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Winter und Corona - Obdachlos zwischen Kälte und Infektionsgefahr

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Für obdachlose Menschen birgt jeder Winter Gefahren. Durch die Corona-Pandemie ergeben sich neue Herausforderungen - nicht nur für die Obdachlosen, auch für Städte und Kommunen.

Wegen der Corona-Pandemie haben es Obdachlose besonders schwer.

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Schlafen im Warmen ist für mehr als 41.000 obdachlose Menschen in Deutschland keine Selbstverständlichkeit. Aber auch für rund 678.000 Wohnungslose in Deutschland ist die Situation schwierig.

Gerhard Trabert, Mainzer Mediziner und Gründer von Armut und Gesundheit in Deutschland e.V., sieht die damit verbundene Armut als strukturelles Problem. Er wirft der Politik vor, gerade in Zeiten der Pandemie, zu wenig für die Menschen auf der Straße zu machen: "Es wird immer gesagt 'Das Virus macht alle gleich' und das stimmt eben nicht."

Nicht nur Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind während der Corona-Pandemie überlastet. Auch die Caritas-Einrichtungen für Obdachlose in Berlin spüren Folgen. Hier kümmern sich Mitarbeiter um die medizinische Versorgung von Wohnungslosen.

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Situation der Wohnungslosen deutlich verschärft

Die Pandemie zeige wie unter einem Brennglas die Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten auf. Bei der ersten Welle habe man überhaupt nicht an die Wohnungslosen gedacht und öffentliche Toiletten gesperrt, viele Beratungs- und Unterstützungsangebote zurückgefahren, Tafeln geschlossen, das Streetworking eingestellt.

"Das alles hat zu einer deutlichen Verschärfung der Situation Wohnungsloser geführt", konstatiert Trabert und fügt ernüchtert hinzu, dass "die Pandemie einfach zeigt, dass die Politik an viele Menschen denkt, aber eben nicht an von Armut Betroffene".

Eine Pflegestation in Berlin hält Plätze für Menschen ohne Bleibe und Krankenversicherung frei. Jule Marrenbach ist dort Pflegerin.

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Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. befürchtet einen gefährlichen Corona-Winter für Wohnungslose. Da es gilt, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, führe das laut Geschäftsführerin Werena Rosenke zu einer "drastischen Verknappung der Unterkunftsplätze und/oder der Aufenthaltszeiten in den Hilfeeinrichtungen".

Eine Straße in einer Großstadt. Zu sehen ist ein Wagen mit einer Schlafmatte.

Nachrichten | Panorama - Wohnungslos in Corona-Zeiten 

Die Situation ist noch prekärer als vorher. Klicken Sie hier zum Start der Tap-Story.

Frankfurt: U-Bahnhaltestelle als Notunterkunft

In Frankfurt am Main leben etwa 100 Menschen aus 71 Nationen dauerhaft auf der Straße. Die B-Ebene der U-Bahnhaltestelle Eschenheimer Tor ist seit dem 1. November als Notunterkunft geöffnet und bietet 150 Plätze. Wohnungslose finden hier neben einem Schlafplatz auch sanitäre Anlagen und das Angebot warmer Getränke.

Die große Fläche ermöglicht es, die vorgeschriebenen Abstände einzuhalten: Die Schlafplätze sind mindestens 1,50 Meter voneinander entfernt, meistens sogar mehr.
Daniela Birkenfeld, Sozialdezernentin der Stadt Frankfurt

Viele Hilfseinrichtungen, z.B. für Obdachlose, müssen derzeit ihre Angebote reduzieren oder sogar ganz herunterfahren.

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Kältebus fährt zu den wohnungslosen Menschen

Und auch bei der mobilen Versorgung wurde Corona-technisch aufgerüstet. Der Frankfurter Verein, der den Kältebus betreibt, habe neben CO2-Ampeln auch vier Luftfilter angeschafft, so Dezernentin Birkenfeld.

Der Kältebus fährt jede Nacht rund 120 Kilometer durch die Main-Metropole und sucht die Wohnungslosen auf. Die Menschen werden mit Schlafsäcken versorgt und erhalten das Angebot, in eine Unterkunft gebracht zu werden.

Unser Kältebus ist uneingeschränkt im Dienst.
Christina Heinrichs, Frankfurter Verein für Kältebus

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen bei ihren Einsätzen die übliche Schutzkleidung. "Die Versorgung der Menschen auf der Straße erfolgt wie bisher", erklärt Heinrichs.

Offenburg: Begrenzte Personenzahl kann sich aufwärmen

Etwas enger sieht es in Offenburg in Baden-Württemberg aus. "Die Offenburger Wärmestube wird derzeit unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln betrieben, was bedeutet, dass sich nur eine maximal erlaubte Personenzahl gleichzeitig aufwärmen kann", erklärt Bärbel Wahl, Leiterin der ambulanten Hilfen der agj-Wohnungshilfe im Ortenaukreis.

Seit 13. November ist auch der Erfrierungsschutz für Menschen ohne Wohnung geöffnet, der gemeinsam von der Stadt Offenburg, dem Ortenaukreis und dem agj-Fachverband organisiert wird. "Insgesamt stehen in diesem Winter zwölf Betten zur Verfügung, bei Bedarf können im Rahmen des Schutzkonzepts weitere Personen aufgenommen werden", so Wahl.

Man verzichte in der Pandemie auf Stockbetten und halte sich an die Abstands- und Hygieneregeln. Der Erfrierungsschutz in Offenburg ist ortenauweit der einzige seiner Art.

Auch in Zeiten von Corona gibt es Freiwillige, die gerade jetzt ein Herz für andere zeigen.

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Weniger Plätze in Berliner Kältehilfe

1.000 Notübernachtungsplätze bietet die Berliner Kältehilfe seit dem 1. November an. Wegen der geltenden Abstands- und Hygieneregeln seien es in diesem Jahr in den gewohnten Einrichtungen weniger Plätze als in den Jahren zuvor, erklärt die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales. Neue Einrichtungen ergänzen deshalb das Bestandsangebot.

In Zeiten von Corona klingt die Aufforderung, zu Hause zu bleiben, für obdachlose Menschen wie ein Hohn.
Elke Breitenbach, Senatorin Berlin

Viele Orte, an denen sie sich tagsüber aufhalten konnten, seien pandemiebedingt geschlossen. "Deshalb haben wir weitere 24/7-Einrichtungen für obdachlose Menschen eingerichtet, darunter auch eine Tag- und Nachtunterkunft speziell für Frauen", fügt die Senatorin hinzu.

Nicht jeder Wohnungslose schafft es, Hilfe anzunehmen

Einig sind sich alle Verantwortlichen: Niemand muss auf der Straße schlafen, sofern er oder sie das nicht selbst für sich entscheidet. Aber nicht jede*r ist in der Lage, Hilfe anzunehmen - egal wie niedrigschwellig das Angebot auch ist.

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