-Reinickendorf, dem ZDF am Sonntag. "Wir werden im Laufe der kommenden Stunden und des kommenden Tages einen einigermaßen besseren Überblick haben". Es sei aber schon jetzt abzusehen, dass die Fallzahl steige, so Larscheid.
Klinik gilt als Vorbild in Früherkennung von Mutante
Routinescreenings in der Klinik im Stadtteil Reinickendorf hatten die ersten 20 Infektionen zutage gefördert. Das Krankenhaus gilt als Vorbild bei der Früherkennung der neuartigen Corona-Mutante. Schon seit Anfang Januar testet man dort auf B.1.1.7.
"Nur weil wir ein Vorab-Screening von bereits positiven Tests gemacht haben, ist uns diese Mutante aufgefallen und deswegen können wir dementsprechend gut handeln", sagte Johannes Danckert, Geschäftsführer des Vivantes Humboldt-Klinikums, am Sonntag dem ZDF.
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Aufnahmestopp in Berliner Klinik
Nach den Infektionen nimmt das Krankenhaus auch keine Patienten mehr auf. Der Virus-Typ B.1.1.7 war bisher vor allem in Großbritannien aufgetreten. Die Variante ist Experten zufolge leichter übertragbar als die bislang vorherrschende. In Abstimmung zwischen Klinikum, Gesundheitsamt Reinickendorf und Robert Koch-Institut wird auf Anordnung des Gesundheitsamtes daher vorläufig ein Aufnahmestopp verhängt.
Durch die Maßnahme soll die Ausbreitung der Virusvariante in Berlin eingedämmt werden. Die seit Samstagfrüh verhängte Einschränkung gilt bis auf Weiteres. Notfälle werden in andere Krankenhäuser gebracht. Berliner Labore suchen nun gezielt nach Mutationen.
Shuttlebusse und Sammeltaxen sollen Pendelquarantäne gewährleisten
Die etwa 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses stehen unter sogenannter Pendelquarantäne. Sie dürfen nur zwischen ihrem Zuhause und der Klinik unterwegs sein. Dafür werden aktuell Fahrdienste und Shuttles organisiert.
Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hätten Unterstützung signalisiert, hieß es. Kleinbusse sollen als Sammeltaxen das diensthabende Personal zu Hause abholen und nach der Schicht heimfahren, wie der "Tagesspiegel" berichtet.
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